Ein wenig mehr Idealismus und ein bisschen weniger Prostitution

28 10 2009

Wer die Berichterstattung rund um die 1. Südtiroler Volksabstimmung verfolgt hat, dem wird die Diskussion über die hohen Aufwandsentschädigungen für Auslandssüdtiroler nicht entgangen sein. Es ist schon ein verqueres System, im dem staatsbürgerliche Selbstverständlichkeiten eigenes honoriert werden müssen. Natürlich ist es verständlich, dass zum Beispiel eine Anreise von 1000 km für ein Referendum, bei dem von vornherein nicht klar war, ob das nötige Quorum überhaupt erreicht wird, nicht von allen auf sich genommen wird. In diesem Fall sind Vorwürfe unangebracht. Wenn aber der ausländische Heimatort oft nur wenige Kilometer hinter der Grenze liegt und ganze Familien, oft ohne genau zu wissen, worüber abgestimmt wird, die Fahrtkostenrückerstattung in Anspruch nehmen, dann ist die Liebe zur Demokratie und ihren Prinzipien kaum mehr wert als das Liebesgesäusel einer Prostituierten. „prostituere“ heißt im Lateinischen auch „preisgeben“. Eine aufgeklärte, staatsbürgerlich vernünftige Haltung wird hier mit Sicherheit der Lächerlichkeit preisgegeben. Doch die Praxis, sich Selbstverständlichkeiten zu erkaufen, liegt im Trend. Wenn französische Schüler für einen regelmäßigen Schulbesuch finanziell belohnt werden (statt dass Schwänzer belangt werden) oder anderenorts Schüler für jede Anstrengung mit Reisen geködert werden, dann wird jede idealistische Gesinnung untergraben oder ausgelöscht.





Alles umdrehen?

6 10 2009

Die Seite DNews hat vor wenigen Stunden eine Meldung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass man in Frankreich das immer größer werdende Problem der Schulschwänzer dadurch zu lösen versucht, indem man Schüler, die NICHT schwänzen, mit Bargeld, Fußballtickets oder Führerscheinprämien belohnt. Ich finde diesen Weg falsch. Es geht nicht darum, dass es schlecht wäre, Menschen für Leistungen zu belohnen, ganz im Gegenteil, das sollte sogar so sein und spornt an. Ich finde es aber bedenklich, dass hier nicht Leistungen sondern Selbstverständlichkeiten eigens belohnt werden. Auch wenn einige Schulen die Belohnung nicht an einzelne Schüler, sondern an die ganze Klasse am Ende des Schuljahres vergibt, scheinen mir 10.000 Euro dafür, dass jemand ein kostenloses Bildungsangebot „unfreiwillig“ (d. h. nur unter der Voraussetzung, dafür bezahlt zu werden) annimmt, vollkommen unangemessen. Ich formuliere es abschließend hart und vielleicht implizit derb: Eine solche Methode vermittelt jungen Menschen das Gefühl, dass alles nur wegen des finanziellen Profits gemacht werden soll. Und das erinnert mich an das älteste Gewerbe. So, jetzt dürft ihr auf mich einhacken.





Verbot von MP3-Uhren an Schulen?

25 09 2009

Marc Reinhardt, bildungspolitischer Sprecher der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, fordert, dass bei Prüfungen neben Handys auch Uhren abgegeben werden müssen, vor allem jene mit eBook-Funktionen. Dank Speicher (bis zu 8 GB) und gut erkennbaren Bildschirms ließe sich der Schulstoff mehrerer Jahre auf einer dieser MP3-Uhren anzeigen. Da Schüler immer häufiger Technik illegal einsetzen würden, um Prüfungen zu bestehen, sollten Schullleitungen auf diese Entwicklungen reagieren, so Reinhardt. In Bayern wurde bereits 2006 ein Verbot digitaler Unterhaltungstechnik an Schulen diskutiert.





Nomen est omen

18 09 2009

Julia Kube ist 24 Jahre alt und hat gerade ihr Master-Arbeit abgeschlossen. Es ging darum, inwieweit ein Vorname Vorurteile bei Grundschullehrern auslöst. Unter anderem wurden folgende Fragen gestellt: Welche Vornamen würden Sie Ihrem Kind auf keinen Fall geben? Nennen Sie Namen, die bei Ihnen Assoziationen zu Verhaltensauffälligkeit hervorrufen! Außerdem ließ Kube die Lehrer vorgegebene Namen bewerten. Überraschende Erkenntnis: 94 Prozent (der 2000 untersuchten) Grundschullehrer gingen unreflektiert mit ihren Vorurteilen um. Namen, die ein positives Bild hervorrufen sind Alexander, Maximilian, Simon, Lukas, Jakob, Charlotte, Nele, Marie, Emma und Katharina. Auffällig schlecht bewerten die Lehrer dagegen die Namen Chantal, Angelina, Justin, Dennis, Marvin, Mandy und Jaquelin. Eine befragte Lehrerin kommentierte ihre Wertung sogar mit „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.“





Bachelor-Studien machen krank

14 09 2009

Bildungssysteme – egal in welchem Land – zeichnen sich dadurch aus, dass sie ständig reformiert werden. Und wenn es nicht tatsächlich geschieht, dann wird lange und breit darüber geredet. Es scheint sogar so, als wäre dies immer schon so gewesen. In anderen Worten: Die aktuelle Bildungssituation wird stets als unzufriedenstellend empfunden. Eine solche anscheinend überfällige Reform war auch die so genannte Bologna-Reform in Deutschland. Damit wurde u. a. das Bachelor-Master-System eingeführt. Eine aktuelle Studie der Bildungsgewerkstatt GEW bringt nun ans Licht, dass Bachelor-Studenten besonders oft an Depressionen, Angstattacken, Versagens­ängsten, Schlafstörungen oder Magenkrämpfen leiden. Dies zeigt sich auch dadurch, dass am meisten Antidepressiva und Psychopharmaka an Bachelor-Studenten (im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen) verschrieben und verkauft werden. Stress, hoher Erfolgsdruck und andere Belastungen sind dafür verantwortlich. Einer der Gründe, den BA-Titel einzuführen, war es, Studien für mehr Menschen zu öffnen oder (wenn man es so will) in den internationalen Statistiken zur Ausbildungssituation gut dazustehen. Aber manchmal geht der Schuss nach hinten los. Vor allem, und das ist die eigentliche Kritik, wenn Reformen halbherzig oder aus anderen Gründen als den offen vorgetragenen durchgepeitscht werden.





Schulfächer „Prävention“ und „Lebenskompetenz“

17 07 2009

Der Deutsche Lehrerverband DL hat die Forderung der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) nach einem Schulfach „Prävention“ scharf zurückgewiesen. Bätzing hatte erklärt, Schulen müssten besser und früher über Alkoholmissbrauch aufklären, wie dies in Großbritannien üblich sei. Dort gäbe es das Fach „Lebenskompetenz“, in dem Themen wie Alkoholkonsum, Ernährung und soziale Probleme behandelt werden. Josef Kraus vom DL hält die Schule mit solchen Ideen für überfordert und meint: „Wir machen in der Schule ohnehin schon eine Menge Reparaturpädagogik. Wir nehmen die Saufereien auch sehr ernst, aber wir sind als gesellschaftliche Reparaturanstalt und als Problemrecycler restlos überfordert.“ Als einzig wirksame Maßnahme sehe er einen drastisch erschwerten Zugang Minderjähriger zu Spirituosen. Es müsse mehr Kontrollen in Getränkemärkten und an Tankstellen geben. Schwarze Schafe sollten bestraft werden, dazu gehören auch Eltern, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzen.