Schweinische Werte

27 01 2010

Als der australische Philosoph Peter Singer während des Verzehrs eines Schnitzels von einem Vegetarier den Auftrag bekam, herauszufinden, welche Gründe dafür sprechen, überhaupt Tiere zu essen, war das für ihn das letzte Schnitzel seines Lebens. Wie die Sunday Times nun berichtete, wurden auf einem geheimen Militärstützpunkt in Großbritannien lebende Schweine in die Luft gejagt, um den Effekt von terroristischen Attacken auf zivile Ziele zu simulieren. (Über den Einsatz von Schweinen bei Lawinenversuchen bei uns haben auch lokale Medien geschrieben.) Ich verstehe Singers Position, wenn ich sie auch nicht für mich akzeptieren will. Auf der anderen Seite frage ich mich, wie weit der Mensch gehen darf, um Menschen zu schützen. Und nicht nur weil wir genetisch zu 90% Schweine sind.

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Gut, dass die Welt in Kathrin Passigs Händen ist

25 01 2010

„Mit etwas Glück hat der Staat ein Einsehen und bietet in Zukunft Erwachsenenbildungsmaßnahmen an, in denen man hinderlich gewordenes Wissen – sagen wir: über Bibliotheken, Schreibmaschinen, Verlage oder das Fernsehen – ablegen kann.“ – Kathrin Passig





Wiso mir die Naktskanner auf die NErfn gehn

23 01 2010

Die Nacktscanner, besser gesagt die Körperscanner, gehen mir überhaupt nicht auf die Nerven. Ich finde es wichtig, dass das Thema öffentlich diskutiert wird, prallen hier doch zwei Welten aufeinander; für die einen steht der Schutz der Privatsphäre im Vordergrund, für die anderen die Sicherheit. Spannende Argumente sind vorprogrammiert. Darum geht es mir heute nicht. Es geht vielmehr um Rechtschreibung. Ein Kommentator dieser Seite hat einen inhaltlich akzeptablen, aber orthographisch recht fehlerhaften Kommentar geschrieben. Freundlich darauf hingewiesen gab er seine Schwäche ohne Ausflüchte zu und konterte mit einem Zeitungsartikel aus der „Neuen Luzerner Zeitung“, in dem von zwei Experten die Rede ist, die der Orthographie in der heutigen Zeit nur eine geringe Bedeutung zumessen. Das Thema interessiert mich seit Jahren. Tenor der O-Gegner, nennen wir sie so, ist meist: Es kommt auf den Inhalt an, nicht auf die Form. Das Argument wird meistens unreflektiert stehengelassen. Wenn es immer nur auf den Inhalt ankommen würde und die Form vollkommen egal wäre, dann würden die meisten wohl einen Teller Sch**** essen, wenn sie schmeckt wie ein leckeres Steak. Aber genau das bezweifle ich. Oder auch die beste, tiefgründigste, emotionalste Musik hören wir lieber in guter Audioqualität als verzerrrt mit Störgeräuschen. Es ließen sich noch zahlreiche Beispiele anführen. Auf der anderen Seite schätzen wir auch die reine Form nicht. Denken wir – um bei dem Genannten zu bleiben – an ein wunderbar hergerichtetes und präsentiertes Menü, das dann schmeckt wie die Sternchen oben. Oder man zwingt mich „Bamboleo“ oder „Wind Of Change“ anzuhören, dann verbessert sich meine Lage nicht, wenn ich eine 24bit-Audio-DVD auf einer 5.1-Anlage höre. Was ich damit sagen möchte, ist, dass Inhalt und Form Hand in Hand gehen müssen. Das gilt auch für die Rechtschreibung. Es mag richtig sein, dass der große Goethe gesagt hat, über Geschmack und Rechtschreibung ließe sich streiten, aber die Vorteile verschiedener Normen sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn es hierbei allzu große Freiheit gibt, dann leidet schließlich auch der Inhalt. Dass es doch viele Fürsprecher einer „freien“ Rechtschreibung gibt, liegt m.E. an zweierlei Gründen: a) All diejenigen, die selbst mit der Orthographie zu kämpfen haben, rechtfertigen dadurch ihre Lage; b) Als Experte kann man sich wahrscheinlich nur mit einer neuen, anderen Sicht der Dinge profilieren. Auch keine Neuigkeit. Die Frage gipfelt letzten Endes im Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung. Der gebildete Mensch, im Vergleich zum bloß ausgebildeten, steht eben doch eine Stufe höher. Aber dieses humanistische Gedankengut ist natürlich vollkommen anachropnistosch. Der vorige Satz wäre verständlicher, wenn ich das letzte Wort korrekt geschrieben hätte. Aber wer Google und Word hat, braucht ja nicht mehr selbst zu denken.





Werden Bilder überschätzt?

20 12 2009

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat sich bis 2007 erfolgreich geweigert, Bilder auf der Titelseite abzudrucken. Seither gibt es jeweils ein Bild, immer oben in der Mitte, immer gleich groß. Dass ein Bild mehr von sich geben muss als tausend Worte, liegt nicht in der Absicht der FAZ-Redaktion. Auch dass das abgedruckte Foto aktuell sein oder sich auf ein Ereignis des Vortages beziehen muss, wird gerne ganz bewusst umgangen. Vor ein paar Tagen habe ich in der SZ einen Artikel gelesen, in dem das allgegenwärtige PowerPoint kritisiert wird, weil es den Nutzer zwingt, aus jedem mehr oder weniger komplizierten Sachverhalt einen „Brühwürfel des Denkens“ zu schaffen. Auch hier wird die unbedingte Macht des Bildes geleugnet. Ist es nicht die größte Ketzerei unserer Zeit, zu behaupten, dass Texte viel besser sind als Bilder?





Was?

9 12 2009

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(Google: 3.580 Ergebnisse in 0,69 Sekunden)





Verjährt Zeit?

2 12 2009

Der Münchner Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk beschäftigt mich seit einiger Zeit. Die Frage, die angesichts eines 89-jährigen, anscheinend kranken Angeklagten auftaucht, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solch späten Ahndung. Viele behaupten, man sei es den Opfern schuldig und ein solches Vergehen dürfe niemals verjähren; viele behaupten aber auch das Gegenteil. Doch die Prozesse um längst vergangene Naziverbrechen gehören nur zu einer Gruppe solcher Dilemmata. Wie viel Zeit muss vergehen bis es sinnlos wird, eine Tat zu ahnden, ein Ereignis zu revidieren, eine Situation zu akzeptieren? Wie ist das mit politischen Konstellationen? Schottland, Nordirland, Südtirol, Baskenland, Kurdistan, Zypern etc. (wobei alle hier aufgezählten Beispiele ihre ganz speziellen Eigenheiten haben). Ist irgendwann so viel Zeit vergangen, dass eine Revision vergangenen Unrechts noch mehr Unrecht schafft? Und wer entscheidet, was durch die Zeit relativiert wird und was nicht?





Gibt es ein Toleranz-Gen?

1 12 2009

Der gestrige Beitrag zum Minarettverbot und die Reaktionen darauf haben in mir einige Fragen aufkeimen lassen. Wenn man mit Menschen über das Abstimmungsergebnis der Schweizer diskutiert, merkt man sehr schnell, dass es für nach außen gleich scheinende Urteile ganz unterschiedliche Gründe gibt. Jemand könnte über das Minarettverbot erfreut sein, aber nicht, weil er etwas gegen den Islam hat, sondern weil diese Person allgemein jede Einschränkung religiöser Aktivität gutheißt; man könnte aber auch positiv zum Verbot stehen, weil der Islam nun einmal gegenüber dem Christentum die „schlechtere“ Religion ist usw. Wir sehen, verschiedene, im Grunde genommen unvereinbare Hintergründe. Bei allen Diskussionen wird irgendwann der Begriff „Toleranz“ fallen. Das bringt mich zu meiner Frage: Ist Toleranz evolutionstechnisch gesehen ein Vorteil oder Nachteil? Oder ist es sinnlos, von Toleranz in der Natur zu sprechen? Sehr oft werden menschliche Eigenheiten und Eigenschaften mit evolutionären Prozessen erklärt. Zum Beispiel: Dicke Menschen hatten früher den Vorteil, Hungerszeiten zu überleben; die Tatsache, dass die meisten Menschen nicht lange Zeit vorausblicken stammt noch aus der Zeit unserer Urahnen, bei denen es unerheblich war, was in zehn Jahren sein wird, sie mussten den nächsten Tag, die nächste Woche überleben usw. Wie ist das aber mit der Toleranz? Sind bestimmte Bereiche im Gehirn dafür verantwortlich, mehr oder weniger dafür empfänglich zu sein? Gibt es ein Gen XYZ, das die Toleranzgrenzen des Menschen determiniert?