Und noch eine Wikipedia-Konkurrenz …

19 12 2009

Die PlusPedia ist eine Enzyklopädie ohne Relevanzkriterien. Sie wurde als Antwort gegen ermüdende Löschdiskussionen und wegen der vielen „irrelevanten“ Artikel gegründet. Sie rettet aktiv gelöschte Artikel der Wikipedia, bietet aber auch Artikeln Platz, die bei der Wikipedia keine Chance hätten.





Wikipedia – Die unfreie Enzyklopädie

12 12 2009

Charlotte Roche, meine Unliebste, gab unlängst Folgendes von sich: „Ich habe mit so ziemlich jeder Droge Erfahrung, außer Heroin. […] Natürlich hat Kiffen und LSD oder Ecstasy schon Leuten geholfen! Man muss aber das Nutzen-Schaden-Risiko abwägen. Bei mir hat das Langzeitgedächtnis gelitten. Zum Glück gibt es Wikipedia.“ Das zur Einleitung. Wikipedia bekommt nun Konkurrenz: WikiBay. Großer Unterschied: Keine Zensur, keine Relevanzkriterien (Es kann sich also kein Möchtegernbesserwisser aufspielen und behaupten, Eintrag XY liefert nur 2.000 Google-Einträge, ist demnach nicht relevant für „unsere“ Enzyklopädie.“). Also all das, was Wikipedia leider immer öfter auszeichnet – besonders die deutschsprachige. Nach dem Start des neuen Projektes wurde bei Wikipedia offenbar jedem der Krieg erklärt, der auch bei WikiBay schreibt oder ein gutes Haar an der neuen Enzyklopädie lässt. Zudem wurde der Eintrag WikiBay bei Wikipedia gelöscht („Keine Relevanz“) und Benutzer, die zu dieser Thematik nachfragten, wurden gesperrt. Kein schöner Zug. Natürlich kann WikiBay (noch lange) nicht mit dem Original mithalten und ein Besuch der Seite zeigt, wo es noch viel zu tun gibt, damit das Lexikon ernst genommen werden kann. Das neue Projekt ist aber Ausdruck eines immer weiter verbreiteten Unmutes. Die Erklärung der Gründer auf der Homepage ist daher verständlich: „Der Grundgedanke von WikiBay ist eine Plattform zu schaffen, auf der eine Enzyklopädie entstehen kann, die keiner Zensur oder Vorab-Filterung unterliegt. Natürlich legen wir bei WikiBay auch Wert auf Richtigkeit und Qualität der Artikel. Zensur und Meinungsmache üben wir jedoch nicht! Auch die Verwendung von follow-Links ist für WikiBay selbstverständlich. Das „nofollow“-Attribut halten wir für unfair und gegen das Prinzip des Internets ausgerichtet.“





Wikipedia löscht willkürlich Artikel

20 10 2009

Erneut werden in der deutschsprachigen Wikipedia willkürlich Artikel gelöscht. Dieses Mal war es der Beitrag über den Verein „Missbrauchsopfer gegen Internetsperren“ (MOGIS). Als Grund für die Löschung wurde wieder einmal fehlende Relevanz angegeben („Relevanz des Vereins abseits der Blogosphäre und kurzzeitiger Medienpräsenz nicht erkennbar„). Aus diesem Grund gibt es zur Zeit heftige Auseinandersetzungen rund um Neuwahlen von Administratoren. In die Diskussion mischten sich zahlreiche Nutzer ein und betonten, dass ein Eintrag über den Verein durchaus relevant sei, da dieser ein wichtiger Bestandteil der Bewegung gegen die Einführung von Internetsperren ist und auch in überregionalen Medien große Beachtung fand. Die Administratoren der Wikipedia beharrten jedoch auf ihrer Haltung. Schließlich wurde die Erwähnung des Vereins sogar aus einer Übersicht über die Auseinandersetzung zu den Netzsperren entfernt. Von den Kritikern wird aber ins Feld geführt, dass Relevanzkriterien innerhalb der Wikipedia sehr umstritten oder sogar wenig sinnvoll seien. „Niemand erleidet einen Schaden, wenn noch ein weiterer Eintrag dabei ist. Es gibt kein Buch, was dann zu dick zum Herumtragen würde. Es gibt keine Elektronen, die alle werden. Und nur weil ihr einen Begriff nicht kennt, heißt das noch lange nicht, dass der auch für die andere Milliarde Internetnutzer irrelevant ist„, kommentiert zum Beispiel der Nutzer Felix von Leitner.





Wikipedia und der Rorschach-Test

30 07 2009

Der Wikipedia-Eintrag zum so genannten „Rorschach-Test“ erntet heftige Kritik von Psychiatern und Psychoanalytikern. Der Artikel enthält sämtliche Tintenklecksmuster des Tests samt Interpretationen – damit verliere der Test bei Personen, die diesen Informationen besitzen, an Aussagekraft. Die Wikimedia Foundation hingegen kann die Vorwürfe eben sowenig nachvollziehen wie der Mediziner James Heilman, der die zehn Bilder des Tests auf der freien Enzyklopädie zugänglich gemacht hatte. In den Vereinigten Staaten von Amerika sind Rorschach-Muster nicht mehr urheberrechtlich geschützt. Der ursprüngliche Verlag von Rorschachs Publikation wurde von Hogrefe & Huber übernommen. Diese ziehen nun rechtliche Schritte in Betracht, da für sie die Veröffentlichung auf Wikipedia „unglaublich leichtfertig und zynisch“ sei.





Studien über Studien – Eine Studie?

20 07 2009

Handystrahlen lösen Krebs aus. Handystrahlen sind vollkommen unschädlich. Gewalt-Videospiele lassen die Spieler verrohen. Gewalt-Videospiele haben keine negative Wirkung auf die Spieler. Die heutige Jugend säuft bis zum Unfallen. Die heutige Jugend trinkt viel weniger als frühere Generationen. Kleinkinder sollen auf dem Bauch schlafen. Kleinkinder sollen auf keinen Fall auf dem Bauch schlafen. Filesharing-Programme lassen die Kinobesucherzahlen sinken. Filesharing-Programme haben keinen Einfluss auf die Kinobesuche. Die Britannica ist besser als die Wikipedia. Die Wikipedia ist besser als die Britannica. Diese Liste lässt sich unendlich lange fortsetzen. Gemeinsam ist allen Aussagen, dass es wissenschaftliche Studien gibt, mit denen sie gestützt und belegt, ja, mit denen sie plausibel präsentiert werden können. Welchen Wert haben Studien eigentlich, wenn sich ohnehin für jede These eine Studie finden lässt? Und ich rede nicht einmal davon, dass manche Studien ganz gezielt von Firmen in Auftrag gegeben werden, Studien, bei denen schon von vornherein feststeht, was am Ende das Fazit ist. Müsste ich zwischen zwei Studien, deren Ergebnisse sich gegenseitig ausschließen, wählen, dann würde ich mir anschauen, welche Methoden angewandt wurden, wer hinter den Studien steckt etc. Aber wer macht das schon? Oft ist es auch kaum möglich. Und dabei braucht man nur eine Studie zu erwähnen, ein paar Zahlen hinterher werfen und schon glaubt es jeder. Ich habe es selbst ausprobiert. Vor insgesamt über hundert Schülern. Eine Studie des ASTAT hätte ergeben, dass Menschen, die orange Kleidungsstücke tragen, eine bestimmte Partei wählen würden. Kein einziger hat die Aussage in Frage gestellt. Ich gebe zu, im wissenschaftlichen Kontext wird so etwas um ein Vielfaches schwieriger. Aber um eine Stimmung in der Bevölkerung zu erzeugen, braucht es keine Wissenschaftler.





Ich bin am Theater in der Josefstadt

8 07 2009

Schauspielerische Ambitionen hatte ich nie. Aber pingelig bin ich wirklich. Als ich 2006 als Erbsen zählender Buchhalter Michael Trimmer in Stefan Vögels Stück „Die süßesten Früchte“ auf der Bühne stand, habe ich über den Vorarlberger Autor einen Wikipedia-Artikel verfasst. Das wäre an sich nichts Besonderes, hätte ich nicht auch den kleinen Vinschgauer Ort Kortsch erwähnt, der damals noch nicht einmal mit einem eigenen Wikipedia-Eintrag vertreten war und dessen Theaterverein als erster Vögels Stück mit Laien aufführen durfte. In keiner anderen mir bekannten Quelle wird der Ort im Zusammenhang mit Vögel erwähnt, so als legte man keinen Wert darauf, dass auch Laienbühnen seine Werke spielen. Und wie ich finde, gar nicht einmal so schlecht. Sein neues Stück „Altweiberfrühling“ wird zu Ehren von Elfriede Ott am Theater in der Josefstadt in Wien aufgeführt. Auf der Website des Theaters findet man eine kurze Biographie des Autors, die streckenweise Wort für Wort aus der Wikipedia abgeschrieben wurde. Ohne Quellenangabe selbstverständlich. Dafür aber wird Kortsch erwähnt. So als würde man in Wien wissen, wo das ist. Oder was? Oder wer? Was lehrt uns das? Selbst Profis leiden am Copy-Paste-Syndrom. Und mein Werk hat es damit in die Josefstadt geschafft.





Kommissar Google?

23 05 2009

Was Google alles kann. Gibt es innerhalb der Wikipedia-Community Diskussionen darüber, ob ein bestimmtes Stichwort „relevant“ sei oder nicht, wird von einigen Mitgliedern sehr gerne die Google-Waffe gezückt. „Nur 45.000 Links – keine Relevanz erkennbar.“ Argumente, dass es auch außerhalb von Google etwas gibt, werden untergebuttert. Butter ist relevant. Ende 2007 wurde ein 17-jähriges Mädchen aus Palo Alto von einem Fremden entführt und vergewaltigt. Das Mädchen konnte flüchten, ging zur Polizei und ein mutmaßlicher Täter war nach kurzer Zeit gefasst. Die mittlerweile 18-Jährige erklärte gegenüber Gericht und Staatsanwalt, dass sie den Täter nur einen Augenblick gesehen hatte und sie deshalb nicht mit absoluter Gewissheit sagen könnte, ob der Angeklagte auch der Täter sei. Der Staatsanwalt James Leonard forderte daraufhin andere Beweise für die Identifizierung als Täter. Der bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmte Laptop wurde computerforensisch untersucht. Es konnte nachgewiesen werden, dass er sich in den Tagen nach der Tat mit Hilfe von Google nach dem Strafmaß für Kidnapping und Vergewaltigung informiert hatte. Ob dies als Beweismittel vor Gericht anerkannt wird, bleibt abzuwarten. Während heute noch besorgt darauf geachtet wird, dass die Aufnahmen der Google-Street-View-Cars keine erkennbaren Personen und Nummernschilder abbilden, warte ich darauf, dass Google gezwungen wird, in einem besonders Aufsehen erregenden Kriminalfall nicht retuschierte Bilder zur Verfügung zu stellen.