Ein wenig mehr Idealismus und ein bisschen weniger Prostitution

28 10 2009

Wer die Berichterstattung rund um die 1. Südtiroler Volksabstimmung verfolgt hat, dem wird die Diskussion über die hohen Aufwandsentschädigungen für Auslandssüdtiroler nicht entgangen sein. Es ist schon ein verqueres System, im dem staatsbürgerliche Selbstverständlichkeiten eigenes honoriert werden müssen. Natürlich ist es verständlich, dass zum Beispiel eine Anreise von 1000 km für ein Referendum, bei dem von vornherein nicht klar war, ob das nötige Quorum überhaupt erreicht wird, nicht von allen auf sich genommen wird. In diesem Fall sind Vorwürfe unangebracht. Wenn aber der ausländische Heimatort oft nur wenige Kilometer hinter der Grenze liegt und ganze Familien, oft ohne genau zu wissen, worüber abgestimmt wird, die Fahrtkostenrückerstattung in Anspruch nehmen, dann ist die Liebe zur Demokratie und ihren Prinzipien kaum mehr wert als das Liebesgesäusel einer Prostituierten. „prostituere“ heißt im Lateinischen auch „preisgeben“. Eine aufgeklärte, staatsbürgerlich vernünftige Haltung wird hier mit Sicherheit der Lächerlichkeit preisgegeben. Doch die Praxis, sich Selbstverständlichkeiten zu erkaufen, liegt im Trend. Wenn französische Schüler für einen regelmäßigen Schulbesuch finanziell belohnt werden (statt dass Schwänzer belangt werden) oder anderenorts Schüler für jede Anstrengung mit Reisen geködert werden, dann wird jede idealistische Gesinnung untergraben oder ausgelöscht.

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Dasselbe ist dasselbe ist dasselbe

12 10 2009

So, heute der Abschluss der Oberflächen-Trilogie. Dieses Mal kombiniert mit ein wenig Aufklärungsgedanken. Wie die BBC in einer Dokumentation rund um den Hypnotiseur David Knight aufgedeckt hat, ist es in Großbritannien leicht, sich ohne Fach- oder spezielles Vorwissen als Hypnotiseur registrieren zu lassen. Was hat dies nun mit Oberflächen zu tun? David Knight, der sich auch „The Persuader Mind“ nennt, hypnotisiert Frauen, damit deren Brüste größer werden und spricht selbst von einer 85-prozentigen Erfolgsquote. Zudem hat er eine CD herausgebracht, auf der er der Damenwelt gut zuspricht: „Ihre Brüste wachsen … sie werden jetzt immer größer.“ Muss ich erwähnen, dass der Mann Publikum und Kundschaft hat?





Alien in Mexiko in Tierfalle getappt

25 08 2009

AlienKein Thema beschäftigt die Boulevard-Presse zur Zeit mehr als der angebliche Fund außerirdischen Lebens in Mexiko – allen voran die Zeitung mit den vielen Bildern, die deshalb auch so heißt (in diesem speziellen Fall sogar mit bewegten Bildern). Das Alien-Baby sei von einem Bauer im Mai 2007 in einer Tierfalle gefunden und dann aus Angst ertränkt worden. Genau dieser Bauer fand dann durch ein Feuer, das so heiß war, dass es nur von Außerirdischen stammen konnte, plötzlich den Tod. Seine Witwe zögerte mehr als ein Jahr und wandte sich dann an die Öffentlichkeit. Für die einen ist es ein gehäuteter Affe, für die anderen eine Kreuzung zwischen einem Mensch und einer Echse, für wieder einen anderen ein extraterrestrisches Haustier, das mal Pippi musste. Schön ist auch der folgende Kommentar: „Warum rennen Aliens eigentlich immer nur nackt in der Gegend herum? Haben Besucher von fremden Planeten denn nicht wenigstens eine Unterhose an?“ Ich verstehe, dass die Frage, ob wir allein im Universum sind, eine sehr spannende ist und es wird die Menschheit so lange beschäftigen bis wir eine eindeutige Antwort darauf bekommen. Rein statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir allein sind, ohnehin winzig klein (und trotzdem ist dies kein Grund anzunehmen, dass es noch anderes Leben gibt, das dazu noch intelligenter sein muss). Aber ob es jemals zu einem Kontakt kommen kann und wird, ist eher fraglich. Was mich an den immer wieder auftauchenden Meldungen von Funden und Sichtungen stutzig macht, ist dass die Außerirdischen dort immer wie aus Hollywood-Filmen aussehen. Eben wie man sich Aliens vorstellt. Stellen wir uns vor, das extraterrestrische Wesen würde aussehen wie auf dem Bild oben – wer würde ernsthaft glauben, dass irgendeine Zeitung oder irgendein Fernsehsender darüber berichten würde. Aber seltsam sieht es schon aus, das Objekt oben.





Studien über Studien – Eine Studie?

20 07 2009

Handystrahlen lösen Krebs aus. Handystrahlen sind vollkommen unschädlich. Gewalt-Videospiele lassen die Spieler verrohen. Gewalt-Videospiele haben keine negative Wirkung auf die Spieler. Die heutige Jugend säuft bis zum Unfallen. Die heutige Jugend trinkt viel weniger als frühere Generationen. Kleinkinder sollen auf dem Bauch schlafen. Kleinkinder sollen auf keinen Fall auf dem Bauch schlafen. Filesharing-Programme lassen die Kinobesucherzahlen sinken. Filesharing-Programme haben keinen Einfluss auf die Kinobesuche. Die Britannica ist besser als die Wikipedia. Die Wikipedia ist besser als die Britannica. Diese Liste lässt sich unendlich lange fortsetzen. Gemeinsam ist allen Aussagen, dass es wissenschaftliche Studien gibt, mit denen sie gestützt und belegt, ja, mit denen sie plausibel präsentiert werden können. Welchen Wert haben Studien eigentlich, wenn sich ohnehin für jede These eine Studie finden lässt? Und ich rede nicht einmal davon, dass manche Studien ganz gezielt von Firmen in Auftrag gegeben werden, Studien, bei denen schon von vornherein feststeht, was am Ende das Fazit ist. Müsste ich zwischen zwei Studien, deren Ergebnisse sich gegenseitig ausschließen, wählen, dann würde ich mir anschauen, welche Methoden angewandt wurden, wer hinter den Studien steckt etc. Aber wer macht das schon? Oft ist es auch kaum möglich. Und dabei braucht man nur eine Studie zu erwähnen, ein paar Zahlen hinterher werfen und schon glaubt es jeder. Ich habe es selbst ausprobiert. Vor insgesamt über hundert Schülern. Eine Studie des ASTAT hätte ergeben, dass Menschen, die orange Kleidungsstücke tragen, eine bestimmte Partei wählen würden. Kein einziger hat die Aussage in Frage gestellt. Ich gebe zu, im wissenschaftlichen Kontext wird so etwas um ein Vielfaches schwieriger. Aber um eine Stimmung in der Bevölkerung zu erzeugen, braucht es keine Wissenschaftler.





Gedanken zu mündigen Fernsehern

30 06 2009

„Der mündige Bürger soll selbstverständlich selbst entscheiden, welche Fernsehsendungen er ein- oder ausschaltet, aber man soll ihm diese Entscheidung erleichtern, indem man einige Sendungen nicht herstellt, die er dann abschalten könnte.“ – Dieter Hildebrandt