Google Street View und die Mafia

23 03 2010

Die italienische Zeitung Corriere della Sera hat herausgefunden, dass Google mit seinem Projekt Street View nicht alle Straßen im Detail aufnimmt. So wurden zum Beispiel die Straßen des gefährlichen Mafiaviertels Scampia nicht fotografiert. Die berüchtigte Hochhaus-Gegend am Stadtrand von Neapel wurde durch den Film Gomorra weltbekannt. Nur einige große Durchfahrtsstraßen wurden erfasst, die kleinen Seitenstraßen fehlen dagegen in der Ansicht. Genau diese Seitenstraßen sind berühmt-berüchtigt für Gewalt und Drogenhandel. Die italienische Abteilung von Google erklärte, die engen Straßen seien zu schmal für Googles Fotowagen.

Advertisements




Was man kann und doch nicht soll oder Warum Google sein Motto verraten wird

18 01 2010

Die „Google-Falle“ hatte ich bereits gelesen. Dort stand nicht wesentlich mehr als ich schon wusste. Durch einen Hinweis (Matteo sei Dank!) kenne ich jetzt auch den Inhalt des aktuellen SPIEGEL-Artikels zum Suchmaschinenriesen. Kaum ein Absatz, der einen nicht zum Nachdenken bringt. Besonders gefährlich finde ich Googles Ansinnen, eine Software für das Handy mit Gesichtserkennung samt Identifizierung mittels Internet zu entwickeln. Heute noch kaum möglich, morgen ein Tool für alle. Das klingt wie eine Dystopie, aber ich habe gelernt, dass alles, was sich Wirtschaft und Technik vornehmen, eher früher als später umgesetzt wird. Vor zehn Jahren ist mein Buch „Zensur im Internet“ erschienen. Im Anhang gibt es ein kurzes Kapitel, in dem sich in Entwicklung befindliche Techniken vorgestellt werden, um zu illustrieren, dass ethische Themen in Bezug auf das Internet in Zukunft noch größere Bedeutung erlangen werden. Sieben von den acht erwähnten Techniken sind heute Standard. Stellen wir uns nun vor, was passiert, wenn jedermann und jederfrau ein Handy mit Gesichts- und Identitätserkennung besitzt. (Und lassen wir dabei außer Acht, dass es sicherlich auch sinnvolle Anwendungen geben wird, aber das darf nicht immer für alles als Generalausrede herhalten.) Stalking wird ganz neue Dimensionen erreichen. Die tolle Asiatenschnitte auf der Party. Wie heißt sie denn? Vielleicht finde ich ein paar Fotos von ihr. Wenn ich Glück habe, dann trägt sie wenig bis nichts. Wie kann ich sie denn am besten anmachen? Mal sehen, was in ihrem Facebook-Profil gespeichert ist. Aha, sie hört gerne The Smashing Pumpkins. Da fällt mir schon ein Anmachspruch ein. Oder ein anderes Beispiel. Dieser verdammte Polizist, der mir gerade einen Strafzettel verpassst hat. Wo wohnt er denn? Adresse schnell gefunden. Wie komme ich am leichtesten dorthin? Auch kein Problem. Schöne Kratzer auf seinem Auto. Der gläserne Mensch ist schon längst beschlossen. Wer heute das Internet schätzt, weil er sich in vollkommener Anonymität Pornos herunterladen kann und sich in der Videothek nicht mehr outen muss, der wird der Zeit vor Google Goggles nachtrauern. Privatsphäre wird es nicht mehr geben. Internet will eat itself!





Facebook verwertet Profilfotos

16 07 2009

Das soziale Netzwerk Facebook verwendet Profilfotos von Nutzern für eigene Zwecke. Immer wieder kommt es vor, dass zum Beispiel Nutzerfotos im Zusammenhang mit Kontaktanzeigen auf der Plattform auftauchen – ohne Einwilligung der Betroffenen. Internet-Dienste, die alles kostenlos anbieten, verwerten immer mehr Informationen, Bilder und private Aufzeichnungen, um diese zu Geld zu machen. In Deutschland gehen nun Verbraucherschützer gegen solche Praktiken vor. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hat gestern gegen Facebook, MySpace, Lokalisten, Wer-kennt-wen und Xing ein Unterlassungsverfahren eingeleitet.





Was mir zu Michael Jackson einfällt

26 06 2009

Michael Jackson stirbt unerwartet und trotzdem haben es nun alle schon vorausgesehen. Bis gestern wurde er von den Medien nur noch als „ehemaliger King of Pop“ bezeichnet, heute ist er wieder der „uneingeschränkte King“. Touristen filmen zufällig, wie er aus dem Haus getragen wird, unser Dolomiten-Tagblatt bremst die Druckmaschinen und gibt am heutigen Freitag eine zweite Ausgabe mit veränderter Titelseite heraus, Internetdienste wie Twitter brechen zusammen, in Facebook entstehen Dutzende Gedenkseiten, Jackson platziert sich innerhalb weniger Stunden gleich mehrmals in den Top 10 der Verkaufscharts von Amazon, kein Sender, der auf eine Sondersendung verzichtet, Fragen über Fragen, wie stark waren die Medikamente, die er genommen hat, warum ist sein Hausarzt flüchtig, wie viel verdienen nun all jene, die in Wettbüros gewettet haben, dass es nicht zu den Comeback-Konzerten kommt, wurde er tatsächlich von einer geheimen Weltregierung ermordet (was man so alles im Netz findet), hat er damals doch … die Liste ließe sich endlos fortführen. Mich interessieren folgende Fragen: Gibt es eine Grenze, die Medien nicht überschreiten sollten? Ist alles erlaubt, was Zuschauer, Leser, Surfer bringt? Wo beginnt ehrliches und legitimes Interesse, wo beginnt purer Voyeurismus? Wollen wir wirklich alles wissen? Stumpft uns das mit der Zeit ab? Brauchen wir dann eine immer höhere Dosis? Oder immer stärkere Reize? Lasst eurem Gehirn und euren Gefühlen freien Lauf!





China filtert Privatcomputer

10 06 2009

1184464041_4b1f545c8e_mChina will das Internet sauber halten. Dazu muss ab 1. Juli 2009 auf jedem neu verkauften Computer eine Filtersoftware installiert werden. Das Programm sei ein Pornofilter und wurde jetzt auf einer Pressekonferenz des chinesischen Außenministeriums gegen Kritik aus dem Ausland verteidigt. Qin Gang, Sprecher des Außenministeriums, betonte, die Software sei lediglich dazu da, pornografische und gewalttätige Websites auszufiltern. Dadurch sollen schädliche Inhalte verhindert werden. „Die chinesische Regierung fördert die gesunde Entwicklung des Internet. Allerdings steuert sie es auf rechtmäßige Art und Weise“, heißt es dazu. Die Installation des Programms „Green Dam Youth Escort“ ist auch für importierte Computer verpflichtend. Das Programm müsse zusätzlich als CD beigelegt werden, damit es nach einem Datenverlust wieder aufgespielt werden könne. Die Regierung begründet ihre Maßnahmen mit dem Jugendschutz. Der Filter vergleicht bei einem Seitenaufruf die Adresse mit einer „schwarzen Liste“ und erkennt damit, ob der Nutzer das gewünschte Angebot ansehen dürfe. Ist die Seite in der Datenbank als ungeeignet deklariert, verhindert die Software, dass sie angezeigt wird.





Handyortung von Schulschwänzern

30 05 2009

Die Aoyama Gakuin University in Japan hat begonnen, kostenlos iPhones an ihre Studenten und Angestellten zu verteilen. Auch die Grundgebühren werden von der Universität übernommen. Es ist geplant, einfache Tests und Umfragen, Hausaufgaben und Lernvideos über die iPhones zu verteilen. Außerdem will man mit Hilfe der GPS-Funktion herausfinden, ob und wo ihre Studenten sich auf dem Unigelände befinden.





Datenschutz erlaubt Google Street View

24 04 2009

Der britische Datenschutz erlaubt Google Street View. Der Beauftragte David Evans sieht darin keinen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz. Die Veröffentlichung von Panorama-Aufnahmen von Straßenzügen würde die Privatsphäre nicht verletzten, solange Gesichter auf Wunsch der Fotografierten unkenntlich gemacht werden. Ursprünglich sollte das im März gestartete Programm wieder eingestellt werden. Allerdings sieht Evans eine geringe Gefahr für die Privatsphäre und eine entsprechende Beschwerde wurde daher abgelehnt. Anderenorts ist die rechtliche Lage noch weitgehend ungeklärt. In Deutschland zum Beispiel sind die Aufnahmen in Berlin, München und Frankfurt bereits abgeschlossen.