Schweinische Werte

27 01 2010

Als der australische Philosoph Peter Singer während des Verzehrs eines Schnitzels von einem Vegetarier den Auftrag bekam, herauszufinden, welche Gründe dafür sprechen, überhaupt Tiere zu essen, war das für ihn das letzte Schnitzel seines Lebens. Wie die Sunday Times nun berichtete, wurden auf einem geheimen Militärstützpunkt in Großbritannien lebende Schweine in die Luft gejagt, um den Effekt von terroristischen Attacken auf zivile Ziele zu simulieren. (Über den Einsatz von Schweinen bei Lawinenversuchen bei uns haben auch lokale Medien geschrieben.) Ich verstehe Singers Position, wenn ich sie auch nicht für mich akzeptieren will. Auf der anderen Seite frage ich mich, wie weit der Mensch gehen darf, um Menschen zu schützen. Und nicht nur weil wir genetisch zu 90% Schweine sind.





Schöne (?) neue (!) Welt (?!)

11 12 2009

Forschern der New York University um Elizabeth Phelps ist es erstmals gelungen, negative Erinnerungen zu löschen, ohne dabei Medikamente einzusetzen. Das menschliche Gedächtnis ist nicht, wie bisher angenommen, ein starrer, unveränderlicher Speicher. Erinnerungen werden regelmäßig reaktiviert und auf ihre aktuelle Relevanz hin überprüft, bevor sie erneut gefestigt werden. Während dieser Rekonsolidierungsphase lassen sich Gedächtnisinhalte verändern, und eben auch löschen.





Ja, bitte?

10 12 2009

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Realtime und einige Gedanken dazu

3 12 2009

Schon wieder Anmerkungen zur Zeit und dem Zeitbegriff, werden sich einige denken. Als der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Frau Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo ermordert wurde, veröffentlicht der „Tiroler Volksbote“ auf seiner ersten Seite einen Artikel mit dem Titel „Der Mord am Thronfolgerpaar“. Das interessante an der ganzen Sache ist, dass die Zeitung am 10. Juli (!) 1914 erschienen ist. Zwischen Ereignis und Berichterstattung lagen zwei Wochen. Gut, andere Zeitungen haben natürlich sofort am nächsten Tag darüber berichtet, anderes würde man auch nicht erwarten. Durch die Segnungen der modernen Technik wird es möglich, immer weniger Zeit zwischen Vorgefallenem und Berichterstattung verfließen zu lassen. Ja, es ist sogar möglich, in realtime, in Echtzeit zu berichten – von jedem Punkt der Erde für alle Menschen mit einem entsprechenden Zugang. Bemerkenswert finde ich diesbezüglich, dass der 31-jährige Dana Hanna während seiner Hochzeitszeremonie das Handy herauszieht und kurz vor dem entscheidenden Kuss zu filmen beginnt, das Video online stellt und gleichzeitig seinen Status auf Facebook verändert. Auch für seine Frau Tracey, die von der Aktion nichts wusste, hat er das Handy mitgebracht, damit sie ebenfalls ihren Status ändern konnte. Es fehlt nun nur noch eine Berichterstattung vor den Ereignissen selbst. Sozusagen in Überlichtgeschwindigkeit.





Verjährt Zeit?

2 12 2009

Der Münchner Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk beschäftigt mich seit einiger Zeit. Die Frage, die angesichts eines 89-jährigen, anscheinend kranken Angeklagten auftaucht, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solch späten Ahndung. Viele behaupten, man sei es den Opfern schuldig und ein solches Vergehen dürfe niemals verjähren; viele behaupten aber auch das Gegenteil. Doch die Prozesse um längst vergangene Naziverbrechen gehören nur zu einer Gruppe solcher Dilemmata. Wie viel Zeit muss vergehen bis es sinnlos wird, eine Tat zu ahnden, ein Ereignis zu revidieren, eine Situation zu akzeptieren? Wie ist das mit politischen Konstellationen? Schottland, Nordirland, Südtirol, Baskenland, Kurdistan, Zypern etc. (wobei alle hier aufgezählten Beispiele ihre ganz speziellen Eigenheiten haben). Ist irgendwann so viel Zeit vergangen, dass eine Revision vergangenen Unrechts noch mehr Unrecht schafft? Und wer entscheidet, was durch die Zeit relativiert wird und was nicht?





Gibt es ein Toleranz-Gen?

1 12 2009

Der gestrige Beitrag zum Minarettverbot und die Reaktionen darauf haben in mir einige Fragen aufkeimen lassen. Wenn man mit Menschen über das Abstimmungsergebnis der Schweizer diskutiert, merkt man sehr schnell, dass es für nach außen gleich scheinende Urteile ganz unterschiedliche Gründe gibt. Jemand könnte über das Minarettverbot erfreut sein, aber nicht, weil er etwas gegen den Islam hat, sondern weil diese Person allgemein jede Einschränkung religiöser Aktivität gutheißt; man könnte aber auch positiv zum Verbot stehen, weil der Islam nun einmal gegenüber dem Christentum die „schlechtere“ Religion ist usw. Wir sehen, verschiedene, im Grunde genommen unvereinbare Hintergründe. Bei allen Diskussionen wird irgendwann der Begriff „Toleranz“ fallen. Das bringt mich zu meiner Frage: Ist Toleranz evolutionstechnisch gesehen ein Vorteil oder Nachteil? Oder ist es sinnlos, von Toleranz in der Natur zu sprechen? Sehr oft werden menschliche Eigenheiten und Eigenschaften mit evolutionären Prozessen erklärt. Zum Beispiel: Dicke Menschen hatten früher den Vorteil, Hungerszeiten zu überleben; die Tatsache, dass die meisten Menschen nicht lange Zeit vorausblicken stammt noch aus der Zeit unserer Urahnen, bei denen es unerheblich war, was in zehn Jahren sein wird, sie mussten den nächsten Tag, die nächste Woche überleben usw. Wie ist das aber mit der Toleranz? Sind bestimmte Bereiche im Gehirn dafür verantwortlich, mehr oder weniger dafür empfänglich zu sein? Gibt es ein Gen XYZ, das die Toleranzgrenzen des Menschen determiniert?





Was die Sugababes mit Philosophie zu tun haben

19 10 2009

In der Philosophie wird oft das Beispiel von Theseus‘ Schiff bemüht, wenn es darum geht, über den Begriff der Identität zu reden. Thomas Hobbes hat den Gedankengang im 17. Jahrhundert so formuliert: „Werden in diesem Schiff nach und nach alle Planken durch neue ersetzt, dann ist es numerisch dasselbe Schiff geblieben; hätte aber jemand die herausgenommenen alten Planken aufbewahrt und sie schließlich sämtlich in gleicher Richtung wieder zusammengefügt und aus ihnen ein Schiff gebaut, so wäre ohne Zweifel auch dieses Schiff numerisch dasselbe Schiff wie das ursprüngliche. Wir hätten dann zwei numerisch identische Schiffe, was absurd ist.“ Und nun die populärkulturelle Variante anno 2009. Wenn aus einer Girlgroup, die aus drei Sängerinnen besteht – nennen wir sie der Einfachheit halber A – im Laufe von mehreren Jahren alle drei Mitglieder nacheinander aussteigen und durch andere ersetzt werden, die dadurch A bilden, sich nun aber die drei ursprünglichen Sängerinnen wieder vereinen, welche von beiden Gruppen ist A? Oder gibt es zwei A? Oder gar kein A mehr? Seit Jahren habe ich darauf gewartet, dass auch das dritte Originalmitglied der britischen Sugababes die Band verlässt. Keisha Buchanan sei Dank!