Warum man nicht essen soll, was man im Fernsehen sieht

2 04 2010




Fingierter TV-Bericht über Russlands Einmarsch in Georgien löst Panik aus

29 03 2010

Ist zwar schon zwei Wochen alt, sollte man aber trotzdem lesen: Fingierter TV-Bericht über Russlands Einmarsch in Georgien löst Panik aus





Mobbing 2.0

15 09 2009

In der Pro7-Sendung „Schlag den Raab“ trat ein Kandidat namens Hans-Martin gegen den Moderator an. Er wirkte auf die Mehrheit der Zuseher (nach allem, was darüber geschrieben wurde) sehr ehrgeizig, aber nicht besonders sympathisch. Er habe sich ständig selbst angefeuert und überheblich und oft auch irrational reagiert. Parallel zur Sendung entwickelte sich eine Art virtueller Pogrom gegen den Kandidaten. Geschützt durch die Anonymität im Internet, wurde er in Sozialen Netzwerken und anderen Web-2.0-Applikationen verspottet, gedemütigt und beschimpft. Auf Twitter gab es bald den Hashtag #Hassmartin, mit dem entsprechende Nachrichten gekennzeichnet wurden. Ein User hatte sich sogar den Twitter-Account @Hassmartin reservieren lassen; innerhalb kürzester Zeit verzeichnete er hunderte Follower. Außerdem kursierten über Twitter eine Menge unvorteilhafter Screenshots und Videoclips der gemobbten Person. Sogar im offiziellen Pro7-Forum ließen es die Webmaster zu, dass im Sekundentakt Hasstiraden gegen den Kandidaten gepostet werden konnten. Anderenorts war es kaum besser. Innerhalb von 40 Minuten hatte auf StudiVZ „Die große Anti-Hans-Martin Gruppe“ über 330 Mitglieder, wenig später waren es fast 700. Ein Online-Shop für T-Shirts verkauft „Deine Mudder heisst Hans-Martin“- und „I survived Hans-Martin“-Shirts. Der abartigen Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Schließlich hat er dann Stefan Raab knapp geschlagen und dafür 500.000 Euro Preisgeld erhalten. Dafür wurde er vom Publikum ausgebuht. Viele sind sich einig: Der große (Quoten-)Gewinner war Pro7. Wir erreichen langsam japanisches Niveau. „Namidame“ zum Beispiel: Kern der Show ist ein Wettbewerb, bei dem zehn junge Frauen darum kämpfen, wer am ausdauerndsten, heftigsten und tränenreichsten weint. Sie werden dazu für eine Woche in ein Haus gebracht, wo sie ihre Tränen in Messbechern sammeln sollen. Um den Tränenfluss anzuregen kommt es zu gegenseitigen persönlichen Beleidigungen oder sogar tätlichen Angriffen. Jede Woche scheidet eine Frau aus. Die Gewinnerin erhält einen Geldpreis. Inwieweit sollte sich Fernsehen nur daran orientieren, was das Publikum verlangt? Was macht man mit folgendem Argument: TV-Sender sollen Programme senden, die gesehen werden wollen. Trägt Ekel-TV dazu bei, dass Menschen abstumpfen? Oder sollte man es mit Nietzsche halten: Nur weil Menschen schon abgestumpft sind, hat Ekel-TV überhaupt eine Chance.





Zuviel Reality!

1 09 2009

Während der Aufnahmen für eine thailändische Fernsehshow ertrinkt ein Kandidat, der mit einem sieben Kilogramm schweren Rucksack über einen See schwimmen musste. Obwohl Mitarbeiter sofort ins Wasser sprangen, um dem 32-Jährigen zu helfen, konnte nur mehr die Leiche geborgen werden. Saad Khan war eigentlich bereits aus der Show ausgeschieden und wollte über eine Hintertür doch noch eine Runde weiterkommen. Er hinterlässt seine Frau und vier Kinder.





Lügengebiete im Fernsehen

31 08 2009

Charlotte Roche, bekannt für ihre Exkursionen zu den letzten Tabus der Gegenwart, zieht einen interessanten Lügner einem langweiligen Ehrlichen in ihrer Talkshow „3 nach 9“ auf alle Fälle vor. Mit anderen Worten: Wer lügt und so tut, als wäre das alles wahr, was er von sich gibt, darf ins Fernsehen, wer eine echte bewegende, interessante oder diskussionswürdige Geschichte zu erzählen hat, von denen es sicherlich genügend gibt, der ist langweilig und hat wenig bis keine Chancen. Was sagt das über das Fernsehen aus? Oder zumindest über Leute, die momentan obenauf schwimmen (und morgen vielleicht schon den Unterhaltungswert einer Hämorrhoide haben). Es erinnert mich ein wenig an jene Nachmittagstalkshows, für die anscheinend sogar für Geld niemanden mehr sein gefaktes verkorkstes Leben ausgebreitet hat und man dazu überging, einfach Fälle und Situationen zu erfinden. Für den Zuseher war und ist es ohnehin unerheblich. Ein langer Stromausfall, sagen wir, ein Jahr lang, würde da nichts ausmachen.





Ungewöhnliche Fernsehshow

13 07 2009

Der private türkische Fernsehkanal T hat eine neue Spielshow mit dem Titel „Wettstreit der Reuigen“ angekündigt, in der vier „Geistliche“ zehn Atheisten gegenüberstehen. Ein muslimischer Imam, ein orthodoxer Pope, ein jüdischer Rabbi und ein buddhistischer Mönch versuchen dabei, die zehn Atheisten von den Vorzügen ihrer jeweiligen Religion zu überzeugen. Die bekehrten Ungläubigen erhalten dafür eine Pilgerreise in das Zentrum der jeweiligen Religion geschenkt. Das wäre, je nach Religion, entweder Mekka, Jerusalem oder Tibet. Ungelöst ist aber noch das Problem, wie festgestellt wird, ob die Kandidaten tatsächlich ungläubig sind oder es nicht einfach um Gläubige handelt, die auf diese Weise zu einer Reise kommen wollen.





Gedanken zu mündigen Fernsehern

30 06 2009

„Der mündige Bürger soll selbstverständlich selbst entscheiden, welche Fernsehsendungen er ein- oder ausschaltet, aber man soll ihm diese Entscheidung erleichtern, indem man einige Sendungen nicht herstellt, die er dann abschalten könnte.“ – Dieter Hildebrandt