Was Akinator alles kann und was das für die Zukunft bedeutet

15 03 2010

Ein kleiner Hinweis in einer Zeitschrift hat mich zum Programm Akinator gebracht. Der neueste Hype, der süchtig machen soll. Auch für SmartPhones gibt es die Applikation. Wie läuft Akinator? Man denkt an eine Person, beantwortet ein paar Fragen und das Programm errät, an wen man gedacht hat. Ich habe es gerade ausprobiert und das Programm hat meine Gedanken erraten. Erstaunt hat mich nicht, DASS es funktioniert, sondern WIE WENIG Fragen gestellt wurden und WIE ALLGEMEIN gehalten sie waren. Retrakon wäre nicht Retrakon, wenn hier nicht ein wenig Skepsis angebracht würde, vor allem wenn man weiß, dass das Programm auch private Datenbanken und Soziale Netzwerke durchforstet. Wie lange wird es dauern bis Fragen und Antworten in einer Datenfusion für kommerzielle Zwecke missbraucht werden?

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Mensch aus Glas oder Wie Informationen zum Kapital der Zukunft werden

9 03 2010

Vor ein paar Tagen habe ich das Buch „Auf der Suche nach Hitlers Sohn“ des belgischen Journalisten Jean-Paul Mulders gelesen. Es geht darin um seine (nicht immer ganz legale) Jagd nach DNA-Proben von entfernten Verwandten, um eine These, die Historiker (auch ernstzunehmende) seit den 70er Jahren beschäftigt, zu überprüfen. Der Franzose Jean-Marie Loret behauptete, ein leiblicher Sohn des Nazidiktators zu sein. Sein Mutter hatte ihm dies auf dem Sterbebett gebeichtet. Mulders, der die in den USA lebenden Großneffen Adolf Hitlers ausfindig gemacht hat, so schreibt er in seinem Buch, hatte dazu einen Daten-Service genutzt, der gegen Bezahlung (fast) jede Information auftreibt. In diesem Falle waren dies geänderter Nachname und Wohnort der Hitler-Verwandten. Solche Dienste haben zum Teil auch Zugriff auf das Strafregister und weitere ähnlich heikle Datenquellen. Zugriffe dieser Art sind erwartungsgemäß illegal. Trotzdem wird damit Geld gemacht – und dies ist erst der Anfang. In der Studie „Risiken von IKT-Implantaten“ (Kurztitel) von Sascha Theißen heißt es dazu: „Die Daten, die Identitätsdiebe verwenden, stammen aus den verschiedensten Quellen; im Fall von Seisint […] beispielsweise aus gehackten elektronischen Datenbanken, aus welchen während 59 unerlaubten Zugriffen die personenbezogenen Daten einschließlich Vermerken über Verhaftungen, Strafregister, Grundbuchauszüge, Fotos, Heirats- und Scheidungsvermerke sowie Jagd- und Fischereierlaubnisse von insgesamt 310.000 US-Bürgern entwendet wurden.“ (S. 142) Eigenmächtig Daten und Datenspuren im Netz zu hinterlassen ist eine Sache, aber wie steht es mit den Informationen über uns, über die wir keine Kontrolle haben? Existiert Privates überhaupt nicht mehr? Besteht der legale Datenschutz der Zukunft vielleicht nur mehr darin, bestimmen zu können, wer worauf Zugriff hat und nicht mehr?





Facebook sammelt Daten über Nicht-Mitglieder

5 02 2010

Facebook sammelt mit Hilfe seiner Nutzer auch über Nicht-Mitglieder Daten. Ein paar Beispiele:
1) Die Facebook-Applikation für das iPhone bietet bei der Einrichtung an, alle im Handy verfügbaren Kontakte an Facebook zu übertragen.
2) Bei der Einrichtung eines neuen Accounts bietet Facebook an, das eigene E-Mail-Konto zu durchsuchen, um Freunde auf Facebook zu finden. Gibt man die E-Mail-Adresse sowie das Passwort seines Mail-Accounts an, wird die eigene Mailbox durchforstet.
3) Verbindungen werden auch dann hergestellt, wenn ein Mitglied nach dem Namen eines Nicht-Mitglieds sucht oder wenn beide etwas gemeinsam haben, zum Beispiel Wohnort, Schule oder Arbeitgeber.
Facebook-Nutzer müssen sich bisher selbst um die Pflege der von ihnen hochgeladenen Daten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis kümmern. Man kann sie zwar löschen, aber dies geschieht auf einer gut versteckten Seite.





Achtung Farmville!

1 02 2010

Innerhalb weniger Monate hat es das Spiel „Farmville“ im Online-Netzwerk Facebook auf knapp 75 Millionen Spieler gebracht. Virtuelle Bauern aus allen Teilen der Welt beackern seit Juni 2009 ihr kleines Stück Internet-Land. Verbraucherschützer warnen nun vor der Datensammelwut des Anbieters, einige Spieler berichten sogar von unerlaubten Konto-Abbuchungen. Dabei ist Farmville nur ein Spiel unter vielen: Fishville, Petville und Mafia Wars stammen ebenfalls aus dem Hause Zynga. Zynga macht mit den virtuellen Welten reales Geld. Bei dem schon genannten Farmville zum Beispiel kann man zwar zunächst kostenlos mit Fleiß „Erfahrungspunkte“ sammeln und virtuelles Geld verdienen, um sich Saatgut und Tiere kaufen zu können. Dafür muss der Farmer – wie im richtigen Leben – regelmäßig nach seinen Pflanzen sehen, damit sie nicht eingehen. Will man aber ein Haus, auch in der virtuellen Welt ist dies natürlich ein Statussymbol, so kommt man mit echtem Geld viel schneller ans Ziel. Dafür braucht man ein PayPal-Konto oder eine Kreditkarte. Kritiker warnen aber davor, denn die Geschäftspraktiken und die Auffasssung von Datenschutz von Zynga und seinen Partnern sind oft mehr als dubios. In den USA wurde bereits eine Sammelklage eingereicht.





Gedanken rund um den Tod

19 08 2009

Mein ehemaliger Schüler Florian P. ist gestern infolge eines tragischen Bergunfalls verstorben. Obwohl das Lehrer-Schüler-Verhältnis vor einigen Jahren nicht immer spannungsfrei war, waren wir schon lange Facebook-Freunde. Auch wenn es zunächst pietätlos scheint, sind mir nach den üblichen Fragen – Wieso gerade er? Warum musste ein 19-Jähriger sterben? Hätte das Unglück vermieden werden können? – auch andere in den Kopf gekommen: Was passiert mit Internet-Accounts von Verstorbenen? Niemand kennt ihre Passwörter. Von einigen Diensten ist mir bekannt, dass nach Monaten oder Jahren ohne Einloggen der Account automatisch gelöscht wird. Aber gilt das für alle Gratisangebote? Schon vor Wochen wurde bekannt, dass die meisten Twitter-Accounts nicht genutzt werden. Gelöscht werden sie trotzdem nicht. Jeder registrierte Nutzer scheint in den Statistiken auf. Und diese möchte man doch nicht nach unten korrigieren. Was passiert mit den Informationen, Fotos etc., die Menschen auf Facebook veröffentlichen und keine Möglichkeit mehr haben, diese zu verändern oder zu löschen? Ganz einfach, weil sie nicht mehr leben. Welche anderen Personen haben oder hätten das Recht, die Lösung einzufordern? Wie müsste das rechtlich gehandhabt werden? Oder sollte überhaupt nichts gelöscht werden? Unsterblichkeit im Internet? Über digitale Nachlassverwaltung wurde hier schon berichtet. Ein neues Feld öffnet sich; mit vielen ethischen Fragen. Und leider auch ein neuer Markt. Lassen wir das. Florian, wo immer du bist, es möge dir besser ergehen.





Googles Urheberrechtsverstöße

8 05 2009

Brigitte Zypries, deutsche Bundesjustizministerin, nennt Google bei der Eröffnung einer internationalen Konferenz zur Zukunft des Urheberrechts in Berlin eine der großen Gefahren für das Urheberrecht im Internetzeitalter. Sie warf den Betreibern der Suchmaschine vor, mit Google Books Bücher ohne Einwilligung der Rechteinhaber im großen Stil einzuscannen und online zu stellen. Eine etwaige Verhandlung über Vergütung erfolgt erst im Nachhinein. Im Printbereich gebe es deshalb in Bezug auf ein starkes Urheberrecht großen Nachholbedarf. Ebenso wirft sie die Frage auf, ob dazu nicht eine stärkere Regulierung des Netzes erforderlich sei. Die Politik habe sich in den nächsten Jahren der Frage zu stellen, welche Konsequenzen aus der geplanten Sperre pädophiler Seiten folgen. Zurückhaltend äußerte sich Zypries dagegen zu der von den Grünen entfachten Debatte über die Einführung einer Kultur-Flatrate, die eine pauschale Vergütung für die private Vervielfältigung vorsieht.





Datenschutz erlaubt Google Street View

24 04 2009

Der britische Datenschutz erlaubt Google Street View. Der Beauftragte David Evans sieht darin keinen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz. Die Veröffentlichung von Panorama-Aufnahmen von Straßenzügen würde die Privatsphäre nicht verletzten, solange Gesichter auf Wunsch der Fotografierten unkenntlich gemacht werden. Ursprünglich sollte das im März gestartete Programm wieder eingestellt werden. Allerdings sieht Evans eine geringe Gefahr für die Privatsphäre und eine entsprechende Beschwerde wurde daher abgelehnt. Anderenorts ist die rechtliche Lage noch weitgehend ungeklärt. In Deutschland zum Beispiel sind die Aufnahmen in Berlin, München und Frankfurt bereits abgeschlossen.