Richard Dawkins will den Papst festnehmen lassen

14 04 2010

Der Bestsellerautor und bekennende Atheist Richard Dawkins („Der Gotteswahn“) will zusammen mit seinem Autorenkollegen Christopher Hitchens und den Menschenrechtsanwälten Geoffrey Robertson und Mark Stephens Papst Benedikt XVI. hinter Schloss und Riegel bringen. Grund dafür ist der Umgang der katholischen Kirche mit dem Missbrauch von Kindern durch Priester. Die beiden Autoren werfen dem Papst vor, die Vorkommnisse gezielt verschleiert zu haben. Eine Gelegenheit würde sich der britischen Justiz beim geplanten Großbritannien-Besuch des Papstes vom 16. bis 19. September bieten. Dawkins und Hitchens werfen dem katholischen Kirchenführer Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor, ein völkerstrafrechtlicher Tatbestand, der seit den Nürnberger Prozessen im Jahr 1945 verwendet wird. Auf seine diplomatische Immunität könne sich Benedikt XVI. nicht berufen. Es handle sich zwar um einen Staatsbesuch handelt, aber der Vatikanstaat, an dessen Spitze der Papst steht, wird nicht von den Vereinten Nationen anerkannt.





Kommen Tiere nicht in den Himmel? oder Man kann aus allem Geld machen

20 02 2010

Viele protestantische US-Amerikaner glauben, dass sie noch zu Lebzeiten durch „Entrückung“ in den Himmel kommen. Weil dort aber für Haustiere kein Platz ist, bietet ein Mann aus New Hampshire nun einen entsprechenden Service unter dem Namen „Eternal Earth-Bound Pets“ an. Ähnlich wie bei streng gläubigen Juden, die oft Andersgläubige anstellen, um am Sabbat verbotene Arbeiten ausführen zu lassen, vermittelt der Dienst Atheisten an Christen, die sich nach deren „Entrückung“ um ihre Haustiere kümmern. Eine Tier-Versicherung kostet 110 Dollar für zehn Jahre und für jedes weitere Tier schlägt mit 15 Dollar zusätzlich zu Buche. Es gibt bereits zahlreiche zahlende Kunden; der Geschäftsinhaber rechnet aber nicht damit, dass die Gegenleistung fällig wird. Seiner Meinung nach verkaufe er ohnehin „nur“ Seelenfrieden. Mehr dazu hier.





Das Fest des Friedens … polyglott

24 12 2009

I’d miilad said!
Nedeleg laouen!
Fröhliche Weihnachten!
Merry Christmas!
Gajan Kristnaskon!
Hyvää Joulua!
Joyeux Noël!
Kala Christougenna!
Mo’adim Lesimkha!
Nollaig Shona Dhuit!
Buon Natale!
Shinnen omedeto!
Gute Vaynakhtn!
Bon nadal!
Nixtieklek Milied tajjeb!
Nollick ghennal!
Kia orana e kia manuia rava!
Boas Festas!
Mata-Ki-Te-Rangi!
Bella Festas daz Nadal!
Schöni Wienacht!
Feliz Navidad!
Nadolig Llawen!

23 Mal derselbe Gedanke. So unterschiedlich er in seiner Gestalt aussieht, so unterschiedlich sind auch die Auffassungen, welche Bedeutung das Weihnachtsfest in unserer heutigen Zeit hat. Möge der ursprüngliche Hintergrund nicht zu sehr in den Hintergrund geraten.





So nicht

21 12 2009

Lieder wie „Stille Nacht, heilige Nacht“, „Alle Jahre wieder“, „Der Heiland ist geboren“, „Es ist ein Ros entsprungen“, „Ihr Kinderlein kommet“ und „O du selige“ sind an den Schulen des Kantons Zürich unerwünscht. Dies hat das Volksschulamt angeordnet. Man wolle keine religiösen Gefühle verletzen und verhindern, dass muslimische Kinder Weihnachtslieder über Gottes Sohn Jesus singen müssen. Im Schreiben des Volksschulamts heißt es: „Von der aktiven Teilnahme an Handlungen und Liedern mit religiösen Inhalten – zum Beispiel solchen, die Jesus als Gottes Sohn bezeichnen – soll abgesehen werden.“ Bleibt also noch „O Tannenbaum“, die Anbetung eines Baumes. In anderen Worten: Der kleinste gemeinsame Nenner, auf den es der überzeugte Islam und ein nicht-mehr-gläubiges christliches Abendland bringen, ist heidnischer Firlefanz. Wenn die Schweizer Behörden wirklich konsequent sein wollen, dann sollen sie doch die Schweizer Fahne mit dem Kreuz auch abschaffen.





Gibt es ein Toleranz-Gen?

1 12 2009

Der gestrige Beitrag zum Minarettverbot und die Reaktionen darauf haben in mir einige Fragen aufkeimen lassen. Wenn man mit Menschen über das Abstimmungsergebnis der Schweizer diskutiert, merkt man sehr schnell, dass es für nach außen gleich scheinende Urteile ganz unterschiedliche Gründe gibt. Jemand könnte über das Minarettverbot erfreut sein, aber nicht, weil er etwas gegen den Islam hat, sondern weil diese Person allgemein jede Einschränkung religiöser Aktivität gutheißt; man könnte aber auch positiv zum Verbot stehen, weil der Islam nun einmal gegenüber dem Christentum die „schlechtere“ Religion ist usw. Wir sehen, verschiedene, im Grunde genommen unvereinbare Hintergründe. Bei allen Diskussionen wird irgendwann der Begriff „Toleranz“ fallen. Das bringt mich zu meiner Frage: Ist Toleranz evolutionstechnisch gesehen ein Vorteil oder Nachteil? Oder ist es sinnlos, von Toleranz in der Natur zu sprechen? Sehr oft werden menschliche Eigenheiten und Eigenschaften mit evolutionären Prozessen erklärt. Zum Beispiel: Dicke Menschen hatten früher den Vorteil, Hungerszeiten zu überleben; die Tatsache, dass die meisten Menschen nicht lange Zeit vorausblicken stammt noch aus der Zeit unserer Urahnen, bei denen es unerheblich war, was in zehn Jahren sein wird, sie mussten den nächsten Tag, die nächste Woche überleben usw. Wie ist das aber mit der Toleranz? Sind bestimmte Bereiche im Gehirn dafür verantwortlich, mehr oder weniger dafür empfänglich zu sein? Gibt es ein Gen XYZ, das die Toleranzgrenzen des Menschen determiniert?





(Mina)rette sich wer kann …

30 11 2009

Wer hätte das gedacht. Fast 58% der Schweizer Wähler stimmten für das Minarettverbot. In Zeiten, in denen sich Parteien und Koalitionen schon überglücklich schätzen dürfen, wenn sie 51% zusammenkratzen, um dann von einem eindeutigen Wählerauftrag zu sprechen, scheinen die 58% der Eidgenossen geradezu astronomisch. Noch interessanter finde ich, dass selbst die Organisatoren nicht mit einem solchen Ergebnis gerechnet haben. Die ansonsten oft so liberale Schweiz zeigt sich hier von einer ganz anderen Seite – und wird plötzlich von der ganzen Welt schief angeschaut. Die SZ titelt „Wenn der Staat das Volk nicht mehr versteht„, die ZEIT direkter „Rechtspopulisten wollen Verschleierung von Frauen verbieten„. Ein solches Ergebnis wirft ein ganz anderes Licht auf die direkte Demokratie, für die die Schweiz so oft gelobt wird (auch bei uns). Auf der anderen Seite: Was zeichnet die repräsentative Demokratie aus? Dass sie einige Anliegen der Wähler nicht ernst nimmt und filtert? Scheint so. Aber ganz wohl ist mir nicht dabei.





Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen?

28 11 2009

In Roland Emmerichs Blockbuster „2012“ wurde der Weltuntergang sehr plakativ dargestellt. Ich muss zugeben, dass viele Szenen tatsächlich beeindruckend waren. Selbstverständlich war alles stark übertrieben, ein Klischee wurde an das andere gereiht und letztes Endes ist der Film nicht mehr aber auch nicht weniger als eine Enzyklopädie der Katastrophenfilme. Zweieinhalb Stunden Kinospaß ohne tieferen Hintergrund. Muss auch einmal sein. Eine Sache hat mich aber doch zum Nachdenken getrieben. Die Sixtinische Kapelle zerbricht an der schönsten Stelle, der Petersdom wird computergraphisch aufgebröselt und rollt dem Zuseher entgegen, aber die Produzenten haben sich nicht darüber hinausgesehen, die Kaaba zu zerstören. Geplant war die Szene, aber sie kam nicht in den Film, wahrscheinlich wurde sie nicht einmal gedreht. Zu gefährlich, hieß es. Das sagt sehr viel aus.