Metaphysik der Utopie

30 09 2009

„Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen.“
Jonathan Swift

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Lernbares Glück?

9 07 2009

In Österreich wird es, wie schon in Deutschland, an einigen Schulen das neue Schulfach „Glück“ geben. Meine Frage an euch: Braucht es das wirklich? Ist die Schule wirklich der geeignete Rahmen dafür? Wie sieht eine Lehrbefähigung für das Fach „Glück“ aus? Dauergrinsen oder einfach Mensch-Sein? Welche anderen „alternativen“ Fächer würden Schulen und Schülern gut tun? Welche Fächer sind dagegen sinnlos oder überflüssig? Wenn es solche Fächer gibt, war das schon immer so oder haben sie im Laufe der Zeit an tatsächlicher Bedeutung verloren? Wie sieht der Bildungskanon für das 3. Jahrtausend aus? Muss man noch wissen, was ein Kanon ist?





Raumzeitgeistgedanken (Folge 1)

2 07 2009

„Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!“
– Kurt Tucholsky (1890-1935), deutscher Journalist und Satiriker





Wahrheit als Unwert

24 06 2009

Als ich meinen Beitrag „Rihanna und ihr Nazi-Porno“ verfasst habe, um zu sehen, wie viele Menschen sich von dem reißerischen Titel anziehen lassen, war das mein bisher erfolgreichster Tag als Blogger. So viele Leser wie damals hatte ich weder vorher noch nachher. Bis vorgestern. Der Beitrag „Bilder aus dem auseinander brechenden Airbus 330“ über die von mehreren Sendern veröffentlichten Fotos aus der Fernsehserie „Lost“ hat Rihanna auf den zweiten Platz verwiesen. Fast doppelt so viele Leser. Ist der Tod sexier als Sex? Mich interessieren eher die Kommentare, die im Internet dazu gegeben wurden. Beispiel 1: „Man zeigt spektakuläre Bilder eines Flugzeugabsturzes. Warum? Weil der Zuschauer gerne spektakuläre Bilder sieht. […] Wem schadet es, wenn die Bilder gefälscht sind? niemandem, den Absturz selbst hat ohnehin niemand gesehen. Also was solls?“ Beispiel 2: „Was hängt denn für mich davon ab, dass ich hier mit falschen Bildern „fehlinformiert“ (wenn man das mal am Wert dieser Information misst) werde? Garnichts. Da kommen dann gleich Leute aus den Ecken gekrochen deren Werte nicht durch die Medien vertreten werden und müssen die Medien anhand solcher Einzelfälle diskreditieren. Die sollten sich darum kümmern mehr Erfolg im Leben zu erreichen und dann legen sich solche Allüren.“ Beispiel 3: „Ist das in der heutigen Zeit noch relevant, ob die Bilder „echt“ sind?“ Es mag sein, dass die Zeiten einer objektiven Wahrheit vorbei sind, oder vielleicht die einer objektiv erkennbaren Wahrheit, aber wenn es vollkommen irrelevant ist, ob die Medien nicht zumindest dem Ideal einer objektiven und einer möglichst nahe an den Fakten gelegenen Berichterstattung folgen, dann kann ich den obigen Kommentarschreibern in aller Härte ans Schienbein treten und hier in meinem Blog darüber berichten, dass ich den drei Herren ein alkoholfreies Bier ausgegeben habe. Wen interessiert’s? Mehr Leser hätte ich natürlich, wenn ich tatsächlich eine Runde ausgebe, aber schreibe, dass ich die drei rituell hingerichtet habe.





Wahrheit als Revolution

7 05 2009

»In einer Zeit des Universalbetruges ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat.«
(George Orwell)





Piratenpartei im EU-Parlament?

1 05 2009

Wie die Stockholmer Zeitung „Daghens Nyheter“ berichtet, hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Synovate ergeben, dass die erst 2006 gegründete schwedische Partei „Piratpartiet“, die sich der Wahl für das Europa-Parlament stellt, auf 5,1% der Stimmen kommen könnte. Die Partei fordert unter anderem das freie Herunterladen von Film und Musik aus dem Internet. Mittlerweile besitzt die Partei über 40.000 Mitglieder. Nach dem Kategorischen Imperativ des Transzendentalphilosophen Immanuel Kant (1724-1804) muss jede Handlung auf ihre moralische Gültigkeit hin überprüft werden. Nur wenn man wollen kann, dass eine Handlung als allgemeines, für alle verbindliches Gesetz gelten kann, ist sie erlaubt. Angewendet auf die Forderungen der schwedischen Piratenpartei bedeutet das, dass das kostenfreie Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten ethisch betrachtet nur dann erlaubt ist, wenn man wollen kann, dass das jeder immer macht. Damit würden allerdings keine kommerziellen Angebote mehr möglich sein, weil niemand mehr den legalen Weg beschreitet. Ergo: Dass es überhaupt Inhalte gibt, die heruntergeladen werden können, liegt nur daran, dass einige gerechtfertigerweise für Produkte bezahlen, die sie benutzen oder besitzen wollen. Aus ethischer Sicht ist jede andere Verhaltensweise äußerst problematisch.





Volle und leere Worte

19 04 2009

»Worte beginnen „voll“; sie werden erst leer: durch dauernden Gebrauch. Wer das Wort „Tisch“ ausspricht, meint damit gewöhnlich einen Gegenstand mit vier Beinen, die eine Platte tragen. Wer dieses Wort aber zweihundert Mal hintereinander ausspricht, wird merken, wie das Gemeinte sich verflüchtigt. Von dem Wort bleibt nur noch ein Klang oder ein Geräusch zurück. Dafür sorgt der Doppelsinn der Wiederholung. Daß man eine bestimmte Lautfolge beliebig oft wiederholen kann, das erst macht sie zu einem Wort. Nur die Wiederholung hebt das Wort aus dem Lautfluß hervor, nur sie gibt ihm Nachdruck. Wiederholung bekräftigt. Von einem bestimmten Punkt an jedoch tut sie das Gegenteil; sie nutzt die Worte ab, und abgenutzte Worte werden leer. Leere Worte sind durch Dauergebrauch entleerte Worte. Sie waren einmal voll.«
aus: „Philosophie des Traums“ (Christoph Türcke), Seite 166