Bücher im „Gesichtsbuch“

29 01 2010

Es gibt in letzter Zeit verschiedene Aktionen innerhalb von Facebook, bei denen es darum geht, etwas Bestimmtes als Statusmeldung zu veröffentlichen. Einmal war es die Farbe des BHs, dann wieder durch einen Ländernamen codierte Beziehungsumstände. Vor ein paar Tagen bin ich das erste Mal auf folgende Aufforderung gestoßen: „Regeln des Spiels: Schnapp dir das nächstliegende Buch. Jetzt. Schlag Seite 56 auf. Suche den 5. Satz. Veröffentliche den Satz als „Was machst du gerade?“ & schreibe die Regeln als Kommentar dazu.“ So etwas gefällt mir. Ich persönlich konnte diesem Wunsch noch nicht nachkommen, weil a) meine Bücher in meiner umfangreichen Bibliothek alle gleich weit entfernt zu sein scheinen und gerade liegt keines herum und b) Ich nicht weiß, was ich machen soll, wenn die Seite mit einem angebrochenen Satz beginnt. Zählt dieser schon als Nr. 1 oder nicht. Ja, ja, das sind Probleme. Nun, wer mich kennt, weiß dass ich Bücher liebe und gerne darüber rede und schreibe. Interessant finde ich deshalb einzelne Kommentare, die es bereits zu Postings anderer Facebook-User gab. Zum Beispiel: a) „Meine Bücher haben hauptsächlich nur Bilder, und kaum 56 Seiten …„, b) „Internet hot koane Seiten“ und c) „Geat Mikimaus lei bis 50?





Wiso mir die Naktskanner auf die NErfn gehn

23 01 2010

Die Nacktscanner, besser gesagt die Körperscanner, gehen mir überhaupt nicht auf die Nerven. Ich finde es wichtig, dass das Thema öffentlich diskutiert wird, prallen hier doch zwei Welten aufeinander; für die einen steht der Schutz der Privatsphäre im Vordergrund, für die anderen die Sicherheit. Spannende Argumente sind vorprogrammiert. Darum geht es mir heute nicht. Es geht vielmehr um Rechtschreibung. Ein Kommentator dieser Seite hat einen inhaltlich akzeptablen, aber orthographisch recht fehlerhaften Kommentar geschrieben. Freundlich darauf hingewiesen gab er seine Schwäche ohne Ausflüchte zu und konterte mit einem Zeitungsartikel aus der „Neuen Luzerner Zeitung“, in dem von zwei Experten die Rede ist, die der Orthographie in der heutigen Zeit nur eine geringe Bedeutung zumessen. Das Thema interessiert mich seit Jahren. Tenor der O-Gegner, nennen wir sie so, ist meist: Es kommt auf den Inhalt an, nicht auf die Form. Das Argument wird meistens unreflektiert stehengelassen. Wenn es immer nur auf den Inhalt ankommen würde und die Form vollkommen egal wäre, dann würden die meisten wohl einen Teller Sch**** essen, wenn sie schmeckt wie ein leckeres Steak. Aber genau das bezweifle ich. Oder auch die beste, tiefgründigste, emotionalste Musik hören wir lieber in guter Audioqualität als verzerrrt mit Störgeräuschen. Es ließen sich noch zahlreiche Beispiele anführen. Auf der anderen Seite schätzen wir auch die reine Form nicht. Denken wir – um bei dem Genannten zu bleiben – an ein wunderbar hergerichtetes und präsentiertes Menü, das dann schmeckt wie die Sternchen oben. Oder man zwingt mich „Bamboleo“ oder „Wind Of Change“ anzuhören, dann verbessert sich meine Lage nicht, wenn ich eine 24bit-Audio-DVD auf einer 5.1-Anlage höre. Was ich damit sagen möchte, ist, dass Inhalt und Form Hand in Hand gehen müssen. Das gilt auch für die Rechtschreibung. Es mag richtig sein, dass der große Goethe gesagt hat, über Geschmack und Rechtschreibung ließe sich streiten, aber die Vorteile verschiedener Normen sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn es hierbei allzu große Freiheit gibt, dann leidet schließlich auch der Inhalt. Dass es doch viele Fürsprecher einer „freien“ Rechtschreibung gibt, liegt m.E. an zweierlei Gründen: a) All diejenigen, die selbst mit der Orthographie zu kämpfen haben, rechtfertigen dadurch ihre Lage; b) Als Experte kann man sich wahrscheinlich nur mit einer neuen, anderen Sicht der Dinge profilieren. Auch keine Neuigkeit. Die Frage gipfelt letzten Endes im Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung. Der gebildete Mensch, im Vergleich zum bloß ausgebildeten, steht eben doch eine Stufe höher. Aber dieses humanistische Gedankengut ist natürlich vollkommen anachropnistosch. Der vorige Satz wäre verständlicher, wenn ich das letzte Wort korrekt geschrieben hätte. Aber wer Google und Word hat, braucht ja nicht mehr selbst zu denken.





Was stimmt hier nicht? (Folge 1)

4 12 2009

Wenn man sich die Entwicklung des Schul- und Bildungswesen der letzten Jahre ansieht, dann stellt man fest, dass im Primar- und Sekundarbereich, also bis zur Matura/zum Abitur, immer mehr Wahl- und Wahlpflichtfächer angeboten werden. Damit soll den Schülern das eigenständige, nach persönlichen Bedürfnissen und nach persönlichen Fähigkeiten orientierte Entscheiden näher gebracht werden. Ob ein 12-jähriger Schüler aber tatsächlich in der Lage ist, abzuschätzen, welche Fächer und Inhalte für sein späteres Leben Bedeutung haben werden, sollte noch diskutiert werden. Auf der anderen Seite beklagen immer mehr Studenten und Professoren die Verschulung der Universitäten. In diesem Bereich geht man also genau den umgekehrten Weg. Aber gerade hier sollte sich neben der Freiheit der Lehre auch die Freiheit des Lernens entfalten dürfen. Ich finde es wichtig, dass junge Menschen bis zur Reifeprüfung eine möglichst breite Allgemeinbildung erhalten, über die sie nicht selbst entscheiden dürfen (oder nur in sehr eingeschränktem Maße). Dafür sollten aber danach die Bildungsinhalte nur in Grundzügen, nicht aber im Detail vorgegeben werden. Zuerst muss man sich eine Basis aneignen, danach kommt das eigenständige Forschen.





Ein wenig mehr Idealismus und ein bisschen weniger Prostitution

28 10 2009

Wer die Berichterstattung rund um die 1. Südtiroler Volksabstimmung verfolgt hat, dem wird die Diskussion über die hohen Aufwandsentschädigungen für Auslandssüdtiroler nicht entgangen sein. Es ist schon ein verqueres System, im dem staatsbürgerliche Selbstverständlichkeiten eigenes honoriert werden müssen. Natürlich ist es verständlich, dass zum Beispiel eine Anreise von 1000 km für ein Referendum, bei dem von vornherein nicht klar war, ob das nötige Quorum überhaupt erreicht wird, nicht von allen auf sich genommen wird. In diesem Fall sind Vorwürfe unangebracht. Wenn aber der ausländische Heimatort oft nur wenige Kilometer hinter der Grenze liegt und ganze Familien, oft ohne genau zu wissen, worüber abgestimmt wird, die Fahrtkostenrückerstattung in Anspruch nehmen, dann ist die Liebe zur Demokratie und ihren Prinzipien kaum mehr wert als das Liebesgesäusel einer Prostituierten. „prostituere“ heißt im Lateinischen auch „preisgeben“. Eine aufgeklärte, staatsbürgerlich vernünftige Haltung wird hier mit Sicherheit der Lächerlichkeit preisgegeben. Doch die Praxis, sich Selbstverständlichkeiten zu erkaufen, liegt im Trend. Wenn französische Schüler für einen regelmäßigen Schulbesuch finanziell belohnt werden (statt dass Schwänzer belangt werden) oder anderenorts Schüler für jede Anstrengung mit Reisen geködert werden, dann wird jede idealistische Gesinnung untergraben oder ausgelöscht.





Die verlorene Kindheit oder Die spinnen, die Briten

27 10 2009

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Das ist in Ordnung. Wer nichts leistet, gehört nicht dazu. Darüber kann und soll man diskutieren. Wenn ich aber lese, dass in Großbritannien bereits Siebenjährige ihre Karriere planen sollen, dann mutiere ich unfreiwillig zum Hippie. Und mit Hippies hatte ich nie etwas am Hut, noch wollte ich, dass es so war. Das ganze erinnert mich ein wenig an Neil Postmans 1987 erschienene Buch „Das Verschwinden der Kindheit“. Wenn Kinder nicht mehr Kinder sein dürfen, wenn sie den ganzen Druck, der auf Erwachsene lastet, schon im Grundschulalter spüren, dann läuft etwas falsch. Und vielleicht ist das auch ein Grund, wieso sich andererseits heute immer mehr Erwachsene weigern, erwachsen zu werden. Ein schönes Paradoxon. Dem britischen Bildungsminister Ed Balls sage ich nur eines: Che balle!





Alles umdrehen?

6 10 2009

Die Seite DNews hat vor wenigen Stunden eine Meldung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass man in Frankreich das immer größer werdende Problem der Schulschwänzer dadurch zu lösen versucht, indem man Schüler, die NICHT schwänzen, mit Bargeld, Fußballtickets oder Führerscheinprämien belohnt. Ich finde diesen Weg falsch. Es geht nicht darum, dass es schlecht wäre, Menschen für Leistungen zu belohnen, ganz im Gegenteil, das sollte sogar so sein und spornt an. Ich finde es aber bedenklich, dass hier nicht Leistungen sondern Selbstverständlichkeiten eigens belohnt werden. Auch wenn einige Schulen die Belohnung nicht an einzelne Schüler, sondern an die ganze Klasse am Ende des Schuljahres vergibt, scheinen mir 10.000 Euro dafür, dass jemand ein kostenloses Bildungsangebot „unfreiwillig“ (d. h. nur unter der Voraussetzung, dafür bezahlt zu werden) annimmt, vollkommen unangemessen. Ich formuliere es abschließend hart und vielleicht implizit derb: Eine solche Methode vermittelt jungen Menschen das Gefühl, dass alles nur wegen des finanziellen Profits gemacht werden soll. Und das erinnert mich an das älteste Gewerbe. So, jetzt dürft ihr auf mich einhacken.





Nomen est omen

18 09 2009

Julia Kube ist 24 Jahre alt und hat gerade ihr Master-Arbeit abgeschlossen. Es ging darum, inwieweit ein Vorname Vorurteile bei Grundschullehrern auslöst. Unter anderem wurden folgende Fragen gestellt: Welche Vornamen würden Sie Ihrem Kind auf keinen Fall geben? Nennen Sie Namen, die bei Ihnen Assoziationen zu Verhaltensauffälligkeit hervorrufen! Außerdem ließ Kube die Lehrer vorgegebene Namen bewerten. Überraschende Erkenntnis: 94 Prozent (der 2000 untersuchten) Grundschullehrer gingen unreflektiert mit ihren Vorurteilen um. Namen, die ein positives Bild hervorrufen sind Alexander, Maximilian, Simon, Lukas, Jakob, Charlotte, Nele, Marie, Emma und Katharina. Auffällig schlecht bewerten die Lehrer dagegen die Namen Chantal, Angelina, Justin, Dennis, Marvin, Mandy und Jaquelin. Eine befragte Lehrerin kommentierte ihre Wertung sogar mit „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.“