Aus digital mach analog! Neue Möglichkeiten für die Zukunft?

8 04 2010

Häufig wird Reales in die virtuelle Welt verfrachtet. Wer will noch auf einem Golfplatz golfen oder auf einer Gitarre spielen oder ein Tennismatch bestreiten oder ein echtes Leben führen, wenn es Spielkonsolen gibt? Hier erleben wir ein Beispiel, in dem ursprünglich Virtuelles den Weg in die reale Welt findet: Analoges Tetris.

Tetris analógico // Analogical Tetris from Esferobite-DSK on Vimeo.

Ganz neue Möglichkeiten tun sich auf: In Zukunft könnte man tatsächlich Quidditch spielen oder Luftgitarren selbst nicht zupfen oder Ungeheuer abschlachten oder drei Leben haben.





Retrakon On Tour #1

6 02 2010

Ein erklärungsbedürftiger Titel. Unter dieser Kategorie wird es in Zukunft Gedankensplitter geben, die sich aus interessanten Diskussionen im Zug ergeben. Im heutigen, ersten Fall war mein Gesprächspartner ein Retrakon-Leser und Kommentator und es ging, als ließe es sich nicht vermeiden, um China und die chinesische Gesellschaft. Dabei erinnerte ich mich an eine Reportage vor einigen Monaten, die einen bleibenden, leider aber negativen Nachgeschmack hinterlassen hat. Das Problem ist im Grunde genommen allgemein bekannt – und doch denkt kaum jemand ernsthaft an die gravierenden Folgen für die Zukunft. Durch Chinas seit 1979 verfolgte Ein-Kind-Politik und der Tatsache, dass viele Eltern ihr Ungeborenes abtreiben lassen, sollte es ein Mädchen sein, ergibt sich ein immer größer werdendes Ungleichgewicht der Geschlechter – bei einem Staat mit 1,33 Milliarden Einwohnern keine Kleinigkeit. Natürlich ist es offiziell verboten, Mädchen abtreiben zu lassen, weil sie Mädchen sind. Ein Jungenüberschuss von 20% spricht allerdings eine andere Sprache. In Zukunft werden viele Männer keine Frau finden, ganz einfach, weil es nicht genügend viele gibt. Dieses menschliche Grundbedürfnis nach Partnerschaft und (mehr oder weniger) exklusiver Zweisamkeit wurde und wird aus politischen und wirtschaftlichen Gründen missachtet.





Was mir zu Zeitreisen einfällt

28 01 2010

Ich gebe zu, das Thema Zeitreisen ist nicht ein typisches dieses Weblogs. Ich vermeide es normalerweise, ganz Abstruses oder Kurioses auszupacken, außer es passt zur generallen Ausrichtung der Seite. Zeitreisen sind faszinierend. Sollte es einen Dschinn geben, der mir aus der Flasche erscheint und mir einen einzigen Wunsch erfüllt, ich würde ganz egoistisch wollen, dass ich durch die Geschichte sausen und alles mit eigenen Augen beobachten kann. Es wäre vielleicht der einzige Wunsch, bei dem ich in Versuchung geführt werden könnte, meine Seele anzupreisen (wenn ich eine haben – frei nach Arthur Sch.): Beim Bau der Cheopspyramide dabei sein, bei der Krönung von Karl zum Kaiser (wenn es ihn tatsächlich gab), bei William Shakespeare unter dem Schreibtisch … Ein wunderbarer Traum. Jetzt aber zu meinen Einfällen. Wenn es irgendwann möglich sein wird, tatsächlich solche Reisen anzutreten (Physiker sind sich ja nicht grundsätzlich einig, ob so etwas auf alle Fälle ausgeschlossen werden kann), dann müsste es rück- bzw. vorwirkend gesehen, zu allen Zeiten solche Reisende geben – wenn die Zeit interessant, wichtig, aufregend, bahnbrechend, zukunftsweisend genug ist, dass zukünftige Zeitreisende sich für genau dieses Zeitfenster entscheiden. Aber ich sehe niemanden?





Was man kann und doch nicht soll oder Warum Google sein Motto verraten wird

18 01 2010

Die „Google-Falle“ hatte ich bereits gelesen. Dort stand nicht wesentlich mehr als ich schon wusste. Durch einen Hinweis (Matteo sei Dank!) kenne ich jetzt auch den Inhalt des aktuellen SPIEGEL-Artikels zum Suchmaschinenriesen. Kaum ein Absatz, der einen nicht zum Nachdenken bringt. Besonders gefährlich finde ich Googles Ansinnen, eine Software für das Handy mit Gesichtserkennung samt Identifizierung mittels Internet zu entwickeln. Heute noch kaum möglich, morgen ein Tool für alle. Das klingt wie eine Dystopie, aber ich habe gelernt, dass alles, was sich Wirtschaft und Technik vornehmen, eher früher als später umgesetzt wird. Vor zehn Jahren ist mein Buch „Zensur im Internet“ erschienen. Im Anhang gibt es ein kurzes Kapitel, in dem sich in Entwicklung befindliche Techniken vorgestellt werden, um zu illustrieren, dass ethische Themen in Bezug auf das Internet in Zukunft noch größere Bedeutung erlangen werden. Sieben von den acht erwähnten Techniken sind heute Standard. Stellen wir uns nun vor, was passiert, wenn jedermann und jederfrau ein Handy mit Gesichts- und Identitätserkennung besitzt. (Und lassen wir dabei außer Acht, dass es sicherlich auch sinnvolle Anwendungen geben wird, aber das darf nicht immer für alles als Generalausrede herhalten.) Stalking wird ganz neue Dimensionen erreichen. Die tolle Asiatenschnitte auf der Party. Wie heißt sie denn? Vielleicht finde ich ein paar Fotos von ihr. Wenn ich Glück habe, dann trägt sie wenig bis nichts. Wie kann ich sie denn am besten anmachen? Mal sehen, was in ihrem Facebook-Profil gespeichert ist. Aha, sie hört gerne The Smashing Pumpkins. Da fällt mir schon ein Anmachspruch ein. Oder ein anderes Beispiel. Dieser verdammte Polizist, der mir gerade einen Strafzettel verpassst hat. Wo wohnt er denn? Adresse schnell gefunden. Wie komme ich am leichtesten dorthin? Auch kein Problem. Schöne Kratzer auf seinem Auto. Der gläserne Mensch ist schon längst beschlossen. Wer heute das Internet schätzt, weil er sich in vollkommener Anonymität Pornos herunterladen kann und sich in der Videothek nicht mehr outen muss, der wird der Zeit vor Google Goggles nachtrauern. Privatsphäre wird es nicht mehr geben. Internet will eat itself!





Über die kaputte Welt und die Sehnsucht nach einem neuen Biedermeier

11 01 2010

„Die Vorkommnisse im ‚Früher‘ lassen für das ‚Heute‘ ein Resümee zu: nämlich, dass der Furcht erregende Ist-Zustand nur noch von kurzer Dauer sein wird. Dass es demnächst zu einem weit reichenden Umdenken, zu bedeutenden Umbrüchen kommen muss. […] In den vergangenen Jahren waren wir in hohem Maße darauf konzentriert, die linke Gehirnhälfte, unser ‚Logik-Zentrum‘, zu trainieren. Leistung zu bringen, es zu schaffen, in einem Gefüge zu bestehen, in dem nur die Erfolgreichen wirklich akzeptiert werden, galt schließlich fast als überlebensnotwendig. Gleichzeitig blieben allerdings naturgemäß die Gebiete im rechten Teil unseres Gehirns, also jene Bereiche, in welchen Emotionen, Empathiefähigkeit und Moralempfinden entwickelt werden, ziemlich ‚unausgebildet‘. – Reinhard Haller (Gerichtspsychiater und Profiler)





Metaphysik der Utopie

30 09 2009

„Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen.“
Jonathan Swift