Warum ich gerne altmodisch bin

12 02 2010

Das Internet ist eine wunder-bare Sache. Trotzdem wundere ich mich immer wieder, wenn ich von Freunden und Bekannten höre, dass sie dies und jenes über das Internet gekauft haben. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass es keine Geschäfte mehr gibt, denn die Bandbreite der Waren, die in diese Kategorie fallen, nimmt stetig zu. Hauptgrund für den Online-Einkauf ist meistens der Preis, sicherlich aber auch die Produktvielfalt. Für Waren, die mir wirklich am Herzen liegen, schätze ich jedoch immer noch den traditionellen Detailhandel. So auch heute. Ich war auf der Suche nach einem seltenen, speziellen Buch. Für viele ist der naheliegendste Weg selbstverständlich der Griff zur Tastatur und der Abruf einseitiger Seiten. Ich gebe zu, das mache ich auch gelegentlich und dann bekomme ich nach Tagen oder Wochen ein Buch von einem Antiquariat am anderen Ende der Welt. Aber das ist eigentlich nicht das, was ich möchte. Das Erlebnis heute in einem, eigentlich in dem Antiquariat in meiner Heimatstadt hat mir gezeigt, dass ich manchmal durch und durch glücklich bin, wenn sich kleine altmodischen Eigenheiten erhalten können (was leider immer schwieriger wird). In solchen Läden wird man erkannt, es geht um viel mehr als nur um den Verkauf einer Ware, Geschichtchen und Erfahrungen werden ausgetauscht, der Bibliophile A hat stets ein offenes Ohr für die büchertechnischen Platzprobleme des Bibliophilen B (man sitzt schließlich im gleichen Boot) und das Buch hat keinen festen Preis – trotz des am Eingang deutlich sichtbaren Schildes „Bücher haben feste Preise“.

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Die faulen Ausreden der Helene Hegemann

9 02 2010

„Axolotl Roadkill“, der Erfolgs- und Skandalroman der 17-jährigen Autorin Helene Hegemann wurde in Kritikerkreisen wegen seiner frischen und frechen Sprache gefeiert. Nun stellte sich heraus, dass gerade diese Authentizität geklaut ist. Weite Strecken hatte Hegemann aus einem Blog abgeschrieben. Auf frischer Tat ertappt. Wie könnte man sich besser rechtfertigen, als dadurch, dass man behauptet, es wäre aus künstlerischer Sicht pure Absicht gewesen? Die Autorin verteidigt dieses Plagiat nun tatsächlich damit, dass die „Copy & Paste“-Technik zur so genannten Nullergeneration gehöre und deswegen auch glaubwürdig sei. Außerdem sieht sie in ihrem geistigen Diebstahl einen Umgang mit der Urheberrechtsproblematik und das Anrecht ihrer Generation zur Kopie und Veränderung von Texten. Es wundert mich ehrlich gesagt nicht. Es mag sein, dass niemand imstande ist, etwas wirklich Neues zu schaffen und jeder Vorbilder sucht, besitzt und pflegt. Und es war immer schon so, dass es Menschen gab, die die Kreativität anderer genutzt haben – und dafür ganz unterschiedlich bewertet werden (man denke nur an Bertolt Brecht). Aber der allzu leichte Griff nach CTRL-C und CTRL-V ist nicht so einfach mit künstlerischer Intention zu rechtfertigen – vor allem, wenn man erst davon spricht, wenn man ertappt wird.





Heute E-Mail, morgen De-Mail

8 02 2010

Eine E-Mail zu verschicken kostet im Grunde genommen gar nichts. Möchte man aber sichergehen, dass die Botschaft tatsächlich ankommt und der Absender nicht gefälscht werden kann, damit also auch rechtsverbindlich ist, so heißt der Dienst nicht mehr E-Mail, sondern De-Mail. Die Deutsche Post möchte dafür 20 Cent pro Mail verlangen, andere Anbieter wie 1&1 oder GMX machen es schon für die Hälfte. Die Konkurrenten wollen für den neuen Dienst vor allem große Versicherungen und Unternehmen anwerben, die Lohnabrechnungen, Rechnungen, Policen und Tarifänderungen bisher per Brief verschickten. Vorteile seien dabei Zuverlässigkeit und Datenschutz.





Retrakon On Tour #1

6 02 2010

Ein erklärungsbedürftiger Titel. Unter dieser Kategorie wird es in Zukunft Gedankensplitter geben, die sich aus interessanten Diskussionen im Zug ergeben. Im heutigen, ersten Fall war mein Gesprächspartner ein Retrakon-Leser und Kommentator und es ging, als ließe es sich nicht vermeiden, um China und die chinesische Gesellschaft. Dabei erinnerte ich mich an eine Reportage vor einigen Monaten, die einen bleibenden, leider aber negativen Nachgeschmack hinterlassen hat. Das Problem ist im Grunde genommen allgemein bekannt – und doch denkt kaum jemand ernsthaft an die gravierenden Folgen für die Zukunft. Durch Chinas seit 1979 verfolgte Ein-Kind-Politik und der Tatsache, dass viele Eltern ihr Ungeborenes abtreiben lassen, sollte es ein Mädchen sein, ergibt sich ein immer größer werdendes Ungleichgewicht der Geschlechter – bei einem Staat mit 1,33 Milliarden Einwohnern keine Kleinigkeit. Natürlich ist es offiziell verboten, Mädchen abtreiben zu lassen, weil sie Mädchen sind. Ein Jungenüberschuss von 20% spricht allerdings eine andere Sprache. In Zukunft werden viele Männer keine Frau finden, ganz einfach, weil es nicht genügend viele gibt. Dieses menschliche Grundbedürfnis nach Partnerschaft und (mehr oder weniger) exklusiver Zweisamkeit wurde und wird aus politischen und wirtschaftlichen Gründen missachtet.





Was stimmt hier nicht? (Folge 2)

26 01 2010





Wiso mir die Naktskanner auf die NErfn gehn

23 01 2010

Die Nacktscanner, besser gesagt die Körperscanner, gehen mir überhaupt nicht auf die Nerven. Ich finde es wichtig, dass das Thema öffentlich diskutiert wird, prallen hier doch zwei Welten aufeinander; für die einen steht der Schutz der Privatsphäre im Vordergrund, für die anderen die Sicherheit. Spannende Argumente sind vorprogrammiert. Darum geht es mir heute nicht. Es geht vielmehr um Rechtschreibung. Ein Kommentator dieser Seite hat einen inhaltlich akzeptablen, aber orthographisch recht fehlerhaften Kommentar geschrieben. Freundlich darauf hingewiesen gab er seine Schwäche ohne Ausflüchte zu und konterte mit einem Zeitungsartikel aus der „Neuen Luzerner Zeitung“, in dem von zwei Experten die Rede ist, die der Orthographie in der heutigen Zeit nur eine geringe Bedeutung zumessen. Das Thema interessiert mich seit Jahren. Tenor der O-Gegner, nennen wir sie so, ist meist: Es kommt auf den Inhalt an, nicht auf die Form. Das Argument wird meistens unreflektiert stehengelassen. Wenn es immer nur auf den Inhalt ankommen würde und die Form vollkommen egal wäre, dann würden die meisten wohl einen Teller Sch**** essen, wenn sie schmeckt wie ein leckeres Steak. Aber genau das bezweifle ich. Oder auch die beste, tiefgründigste, emotionalste Musik hören wir lieber in guter Audioqualität als verzerrrt mit Störgeräuschen. Es ließen sich noch zahlreiche Beispiele anführen. Auf der anderen Seite schätzen wir auch die reine Form nicht. Denken wir – um bei dem Genannten zu bleiben – an ein wunderbar hergerichtetes und präsentiertes Menü, das dann schmeckt wie die Sternchen oben. Oder man zwingt mich „Bamboleo“ oder „Wind Of Change“ anzuhören, dann verbessert sich meine Lage nicht, wenn ich eine 24bit-Audio-DVD auf einer 5.1-Anlage höre. Was ich damit sagen möchte, ist, dass Inhalt und Form Hand in Hand gehen müssen. Das gilt auch für die Rechtschreibung. Es mag richtig sein, dass der große Goethe gesagt hat, über Geschmack und Rechtschreibung ließe sich streiten, aber die Vorteile verschiedener Normen sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn es hierbei allzu große Freiheit gibt, dann leidet schließlich auch der Inhalt. Dass es doch viele Fürsprecher einer „freien“ Rechtschreibung gibt, liegt m.E. an zweierlei Gründen: a) All diejenigen, die selbst mit der Orthographie zu kämpfen haben, rechtfertigen dadurch ihre Lage; b) Als Experte kann man sich wahrscheinlich nur mit einer neuen, anderen Sicht der Dinge profilieren. Auch keine Neuigkeit. Die Frage gipfelt letzten Endes im Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung. Der gebildete Mensch, im Vergleich zum bloß ausgebildeten, steht eben doch eine Stufe höher. Aber dieses humanistische Gedankengut ist natürlich vollkommen anachropnistosch. Der vorige Satz wäre verständlicher, wenn ich das letzte Wort korrekt geschrieben hätte. Aber wer Google und Word hat, braucht ja nicht mehr selbst zu denken.





Was US-Amerikaner unter Verkehrserziehung verstehen

21 01 2010


Menschen, die sich gerne Videos dieser Güte ansehen, werden danach über die Unfälle reden, und die lächerlich dürftige Botschaft am Ende des Clips schon vergessen haben. Wieso also werden solche Videos im Auftrag des National Safety Councils überhaupt genutzt? Interessant ist auch, was einzelne „Kommentatoren“ zu diesem Video im Internet hinterlassen haben:
a) „That TransAm driver should have used turbo boost. He clearly wasn’t paying attention as a kid.
b) „There are problems with this, and the only explanation is FATE controlled the whole thing. If that truck had dropped its load, EVERYONE behind Should have seen it and started stopping at the FIRST few logs. Diesel does not explode that well. AS well as an 18wheeler going down the Wrong side of the freeway.. Yes I understand ITS A MOVIE.. But the logs would have Rolled off and bounced to the Center meridian area/LOW spot between the N. and S. lanes and probably STOPPED or even went to the OTHER side.. BUT, Logic and physics dont rule in this series of movies..
c) „The Romans had gladiator fights to satisfy their blood lust, we moderns have Internet snuff videos.