Bücher im „Gesichtsbuch“

29 01 2010

Es gibt in letzter Zeit verschiedene Aktionen innerhalb von Facebook, bei denen es darum geht, etwas Bestimmtes als Statusmeldung zu veröffentlichen. Einmal war es die Farbe des BHs, dann wieder durch einen Ländernamen codierte Beziehungsumstände. Vor ein paar Tagen bin ich das erste Mal auf folgende Aufforderung gestoßen: „Regeln des Spiels: Schnapp dir das nächstliegende Buch. Jetzt. Schlag Seite 56 auf. Suche den 5. Satz. Veröffentliche den Satz als „Was machst du gerade?“ & schreibe die Regeln als Kommentar dazu.“ So etwas gefällt mir. Ich persönlich konnte diesem Wunsch noch nicht nachkommen, weil a) meine Bücher in meiner umfangreichen Bibliothek alle gleich weit entfernt zu sein scheinen und gerade liegt keines herum und b) Ich nicht weiß, was ich machen soll, wenn die Seite mit einem angebrochenen Satz beginnt. Zählt dieser schon als Nr. 1 oder nicht. Ja, ja, das sind Probleme. Nun, wer mich kennt, weiß dass ich Bücher liebe und gerne darüber rede und schreibe. Interessant finde ich deshalb einzelne Kommentare, die es bereits zu Postings anderer Facebook-User gab. Zum Beispiel: a) „Meine Bücher haben hauptsächlich nur Bilder, und kaum 56 Seiten …„, b) „Internet hot koane Seiten“ und c) „Geat Mikimaus lei bis 50?

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Allianz gegen Google Books

27 08 2009

Mehrere US-amerikanische Firmen und Organisationen haben die Open Book Alliance gegründet und sind damit an die Öffentlichkeit gegangen. Sie wollen gemeinsam gegen Vereinbarungen zwischen Google und amerikanischen Autorenverbänden bezüglich Googles Service „Book Search“ vorgehen. Zur Allianz gehören unter anderem Googles Erzrivalen Microsoft und Yahoo und Amazon. Angeführt wird die Interessensgemeinschaft von Peter Brantley von Archive.Org sowie von Gary L. Reback, einem Anwalt und Kartellexperten. Die massenhafte Digitalisierung von Büchern schaffe Verbrauchern, Bibliotheken, Lehrenden und Schülern enorme Werte, heißt es in einer Aussendung. Die Allianz will dafür sorgen, dass dies auf offenen Wegen geschieht. In der Vereinbarung zwischen Google und der Association of American Publishers und der Authors’ Guild orten sie einen Versuch der Monopolisierung des Zugriffs, des Vertriebs und der Preisgestaltung bei der größten digitalen Büchersammlung der Welt.





Frankreich vs. Google

20 08 2009

„Es geht um Geld, Geist, Zeit und Macht. Den Widerstand gegen die Digitalisierung der Bibliotheken dieser Welt durch Google und den Kampf gegen die Raubkopierer im Internet führt Frankreich auch im Namen des transatlantischen Kulturkriegs. Als Résistance gegen die Coca-Kolonialisierung der Köpfe. Als Verteidigung der Autorenrechte, als deren Heimat und Anwalt sich Frankreich nicht zu Unrecht fühlt. Denn sein Kampf, den man als ideologische Abwehrschlacht von ewiggestrigen Hinterwäldern belächelte, ist auch ein Engagement für die kulturelle Vielfalt.“ – Jürg Altwegg





Googles Urheberrechtsverstöße

8 05 2009

Brigitte Zypries, deutsche Bundesjustizministerin, nennt Google bei der Eröffnung einer internationalen Konferenz zur Zukunft des Urheberrechts in Berlin eine der großen Gefahren für das Urheberrecht im Internetzeitalter. Sie warf den Betreibern der Suchmaschine vor, mit Google Books Bücher ohne Einwilligung der Rechteinhaber im großen Stil einzuscannen und online zu stellen. Eine etwaige Verhandlung über Vergütung erfolgt erst im Nachhinein. Im Printbereich gebe es deshalb in Bezug auf ein starkes Urheberrecht großen Nachholbedarf. Ebenso wirft sie die Frage auf, ob dazu nicht eine stärkere Regulierung des Netzes erforderlich sei. Die Politik habe sich in den nächsten Jahren der Frage zu stellen, welche Konsequenzen aus der geplanten Sperre pädophiler Seiten folgen. Zurückhaltend äußerte sich Zypries dagegen zu der von den Grünen entfachten Debatte über die Einführung einer Kultur-Flatrate, die eine pauschale Vergütung für die private Vervielfältigung vorsieht.





EU stürzt Buchpreisbindung

2 05 2009

In Österreich galt bisher die Buchpreisbindung. Das bedeutet, dass die Preise von den Verlagen festgesetzt werden und der Handel die Bücher im Normalfall nur zu diesem Preis verkaufen darf. Die Handelskette Libro hat deshalb Klage eingereicht. Der Europäische Gerichtshof hat nun festgestellt, dass diese Praxis gegen bestehendes EU-Recht verstößt. Begründet wurde das Urteil damit, dass die Preisbindung dem freien Warenverkehr widersprechen würde. Dass damit dem Fachhandel das Wasser abgegraben wird, sprich, die Kunden genommen werden, kümmert die europäischen Gesetzgeber kaum. Wie soll eine kleine Buchhandlung überleben, wenn große Ketten dieselben Bücher um einiges billiger auf den Markt werfen kann? Natürlich werden diese kaum Spezialliteratur führen, die auch weiterhin im Fachhandel gekauft wird, doch lässt sich damit nicht überleben. Auch der Fachhandel ist auf Bestseller und kommerzielle Literatur angewiesen, aber gerade diese wird von den großen Ketten wesentlich billiger verkauft werden. Es ist auch davon auszugehen, dass dadurch Trivialliteratur nicht nur billiger, sondern auch noch mehr verkauft wird. Wer kauft sich vielleicht einmal einen teuren Pessoa, wenn es Brown zum Spottpreis gibt? Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist kulturgeschichtlich und abseits von rein wirtschaftlichen Gründen nicht nachvollziehbar.





Information und Ignoranz

22 04 2009

»Und wie die ersten Hieroglyphen, Keilschriftzeichen, Runen und Alphabetbuchstaben eine mineralische Grundlage hatten, so hat es auch heute das aktuellste Gedächtnis, das der Computer, dessen Rohstoff ja Silizium ist. Dank der Computer verfügen wir heute über ein immenses gesellschaftliches Gedächtnis; es genügt, die Modalitäten des Zugangs zu den Datenbanken zu kennen, und wir können zu jedem beliebigen Thema alles erfahren, was es darüber zu wissen gibt, zu einer einzigen Fragestellung eine Bibliographie von zehntausend Titeln. Aber es gibt kein größeres Schweigen als den absoluten Lärm, und das Übermaß an Information kann zu absoluter Ignoranz führen.«
aus: „Die Kunst des Bücherliebens“ (Umberto Eco), Seite 12