Leipziger Erklärung gegen Plagiate in der Literatur

28 03 2010

„Wenn ein Plagiat als preiswürdig erachtet wird, wenn geistiger Diebstahl und Verfälschungen als Kunst hingenommen werden, demonstriert diese Einstellung eine fahrlässige Akzeptanz von Rechtsverstößen im etablierten Literaturbetrieb.“ – aus der Leipziger Erklärung gegen Plagiate in der Literatur

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Was von nachtaktiven mexikanischen Schwanzlurchen zu halten ist

13 03 2010

Viel wurde über Helene Hegemanns Romandebüt „Axolotl Roadkill“ geschrieben. In erster Linie beschäftigte man sich mit den Plagiatsvorwürfen und darüber hinaus mit der Frage, ob nicht viele große Literaten vor Hegemann auch schon abgekupfert hätten. Der Inhalt des Buches rückte so weitgehend in den Hintergrund und ich frage mich, ob alle jene, die über das Buch urteilen, es auch gelesen haben. Seit gestern kann ich dies zumindest für mich in Anspruch nehmen. Vier Zugfahrten á 50 Minuten reichten, um das 200 Seiten starke Buch hinter mich zu bringen. Es ist schon erstaunlich, was eine 17-Jährige zu Papier bringt. Ihr wurde oft vorgeworfen, mit Fremdwörtern herumzuwerfen und intelligent zu wirken. Das hat mich nicht gestört. Ob es besser ist, dass eine junge Frau wie sie ihr Analsex- und Sadomaso-Vokabular aus dem Internet kopiert hat, sei in den Raum gestellt. Nach dreißig Seiten kennt man Hegemanns Stil und wenn eine Seite ohne das Wort „kotzen“ auskommt, dann stutzt man bereits. Was man aus dem Buch lernt, ist, dass man sich auf harten Drogen dauernd übergeben muss und die Welt wortwörtlich zum Kotzen findet. Dafür hätten aber dreißig Seiten gereicht. Irgendwann verkommt das ständige Gerede über das Kotzen aber zum Selbstzweck und macht den Roman dadurch nicht besser. Einen fehlenden roten Faden und eine fehlende Handlung im eigentlichen Sinne verzeiht man der Autorin immerhin, wenn man bedenkt, welch gebrochene Gestalten sie im Buch portraitiert. Beeindruckend sind auch immer wieder einzelne Satzkonstruktionen, in denen sie Vokabular miteinander verflechtet, das den Leser wie eine Bombe trifft – allerdings mit dem bitteren Nebengeschmack der Frage, ob gerade diese Passagen nicht von ihr selbst stammen. Aber damit muss sie leben. Einige Abschnitte wirken altklug oder sogar pseudointellektuell und Sätze, die bedeutungsrauschig als Absatz alleine stehen, wie jener, in dem sie den Konsum von Heroin mit dem In-die-Welt-Setzen von Kindern vergleicht, drängen zur Frage, wem die Autorin etwas beweisen will. Allenfalls der Titel spricht mich an, und das, was er ausdrückt. Immerhin. Die Liste der Personen, die Hegemann am Ende des Buches für Inspiration dankt/danken muss, wird dagegen von Auflage zu Auflage länger. Jedes Kapitel beginnt mit einem – zumindest namentlich gekennzeichneten – Zitat; ein Kapitel macht eine Ausnahme: „16. Juni“. Dass sie ausgerechnet den Bloomsday an sich reißt, zeigt, dass sie sich wirklich überall bedient, auch wenn diese Anspielung die wenigsten Leser verstehen werden. All das verzeihe ich ihr ohne Augenzwinkern. Nur eines nicht: Das Buch ist grottenlangweilig. Das war für mich der eigentliche Schock. Man kann die Figuren weder hassen für ihr verkorkstes Leben noch sie bemitleiden. Ab der dreißigsten, vierzigsten Seite passiert nichts mehr, was man nicht schon bei ihr gelesen hat. Und das Ende ist weder ein Ende mit Schrecken noch eines der Erleichterung. Der erste Satz (ebenfalls abgekupfert) „Let me entertain you“ ist gelogen – und das ärgert mich.





Wo sind die Bestseller?

11 03 2010

Am 18. März beginnt die Leipziger Buchmesse. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels meldete am Mittwoch zum zweiten Mal in diesem Jahr erhebliche Umsatzrückgänge. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnet die Branche im Februar ein Minus von 3,6 Prozent – auch im Jänner dieses Jahres war dies so. Die mit Abstand größten Umsatzeinbußen verzeichnet mit über 27 Prozent die Warengruppe Kinder- und Jugendbücher. Begründet wird dies vor allem mit fehlenden Bestsellern. In diesem Segment konnte sich bislang kein verkaufsträchtiger Nachfolger für Stephenie Meyers „Bis(s)“-Romane etablieren.





Technoprosa von Airen oder Wo Helene Hegemann Ideen findet

23 02 2010




„Axolotl Roadkill“ – Der Zitatevergleich

21 02 2010

Die Audiodatei zum Reinhören.





Helene Hegemann und ihre Quellen

18 02 2010

Die skandalgebeutelte Bestseller-Autorin Helene Hegemann legt die Quellen zu ihrem Roman „Axolotl Roadkill“ offen. Darunter befinden sich zwanzig mehr oder weniger wörtlich übernommene Passagen aus dem Blogger-Buch „Strobo“, hinzu kommen weitere zwanzig Zitate und Abschnitte, die aus anderen Texten übernommen wurden. Momentan ist die vierte Auflage im Druck, in diese wird das Quellenverzeichnis aufgenommen. Außerdem dankt Hegemann zahlreichen Menschen für ihre Inspiration. Ein Roman mit Quellenverzeichnis – sehr interessant. Wenn ich an meine umfangreiche Bibliothek denke, dann fallen mir nur zwei literarische Werke ein, die Quellenangaben enthalten: „Die bezaubernde Florentinerin“ von Salman Rushdie (gut sieben Seiten) und „Briefe in die chinesische Vergangenheit“ von Herbert Rosendorfer (eine Seite). In beiden Fällen handelt es sich um eine schlichte Aufzählung der Bücher, an Hand derer sich die Autoren in die behandelte Thematik eingearbeitet haben. Also etwas ganz anderes als in der Causa Hegemann. Ein wissenschaftlicher Text muss Quellenangaben enthalten, er trägt Rechnung, woher die einzelnen Informationen stammen. Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Plagiat besteht demnach hauptsächlich darin, offenzulegen, woher was kommt. Wir erinnern uns: „Wissenschaft war schon alle Zeit …“ Ist dies auch im Bereich der Belletristik möglich? Warum nicht? Ein Roman mit Fußnoten zum Beispiel ist nicht so abwegig (Google findet zum Suchbegriff „Roman mit Fußnoten“ immerhin 9 Seiten). Aber ändert es für „Axolotl Roadkill“ irgendetwas, ob nachträglich (!) ein Verzeichnis angefügt wird? Für mich nicht.