Aus digital mach analog! Neue Möglichkeiten für die Zukunft?

8 04 2010

Häufig wird Reales in die virtuelle Welt verfrachtet. Wer will noch auf einem Golfplatz golfen oder auf einer Gitarre spielen oder ein Tennismatch bestreiten oder ein echtes Leben führen, wenn es Spielkonsolen gibt? Hier erleben wir ein Beispiel, in dem ursprünglich Virtuelles den Weg in die reale Welt findet: Analoges Tetris.

Tetris analógico // Analogical Tetris from Esferobite-DSK on Vimeo.

Ganz neue Möglichkeiten tun sich auf: In Zukunft könnte man tatsächlich Quidditch spielen oder Luftgitarren selbst nicht zupfen oder Ungeheuer abschlachten oder drei Leben haben.





Was das Dashboard verrät (Folge 1)

8 04 2010

Wer zufällig auf Retrakon gerrät, sucht Folgendes: japanische Vergewaltigungsspiele, Würth Kalender-Models, Drogen in Prag, Hochzeiten mit Videospielfiguren, Öbszönes in Chatroulette, schöne Augen unter Burkas und Pornos der Nazis.





Wenn schon wieder einmal nur die Oberfläche gesehen wird

6 04 2010

Die US-Soulsängerin Erykah Badu erregt zur Zeit die (amerikanischen) Gemüter. In ihrem aktuellen Video „Window Seat“ geht sie eine Straße entlang und zieht sich dabei langsam aus. Am Ende des Songs – nackt, aber verpixelt – fällt genau an jener Stelle ein Schuss, an der John F. Kennedy ermordet wurde. Sie fällt um und liegt am Boden. Im Hintergrund liest Badu dazu ein Gedicht vor, in dem es darum geht, dass viel zu viele Menschen bereit seien, zu zerstören, was sie nicht verstehen, oder was nicht in ihre Gemeinschaft passt. Badu wurde ein Bußgeldbescheid über 500 Dollar zugestellt. Das Video dazu wurde auf YouTube plötzlich aus „Urheberrechtsgründen“ gelöscht. Hier das Video auf einer anderen Plattform.





Warum man nicht essen soll, was man im Fernsehen sieht

2 04 2010




Was ein Literat über die aktuellen Missbrauchsfälle denkt

17 03 2010

„War Sokrates ein Päderast? Eine solche Frage ist wie ein roher Griff, der jeden delikaten Stoff unkenntlich macht. In den Augen der Politik verführte er junge Menschen zu gottlosen Fragen – und eröffnete damit einen zweitausendjährigen Diskurs der Aufklärung, der mit allem, was am Eros peinlicher Erdenrest bleibt, nicht aufgeräumt hat, und es, wenn er klug war, auch gar nicht versuchte. Das hat seine Gründe, die nicht im Missbrauch eines Einzelnen liegen, sondern im zwangsläufig Normwidrigen, das mit Sexualität verbunden ist.“ – Adolf Muschg (1934-), Schweizer Schriftsteller





Künstlich erzeugter Alkokol ohne Nebenwirkungen

16 03 2010

David Nutt, Leiter der Neuropsychopharmaklogischen Abteilung des Imperial College London, will einem künstlich erzeugten Alkohol auf die Spur gekommen sein. Dieser erzeugt die angenehmen Wirkungen von Alkohol; nimmt man aber ein Gegenmittel ein, sei man wieder nüchtern, könne nach Hause fahren und Leber, Magen oder Kreislauf werden nicht belastet. Bis 2012 könnte das Getränk auf dem Markt sein, wenn genügend Geld für klinische Versuche aufgetrieben werden. Mit etwa 10 Millionen Pfund sei zu rechnen.





Was von nachtaktiven mexikanischen Schwanzlurchen zu halten ist

13 03 2010

Viel wurde über Helene Hegemanns Romandebüt „Axolotl Roadkill“ geschrieben. In erster Linie beschäftigte man sich mit den Plagiatsvorwürfen und darüber hinaus mit der Frage, ob nicht viele große Literaten vor Hegemann auch schon abgekupfert hätten. Der Inhalt des Buches rückte so weitgehend in den Hintergrund und ich frage mich, ob alle jene, die über das Buch urteilen, es auch gelesen haben. Seit gestern kann ich dies zumindest für mich in Anspruch nehmen. Vier Zugfahrten á 50 Minuten reichten, um das 200 Seiten starke Buch hinter mich zu bringen. Es ist schon erstaunlich, was eine 17-Jährige zu Papier bringt. Ihr wurde oft vorgeworfen, mit Fremdwörtern herumzuwerfen und intelligent zu wirken. Das hat mich nicht gestört. Ob es besser ist, dass eine junge Frau wie sie ihr Analsex- und Sadomaso-Vokabular aus dem Internet kopiert hat, sei in den Raum gestellt. Nach dreißig Seiten kennt man Hegemanns Stil und wenn eine Seite ohne das Wort „kotzen“ auskommt, dann stutzt man bereits. Was man aus dem Buch lernt, ist, dass man sich auf harten Drogen dauernd übergeben muss und die Welt wortwörtlich zum Kotzen findet. Dafür hätten aber dreißig Seiten gereicht. Irgendwann verkommt das ständige Gerede über das Kotzen aber zum Selbstzweck und macht den Roman dadurch nicht besser. Einen fehlenden roten Faden und eine fehlende Handlung im eigentlichen Sinne verzeiht man der Autorin immerhin, wenn man bedenkt, welch gebrochene Gestalten sie im Buch portraitiert. Beeindruckend sind auch immer wieder einzelne Satzkonstruktionen, in denen sie Vokabular miteinander verflechtet, das den Leser wie eine Bombe trifft – allerdings mit dem bitteren Nebengeschmack der Frage, ob gerade diese Passagen nicht von ihr selbst stammen. Aber damit muss sie leben. Einige Abschnitte wirken altklug oder sogar pseudointellektuell und Sätze, die bedeutungsrauschig als Absatz alleine stehen, wie jener, in dem sie den Konsum von Heroin mit dem In-die-Welt-Setzen von Kindern vergleicht, drängen zur Frage, wem die Autorin etwas beweisen will. Allenfalls der Titel spricht mich an, und das, was er ausdrückt. Immerhin. Die Liste der Personen, die Hegemann am Ende des Buches für Inspiration dankt/danken muss, wird dagegen von Auflage zu Auflage länger. Jedes Kapitel beginnt mit einem – zumindest namentlich gekennzeichneten – Zitat; ein Kapitel macht eine Ausnahme: „16. Juni“. Dass sie ausgerechnet den Bloomsday an sich reißt, zeigt, dass sie sich wirklich überall bedient, auch wenn diese Anspielung die wenigsten Leser verstehen werden. All das verzeihe ich ihr ohne Augenzwinkern. Nur eines nicht: Das Buch ist grottenlangweilig. Das war für mich der eigentliche Schock. Man kann die Figuren weder hassen für ihr verkorkstes Leben noch sie bemitleiden. Ab der dreißigsten, vierzigsten Seite passiert nichts mehr, was man nicht schon bei ihr gelesen hat. Und das Ende ist weder ein Ende mit Schrecken noch eines der Erleichterung. Der erste Satz (ebenfalls abgekupfert) „Let me entertain you“ ist gelogen – und das ärgert mich.