Malcolm McLaren ist tot – Ein persönlicher Nachruf

11 04 2010

Es war mein erstes Studienjahr. In einem Second-Hand-Shop für Musikalien, in dem es alles gab, nur nicht System und Ordnung, habe ich zufällig eine folgenreiche Entdeckung gemacht. Ich erinnere mich genau. Unter den Tischen konnte man sich durch Kisten voller Schallplatten wühlen, auf den Ablageflächen waren die CDs verstaut. Hier hatte ich plötzlich „Waltz Darling“ von Malcolm McLaren in den Händen. Ich hatte den Namen bereits gehört, aber als legendärer Manager der Punk-Band „Sex Pistols“ ging er spurlos an mir vorüber. Mein Interesse galt weder Punk noch Pistolen und die 70er waren doch schon lange vorbei. „Waltz Darling“ wurde zu einem meiner Lieblingsalben und ist es bis heute. Als ich es das erste Mal gehört habe, trauerte ich um jeden Tag vorher, an dem ich es nicht genießen konnte. Klingt sehr pathetisch nach all den Jahren. „Waltz Darling“ mischt Pop mit House und unterlegt alles mit gesampelten Wiener Walzern. Schon allein die Tatsache, dass man den 3/4-Walzertakt in ein 4/4-Popgerüst quetscht, war faszinierend. Es war der Beginn einer anhaltenden musikalischen Freundschaft. Schon lange besitze ich alle von ihm veröffentlichten Alben, sechs an der Zahl, und er McLaren wird wohl einer der wenigen sein, der Afro, Rap, Pop, House, Jazz, Klassik und einiges mehr in sich vereint. Er hatte ein lockeres Verhältnis zum Urheberrecht und deshalb passt der Nachruf auf Retrakon. Aber im Angehör seiner Ergebnisse mag man das verzeihen. Das letzte reguläre Album erschien 1994, „Paris“, eine Hommage an die Stadt und den Jazz. Immer noch hörenswert. Sein angekündigtes Jungle-Album mit Christy Turlington hat er leider nie realisiert. „Malcolm, you are a saboteur“. No, Malcolm, you’re a genius.

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Aus digital mach analog! Neue Möglichkeiten für die Zukunft?

8 04 2010

Häufig wird Reales in die virtuelle Welt verfrachtet. Wer will noch auf einem Golfplatz golfen oder auf einer Gitarre spielen oder ein Tennismatch bestreiten oder ein echtes Leben führen, wenn es Spielkonsolen gibt? Hier erleben wir ein Beispiel, in dem ursprünglich Virtuelles den Weg in die reale Welt findet: Analoges Tetris.

Tetris analógico // Analogical Tetris from Esferobite-DSK on Vimeo.

Ganz neue Möglichkeiten tun sich auf: In Zukunft könnte man tatsächlich Quidditch spielen oder Luftgitarren selbst nicht zupfen oder Ungeheuer abschlachten oder drei Leben haben.





Was das Dashboard verrät (Folge 1)

8 04 2010

Wer zufällig auf Retrakon gerrät, sucht Folgendes: japanische Vergewaltigungsspiele, Würth Kalender-Models, Drogen in Prag, Hochzeiten mit Videospielfiguren, Öbszönes in Chatroulette, schöne Augen unter Burkas und Pornos der Nazis.





Wie ein neuer Chatroulette-Knopf in die Hose ging

7 04 2010

Wie schon mehrfach berichtet, gibt es auf Chatroulette immer wieder Nutzer, die spärlich oder nicht bekleidet obszöne Handlungen an sich vornehmen. Daher gibt es seit kurzem einen Knopf, mit dem man solche User melden und aus dem Roulette werfen kann. Im Grunde eine sinnvolle Angelegenheit. Doch was passiert? Männliche Chatter, die wahrscheinlich 90% ausmachen, nutzen den Knopf immer häufiger, um andere männliche Chatter auszuschließen, damit die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass sie endlich auf ein weibliches Wesen stoßen.





Was Akinator alles kann und was das für die Zukunft bedeutet

15 03 2010

Ein kleiner Hinweis in einer Zeitschrift hat mich zum Programm Akinator gebracht. Der neueste Hype, der süchtig machen soll. Auch für SmartPhones gibt es die Applikation. Wie läuft Akinator? Man denkt an eine Person, beantwortet ein paar Fragen und das Programm errät, an wen man gedacht hat. Ich habe es gerade ausprobiert und das Programm hat meine Gedanken erraten. Erstaunt hat mich nicht, DASS es funktioniert, sondern WIE WENIG Fragen gestellt wurden und WIE ALLGEMEIN gehalten sie waren. Retrakon wäre nicht Retrakon, wenn hier nicht ein wenig Skepsis angebracht würde, vor allem wenn man weiß, dass das Programm auch private Datenbanken und Soziale Netzwerke durchforstet. Wie lange wird es dauern bis Fragen und Antworten in einer Datenfusion für kommerzielle Zwecke missbraucht werden?





Mensch aus Glas oder Wie Informationen zum Kapital der Zukunft werden

9 03 2010

Vor ein paar Tagen habe ich das Buch „Auf der Suche nach Hitlers Sohn“ des belgischen Journalisten Jean-Paul Mulders gelesen. Es geht darin um seine (nicht immer ganz legale) Jagd nach DNA-Proben von entfernten Verwandten, um eine These, die Historiker (auch ernstzunehmende) seit den 70er Jahren beschäftigt, zu überprüfen. Der Franzose Jean-Marie Loret behauptete, ein leiblicher Sohn des Nazidiktators zu sein. Sein Mutter hatte ihm dies auf dem Sterbebett gebeichtet. Mulders, der die in den USA lebenden Großneffen Adolf Hitlers ausfindig gemacht hat, so schreibt er in seinem Buch, hatte dazu einen Daten-Service genutzt, der gegen Bezahlung (fast) jede Information auftreibt. In diesem Falle waren dies geänderter Nachname und Wohnort der Hitler-Verwandten. Solche Dienste haben zum Teil auch Zugriff auf das Strafregister und weitere ähnlich heikle Datenquellen. Zugriffe dieser Art sind erwartungsgemäß illegal. Trotzdem wird damit Geld gemacht – und dies ist erst der Anfang. In der Studie „Risiken von IKT-Implantaten“ (Kurztitel) von Sascha Theißen heißt es dazu: „Die Daten, die Identitätsdiebe verwenden, stammen aus den verschiedensten Quellen; im Fall von Seisint […] beispielsweise aus gehackten elektronischen Datenbanken, aus welchen während 59 unerlaubten Zugriffen die personenbezogenen Daten einschließlich Vermerken über Verhaftungen, Strafregister, Grundbuchauszüge, Fotos, Heirats- und Scheidungsvermerke sowie Jagd- und Fischereierlaubnisse von insgesamt 310.000 US-Bürgern entwendet wurden.“ (S. 142) Eigenmächtig Daten und Datenspuren im Netz zu hinterlassen ist eine Sache, aber wie steht es mit den Informationen über uns, über die wir keine Kontrolle haben? Existiert Privates überhaupt nicht mehr? Besteht der legale Datenschutz der Zukunft vielleicht nur mehr darin, bestimmen zu können, wer worauf Zugriff hat und nicht mehr?





So werden URLs knackiger

22 02 2010

Damit lange URLs nicht so viele Zeichen in Anspruch nehmen (und so vielleicht nicht in eine äußerst wichtige Twitter-Nachricht passen), gibt es Dienste, die für Kürze sorgen – die so genannten Link-Verkürzer oder Short-URL-Services. Was sich hinter einer solchen verkürzten Adresse befindet, ist dann aber nicht mehr ersichtlich und ab und zu sogar spannend. Ein neuer Dienst geht einen ganz anderen Weg. ShadyURL verschleiert den wahren Inhalt, anstatt ihn zu kürzen, die Adresse bleibt aber trotzdem funktionstüchtig. Versucht einmal folgenden Link: http://5z8.info/stalin-will-rise-again_w5u4n_hitler.