Ist Digitalisierung mit Qualitätsverlust verbunden?

14 03 2010

Meine These, dass Internet & Co. dazu beitragen, dass sich gerade junge Menschen mit immer weniger Qualität (in technischer Hinsicht) zufrieden geben, wurde jetzt durch eine Untersuchung belegt. Dass MP3-zufrieden-Sein führt dazu, dass man irgendwann den Unterschied zwischen einer Originalaufnahme und einem komprimierten Format nicht mehr hört und so das qualitativ höher stehende Erlebnis nicht mehr erkennt. Dasselbe vermute ich auch bei YouTube-Videos. Wenn man gewohnt ist, bewegte Bilder im Format größerer Briefmarken mit nur halbwegs passablem Ton zu konsumieren, wie soll man wirklich fantastistsche Bilder schätzen?





Wenig Aufwand, wenig Wert?

4 03 2010

Als ich die zahlreichen Kommentare von Wieser, Wiesion und Fellmonster gelesen habe (übrigens: Danke!), in denen es u. a. um eine Facebook-Aktion zum Tag gegen den Krebs ging, sind einige Gedanken aufgetaucht, die mich von Zeit zu Zeit immer wieder besuchen, vor allem dann, wenn ich wieder einmal FB-Mitteilungen bekomme, ich solle doch zu dieser oder jener Gruppe stoßen. Ich halte mich immer mehr zurück. War ich am Anfang noch überzeugt, Gruppen wie „Philosophy Is Sexy“, „Petition to Steven Hawking That He Might Create a Techno Album“ und „You were sexy until I saw that cigarette in your hand“ würden mich als Mitglied brauchen, kommen mir immer mehr Zweifel, ob das nicht pure Zeitverschwendung (wogegen manchmal ja auch nichts spricht) oder überhaupt vollkommen überflüssig ist. Es ist so einfach, einen „Akzeptieren“-Knopf zu drücken. Ja, „5N – Jahrgang 2003/2004 – Die Legenden“, das war eine Klasse, die ich nie vergessen werde, aber meine tatsächliche Wertschätzung ändert sich dadurch nicht. Ich fühle mich diesen Personen auch nicht näher dadurch. Gaudi-Rodeln im Martelltall ist ganz etwas anderes. Das kann eine Internet-Gruppe einfach nicht leisten. Jedenfalls für mich nicht. Doch wie ist das mit parteipoltischen und gesellschaftspolitischen Themen? Wie gesagt, eine Taste ist schnell gedrückt. Ändert sich tatsächlich irgendetwas, nur weil ein paar Tausend spontan entschieden haben, eine Statusmeldung zu kopieren? Ich streite nicht ab, dass das Medium politische Bedeutung haben kann, aber wann und unter welchen Umständen? Und mit welcher Nachhaltigkeit? Wahrscheinlich solange bis man entscheiden muss, ob Bernd das Brot, Tokio Hotel oder eine dreckige Bahnhofstoilette wichtiger ist.





Amerikanerin twittert Abtreibung

3 03 2010

Die 27jährige US-Amerikanerin Angie Jackson aus Tampa/Florida wäre durch ihre erste Schwangerschaft beinahe ums Leben gekommen. Nun, erneut schwanger, entschloss sie sich nach dem Rat ihrer Ärzte zu einer Abtreibung mit Hilfe der Abtreibungspille RU-486. Den ganzen Vorgang dokumentierte sie live via Twitter, um „Abtreibung für andere Frauen zu de-mystifizieren„.





Prag ist das neue Amsterdam (drogentechnisch)

14 02 2010

Seit dem heurigen Jahr darf man in Tschechien bis zu 15 Gramm Marihuana, 5 Gramm Haschisch, 1,5 Gramm Heroin, 1 Gramm Kokain und 4 Ecstasy-Tabletten besitzen. Der Besitz dieser Substanzen gilt als Verwaltungsdelikt und wird lediglich mit einer Geldstrafe geahndet. Man will damit „Kranke“ (O-Ton „News“) nicht länger kriminalisieren, sondern Ressourcen für die großen Drogenfische nutzen. Die gesetzlichen Regelungen in den Niederlanden und der Tschechischen Republik legalisieren im Grunde genommen Drogen überhaupt nicht, sie regeln nur – ganz pragmatisch – den Umgang mit kleineren Mengen. Das bringt mich zu einer Reihe von Fragen: Gibt es ein Recht des Menschen auf Rausch? Und wenn es das gibt, wieso sehen selbst diesbezüglich liberale Staaten wie die eben genannten im Drogenkonsum etwas, was es, wenn es anders möglich wäre, nicht geben sollte?





Retrakon On Tour #1

6 02 2010

Ein erklärungsbedürftiger Titel. Unter dieser Kategorie wird es in Zukunft Gedankensplitter geben, die sich aus interessanten Diskussionen im Zug ergeben. Im heutigen, ersten Fall war mein Gesprächspartner ein Retrakon-Leser und Kommentator und es ging, als ließe es sich nicht vermeiden, um China und die chinesische Gesellschaft. Dabei erinnerte ich mich an eine Reportage vor einigen Monaten, die einen bleibenden, leider aber negativen Nachgeschmack hinterlassen hat. Das Problem ist im Grunde genommen allgemein bekannt – und doch denkt kaum jemand ernsthaft an die gravierenden Folgen für die Zukunft. Durch Chinas seit 1979 verfolgte Ein-Kind-Politik und der Tatsache, dass viele Eltern ihr Ungeborenes abtreiben lassen, sollte es ein Mädchen sein, ergibt sich ein immer größer werdendes Ungleichgewicht der Geschlechter – bei einem Staat mit 1,33 Milliarden Einwohnern keine Kleinigkeit. Natürlich ist es offiziell verboten, Mädchen abtreiben zu lassen, weil sie Mädchen sind. Ein Jungenüberschuss von 20% spricht allerdings eine andere Sprache. In Zukunft werden viele Männer keine Frau finden, ganz einfach, weil es nicht genügend viele gibt. Dieses menschliche Grundbedürfnis nach Partnerschaft und (mehr oder weniger) exklusiver Zweisamkeit wurde und wird aus politischen und wirtschaftlichen Gründen missachtet.





Macht das Internet glücklich?

3 02 2010

Eine sehr geschätzte Leserin von Retrakon hat mich auf den Beitrag „Warum Bloggen glücklich macht“ aufmerksam gemacht. Darin schreibt der Blogger, dass er viele gute Bekanntschaften über das Internet geschlossen hat. Weiters bezieht er sich auf eine Studie, die besagt, dass das Internet keine negativen Auswirkungen auf die Sozialbeziehungen von Jugendlichen hat. Anders formuliert: Bloggen und Facebooken macht tatsächlich glücklich. Das bringt mich zur Frage, wie es bei mir persönlich aussieht. Macht mich Bloggen glücklich? Kenne ich mehr Leute, weil es das Internet gibt? Schon die erste Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Rechne ich die Freude an guten Diskussionen gegen den Ärger durch schlechte auf, komme ich wahrscheinlich zu keinem Ergebnis. Warum mache ich das überhaupt? Vielleicht aus einem Egoismus heraus, für mich zu dokumentieren, was mich interessiert und beschäftigt. Früher habe ich das auf kleinen Zettelchen gemacht (was ich nicht aufgegeben habe), heute ist es zusätzlich ein Weblog. Würde mich das Bloggen wirklich unglücklich machen, hätte ich es wahrscheinlich schon wieder aufgegeben. Ein Glücksgefühl stellt sich meistens dann ein, wenn ein Beitrag von besonders vielen gelesen und/oder kommentiert wird. Das ist mir aufgefallen. Wie sieht es aber mit der zweiten Frage aus? Kenne ich mehr Leute durch das Internet? Ehrliche Antwort: Letzten Endes nicht. Ich darf mich insofern als Internet-Pionier bezeichnen, als dass ich mich damit seit 1993 beschäftige, das sind immerhin 17 Jahre. Als es die ersten Chatrooms gab, war das etwas Besonderes und es gab eine Zeit, in der ich diese auch viel genutzt habe. Dadurch sind einige Bekanntschaften entstanden, die sich mehr oder weniger lange gehalten haben. Wie sieht es damit aus? Ich habe zu niemandem mehr Kontakt, den ich nur online kannte. Sogar mein erster Facebook-Friend – Leilani aus … keine Ahnung mehr woher – ist nicht mehr in meiner Freundesliste. Vielleicht fehlt einfach die Zeit dazu, solche Freundschaften zu pflegen (dann wäre ich mit Frank Schirrmacher, dessen Buch „Payback“ ich gerade lese, einer Meinung), vielleicht ist es auch die pure Oberfläche, die einem irgendwann auf den Geist geht (ja, wortwörtlich). Versöhnliches zum Abschluss: Mit den Leuten, die ich persönlich kenne, lässt sich per Internet oft sehr gut Kontakt halten. Zumindest darüber bin ich froh. Wie seht ihr das?





Was mir zu Zeitreisen einfällt

28 01 2010

Ich gebe zu, das Thema Zeitreisen ist nicht ein typisches dieses Weblogs. Ich vermeide es normalerweise, ganz Abstruses oder Kurioses auszupacken, außer es passt zur generallen Ausrichtung der Seite. Zeitreisen sind faszinierend. Sollte es einen Dschinn geben, der mir aus der Flasche erscheint und mir einen einzigen Wunsch erfüllt, ich würde ganz egoistisch wollen, dass ich durch die Geschichte sausen und alles mit eigenen Augen beobachten kann. Es wäre vielleicht der einzige Wunsch, bei dem ich in Versuchung geführt werden könnte, meine Seele anzupreisen (wenn ich eine haben – frei nach Arthur Sch.): Beim Bau der Cheopspyramide dabei sein, bei der Krönung von Karl zum Kaiser (wenn es ihn tatsächlich gab), bei William Shakespeare unter dem Schreibtisch … Ein wunderbarer Traum. Jetzt aber zu meinen Einfällen. Wenn es irgendwann möglich sein wird, tatsächlich solche Reisen anzutreten (Physiker sind sich ja nicht grundsätzlich einig, ob so etwas auf alle Fälle ausgeschlossen werden kann), dann müsste es rück- bzw. vorwirkend gesehen, zu allen Zeiten solche Reisende geben – wenn die Zeit interessant, wichtig, aufregend, bahnbrechend, zukunftsweisend genug ist, dass zukünftige Zeitreisende sich für genau dieses Zeitfenster entscheiden. Aber ich sehe niemanden?





Schweinische Werte

27 01 2010

Als der australische Philosoph Peter Singer während des Verzehrs eines Schnitzels von einem Vegetarier den Auftrag bekam, herauszufinden, welche Gründe dafür sprechen, überhaupt Tiere zu essen, war das für ihn das letzte Schnitzel seines Lebens. Wie die Sunday Times nun berichtete, wurden auf einem geheimen Militärstützpunkt in Großbritannien lebende Schweine in die Luft gejagt, um den Effekt von terroristischen Attacken auf zivile Ziele zu simulieren. (Über den Einsatz von Schweinen bei Lawinenversuchen bei uns haben auch lokale Medien geschrieben.) Ich verstehe Singers Position, wenn ich sie auch nicht für mich akzeptieren will. Auf der anderen Seite frage ich mich, wie weit der Mensch gehen darf, um Menschen zu schützen. Und nicht nur weil wir genetisch zu 90% Schweine sind.





Gut, dass die Welt in Kathrin Passigs Händen ist

25 01 2010

„Mit etwas Glück hat der Staat ein Einsehen und bietet in Zukunft Erwachsenenbildungsmaßnahmen an, in denen man hinderlich gewordenes Wissen – sagen wir: über Bibliotheken, Schreibmaschinen, Verlage oder das Fernsehen – ablegen kann.“ – Kathrin Passig





Wiso mir die Naktskanner auf die NErfn gehn

23 01 2010

Die Nacktscanner, besser gesagt die Körperscanner, gehen mir überhaupt nicht auf die Nerven. Ich finde es wichtig, dass das Thema öffentlich diskutiert wird, prallen hier doch zwei Welten aufeinander; für die einen steht der Schutz der Privatsphäre im Vordergrund, für die anderen die Sicherheit. Spannende Argumente sind vorprogrammiert. Darum geht es mir heute nicht. Es geht vielmehr um Rechtschreibung. Ein Kommentator dieser Seite hat einen inhaltlich akzeptablen, aber orthographisch recht fehlerhaften Kommentar geschrieben. Freundlich darauf hingewiesen gab er seine Schwäche ohne Ausflüchte zu und konterte mit einem Zeitungsartikel aus der „Neuen Luzerner Zeitung“, in dem von zwei Experten die Rede ist, die der Orthographie in der heutigen Zeit nur eine geringe Bedeutung zumessen. Das Thema interessiert mich seit Jahren. Tenor der O-Gegner, nennen wir sie so, ist meist: Es kommt auf den Inhalt an, nicht auf die Form. Das Argument wird meistens unreflektiert stehengelassen. Wenn es immer nur auf den Inhalt ankommen würde und die Form vollkommen egal wäre, dann würden die meisten wohl einen Teller Sch**** essen, wenn sie schmeckt wie ein leckeres Steak. Aber genau das bezweifle ich. Oder auch die beste, tiefgründigste, emotionalste Musik hören wir lieber in guter Audioqualität als verzerrrt mit Störgeräuschen. Es ließen sich noch zahlreiche Beispiele anführen. Auf der anderen Seite schätzen wir auch die reine Form nicht. Denken wir – um bei dem Genannten zu bleiben – an ein wunderbar hergerichtetes und präsentiertes Menü, das dann schmeckt wie die Sternchen oben. Oder man zwingt mich „Bamboleo“ oder „Wind Of Change“ anzuhören, dann verbessert sich meine Lage nicht, wenn ich eine 24bit-Audio-DVD auf einer 5.1-Anlage höre. Was ich damit sagen möchte, ist, dass Inhalt und Form Hand in Hand gehen müssen. Das gilt auch für die Rechtschreibung. Es mag richtig sein, dass der große Goethe gesagt hat, über Geschmack und Rechtschreibung ließe sich streiten, aber die Vorteile verschiedener Normen sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn es hierbei allzu große Freiheit gibt, dann leidet schließlich auch der Inhalt. Dass es doch viele Fürsprecher einer „freien“ Rechtschreibung gibt, liegt m.E. an zweierlei Gründen: a) All diejenigen, die selbst mit der Orthographie zu kämpfen haben, rechtfertigen dadurch ihre Lage; b) Als Experte kann man sich wahrscheinlich nur mit einer neuen, anderen Sicht der Dinge profilieren. Auch keine Neuigkeit. Die Frage gipfelt letzten Endes im Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung. Der gebildete Mensch, im Vergleich zum bloß ausgebildeten, steht eben doch eine Stufe höher. Aber dieses humanistische Gedankengut ist natürlich vollkommen anachropnistosch. Der vorige Satz wäre verständlicher, wenn ich das letzte Wort korrekt geschrieben hätte. Aber wer Google und Word hat, braucht ja nicht mehr selbst zu denken.