Wahrheit, Lügen und unser Gehirn

20 11 2009
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Die großen Fragen und das laute Schweigen dazu

19 11 2009

Der Grund für erneut retrakonlose Tage liegt glücklicherweise nicht in einem weiteren Zuschlagen aggressiver Viren, sondern an einer mehrtägigen Fortbildungsveranstaltung in Strobl am Wolfgangsee, die mich offline intensiver denken ließ als online. Ein zentrales Thema meiner Fortbildung war die Willensfreiheit des Menschen. Nun ja, wenn man Neurophysiologen, Neurobiologen und anderen Neuroirgendetwas Glauben schenken darf, dann sind wir nicht frei, sondern vollständig durch unsere Hirnprozesse determiniert. Gut, das war keine neue Erkenntnis, denn es gehört schon seit einigen Jahrzehnten zum guten wissenschaftlichen Ton, den Menschen zu einer Maschine zu erklären. Zugegeben, alle ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Experimente zu diesem Thema zeigen eindeutig, dass unser Gefühl, frei zu sein und frei entscheiden zu können, nichts anderes ist als eine Illusion. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, auf dieses Wissen zu reagieren: a) Man könnte es einfach ignorieren und weiter leben wie bisher, b) Man könnte die Experimente anzweifeln und versuchen, sie zu widerlegen, weil „nicht sein kann, was nicht sein darf“, c) Man könnte aus dem Wissen Konsequenzen ziehen und die Welt verändern. Wer sich für a) entscheidet, gehört vielleicht zur großen Mehrheit; dazu zählen auch jene, denen es vollkommen egal ist, wie die Antwort auf diese Frage lautet, weil sie nicht verstehen, dass an der Frage nach der Freiheit des Menschen so viel hängt. Typ b) gehört zu einem interessanten Menschenschlag. Benjamin Libet, der mit seinen berühmten Experimenten den „Wir sind Maschinen“-Wissenschaftlern Tür und Tor geöffnet hat, war mit seinen Einsichten selbst vollkommen unzufrieden und wollte die Ergebnisse seiner eigenen wissenschaftlichen Sensation nicht akzeptieren. Damit gehört er aber sicherlich zu einer Minderheit. Einige Philosophen fallen ebenfalls in diese Kategorie, denn sie wissen, was auf dem Spiel steht, wenn die Freiheit kippt. Nur, wie soll man gegen naturwissenschaftlich kaum anzweifelbare Ergebnisse von bewährten und oft wiederholten Experimenten ankämpfen? Vielleicht indem man das große Ganze betrachtet und Widersprüche sucht. Schließlich Möglichkeit c). Dazu gehören einige Koryphäen der Neurowissenschaften. Sie zeigen schlüssig unser Determiniertsein, aber wenn diese Erkenntnisse unumstößlich das letzte Wort wären, müsste sich eine Menge in unserer Gesellschaft ändern. Keine unangenehme, illegale, böse, falsche oder sonst tadelnswerte Handlung dürfte beanstandet werden, denn wenn der Mensch nicht frei in seinem Handeln ist, wie soll man ihm denn Vorwürfe machen. (Natürlich müsste man Triebtäter „wegsperren“, um die anderen zu schützen, aber eigentlich können sie ja nichts dafür.) Aus dem Status quo, d.h. aus der Tatsache, dass wir immer noch unter den selben Umständen leben, ziehe ich folgenden Schluss: Auch wenn alles darauf hindeutet, dass wir von unserem Gehirn gesteuert werden und ein freier Wille, ja sogar unser Ich reine Illusion sind, werden wir es nicht hinnehmen und alles daran setzen, den Menschen als Menschen zu retten. Und was ich in den vergangenen Tagen ebenfalls noch gelernt habe: Wenn es um die wirklich bedeutenden Fragen geht, dann haben auch hoch dekorierte Universitätsprofessoren keine Antworten und müssen zugeben „Das weiß ich nicht.“ Aber das sagen sie sehr laut.





Unkommentiert (Folge 1)

24 10 2009




UN-Bericht zu Kinderpornographie

22 09 2009

Zu jedem Zeitpunkt seien im Internet etwa 750.000 Personen auf der Suche nach sexuellen Kontakten zu Kindern, so der aktuelle UN-Bericht zu Kinderpornographie. Darüber hinaus sind die Autoren der Studie zu folgenden Erkenntnissen gekommen: a) Die Zahl von kinderpornografischen Websites nimmt weltweit trotz aller Bemühungen von staatlicher oder privater Seite weiter zu. Die Zahl der Bilder, die schwere Misshandlungen von Kindern zeigen, habe sich zwischen 2003 und 2007 vervierfacht. b) Die Darstellungen werden zudem härter und die missbrauchten Kinder immer jünger. c) Da mit dem Internet eine leicht zu bedienende Technik zur Verfügung steht, um Bilder zu verbreiten, ist Kinderpornografie mittlerweile ein profitabler Geschäftszweig mit einem Umsatz zwischen 3 und 20 Milliarden Dollar. d) Die Zahl der minderjährigen Opfer wird auf 10.000 bis 100.000 geschätzt. Neue Risiken ergäben die zunehmend interaktiven Möglichkeiten des Internets. So habe das technische Zusammenwachsen von Handys und Internet erhebliche Folgen für die Sicherheit. Wichtig seien deshalb Hotlines oder virtuelle Warnknöpfe, mit denen man Vorfälle melden kann, aber auch Filter oder die Mitarbeit von Internetprovidern, Banken und Kreditkartenunternehmen, um den Handel mit Bildern zu unterbinden. Probleme gäbe es allerdings durch die unterschiedlichen juristischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Staaten. Die Sonderberichterstatterin Najat M’jid Maalla fordert daher eine weltweite Liste von kinderpornografischen Websites, die konstant aktualisiert wird und allen Staaten und Internetprovidern zur Blockierung zur Verfügung steht.





Von wegen absolute Freiheit

11 09 2009

Wer mich (persönlich) kennt, weiß, dass ich kein Problem damit habe, wenn Freiheiten eingeschränkt werden. Einfach deshalb, weil wahre Freiheit nichts damit zu tun hat, dass man alles darf. Mit dieser Einstellung gehöre ich wahrscheinlich zu einer kleinen Minderheit, aber das Gefühl, nicht blind dem Zeitgeist zu verfallen oder ferngesteuert dem Mainstream hinterherzujagen, ist zumindest manchmal gar nicht so schlecht. Während wir auf der einen Seite in einer Welt leben, in der alles erlaubt zu sein scheint und jede Einschränkung vehement bekämpft wird, zeigt sich andererseits, dass es ohne doch nicht geht. In Deutschland gibt es Zensurbestrebungen, die trotz Proteste nicht vollkommen abgewendet werden konnten; Rabid Neurosis, eine Gruppe, die 25.000 Musikalben illegal im Internet angeboten hat (zum Teil vor dem regulären Erscheinungstermin), wird nun als kriminelle Vereinigung vor Gericht gestellt; in der Schweiz wird Beamten der Facebook-Zugang gesperrt, weil die Arbeitsleistung durch die Social-Network-Site drastisch gesunken war.





Was darf ein Staat?

29 08 2009

Seit Tagen berichten Medien darüber, dass eine 13-jährige Schülerin aus den Niederlanden mit dem ernsthaften Gedanken spielt, alleine die Welt zu umsegeln. Laura Dekker will damit einen Rekord brechen und wenn es nach ihren Eltern geht, darf und soll sie das tun. Zwei Jahre würde die Weltumsegelung dauern. Staatliche Behörden sehen das aber anders und entzogen den Eltern kurzerhand für zwei Monate das Sorgerecht. Der Traum vom Rekord ist damit vorerst geplatzt. Vor gut zwei Monaten wurde bekannt, dass Eltern in Kanada ihre Tochter im nationalsozialistischen Glauben erzogen haben. Ihnen wurde das Sorgerecht entzogen, als das Mädchen mit aufgemaltem Hakenkreuz in der Schule erschien und behauptete, dass Schwarze getötet werden müssten. Die öffentliche Diskussion darüber war kontrovers und nicht wenige Juristen sahen im Entzug des Sorgerechts eine unrechtmäßige Handlung der Behörden. Was darf ein Staat? Und was darf er auf keinen Fall? Gibt es eine Grenze zwischen Weltumsegelung mit 13 und Nazisprüchen auf Armen und Beinen?