Wenig Aufwand, wenig Wert?

4 03 2010

Als ich die zahlreichen Kommentare von Wieser, Wiesion und Fellmonster gelesen habe (übrigens: Danke!), in denen es u. a. um eine Facebook-Aktion zum Tag gegen den Krebs ging, sind einige Gedanken aufgetaucht, die mich von Zeit zu Zeit immer wieder besuchen, vor allem dann, wenn ich wieder einmal FB-Mitteilungen bekomme, ich solle doch zu dieser oder jener Gruppe stoßen. Ich halte mich immer mehr zurück. War ich am Anfang noch überzeugt, Gruppen wie „Philosophy Is Sexy“, „Petition to Steven Hawking That He Might Create a Techno Album“ und „You were sexy until I saw that cigarette in your hand“ würden mich als Mitglied brauchen, kommen mir immer mehr Zweifel, ob das nicht pure Zeitverschwendung (wogegen manchmal ja auch nichts spricht) oder überhaupt vollkommen überflüssig ist. Es ist so einfach, einen „Akzeptieren“-Knopf zu drücken. Ja, „5N – Jahrgang 2003/2004 – Die Legenden“, das war eine Klasse, die ich nie vergessen werde, aber meine tatsächliche Wertschätzung ändert sich dadurch nicht. Ich fühle mich diesen Personen auch nicht näher dadurch. Gaudi-Rodeln im Martelltall ist ganz etwas anderes. Das kann eine Internet-Gruppe einfach nicht leisten. Jedenfalls für mich nicht. Doch wie ist das mit parteipoltischen und gesellschaftspolitischen Themen? Wie gesagt, eine Taste ist schnell gedrückt. Ändert sich tatsächlich irgendetwas, nur weil ein paar Tausend spontan entschieden haben, eine Statusmeldung zu kopieren? Ich streite nicht ab, dass das Medium politische Bedeutung haben kann, aber wann und unter welchen Umständen? Und mit welcher Nachhaltigkeit? Wahrscheinlich solange bis man entscheiden muss, ob Bernd das Brot, Tokio Hotel oder eine dreckige Bahnhofstoilette wichtiger ist.

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5 responses

4 03 2010
Fellmonster

So, ich mal wieder, obwohl es sicher so langsam nervt.
Aber heute möchte ich es zur Abwechslung einmal kurz machen:
Die Gruppen, die du aufgezählt hast, brauchen dich natürlich nicht als Mitglied. Auch Lady Gaga ist es egal, ob sie wegen dir einen Fan mehr oder weniger hat (das ist nur ein Beispiel, keine Unterstellung 😉 ).
Wenn jemand hin und wieder einer Facebook-Gruppe beitritt oder ein Fan von irgendetwas wird, dann sicherlich wegen dem Hintergedanken, etwas damit zu bewirken. Es geht hier einfach nur um Meinungsäußerung (abgesehen von Gruppen wie „wenn so und so viele Leute beitreten, lasse ich mir einen Penis auf die Wange tätowieren“). Um aber bei weniger dümmlichen Gruppen zu bleiben: Wenn du der Gruppe „You were sexy until I saw that cigarette in your hand“ beitrittst (oder beitretest? ich weiß es nicht), dann sicherlich nicht weil du glaubst, dass deswegen jetzt plötzlich alle mit dem Rauchen aufhören. Aber es steht dann eben im Profil und als „Vorbeisurfender“ sieht man dann: „Aha, der hat was gegen Zigaretten“. Demnach: Gruppenbeitritt bei Facebook = Meinungsäußerung, ein bisschen Selbstdarstellung (wie so oft) und im Idealfall Austausch mit Gleichgesinnten. Ob es da jetzt um sexy Philosophie oder HC Strache vs. seelenloser Ziegelstein geht, ändert die Welt natürlich nicht, es sind einfach nur Statements.

4 03 2010
Fellmonster

Korrektur: „Wenn jemand hin und wieder einer Facebook-Gruppe beitritt oder ein Fan von irgendetwas wird, dann sicherlich NICHT wegen dem Hintergedanken, etwas damit zu bewirken.“

4 03 2010
retrakon

Ich stimme dir im Wesentlichen zu. Ich finde aber trotzdem, dass es ein großer Unterschied ist, ob man in einem Verein oder einer Partei aktiv ist und dementsprechend zu seiner Meinung in der Öffentlichkeit steht oder einfach schnell einen Knopf drückt. Eine gewisse Beliebigkeit ist damit immer auch verbunden.

5 03 2010
Fellmonster

Wenn du so kommst, muss ich dir auch 100%ig Recht geben. Natürlich ist es ein großer Unterschied, ob man einer Gruppe beitritt, die mit Tomaten mehr anfangen kann als mit dem italienischen Ministerpräsidenten, oder ob man sich im „echten Leben“ zu einer Art Organisation zusammenschließt, die Demonstrationen und andere Aktionen plant. Letzteres ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung (je nach dem wie man zu Berlusconi steht natürlich), ob das etwas bringen wird ist wieder ein anderes Thema. Kann sein, kann auch nicht sein. Ersteres ist allerdings, wie du schon sagtest, mit Beliebigkeit verbunden. Nicht mehr als eine banale Fingerbewegung. Die Absicht hinter dieser Fingerbewegung ist bei Facebook halt eine andere, hoffe ich zumindest. Denn wer – um bei obigem Beispiel zu bleiben – wirklich glaubt, dass Berlusconi sich irgendwann so etwas denkt wie „na gut, das Volk hat sich zwischen mir und der Tomate entschieden, dann trete ich eben zurück und gebe mein Amt an die Tomate weiter“, der hat so einiges im Leben falsch verstanden.

8 03 2010
wiesion

eine demonstration gegen berlusconi organisieren? das ist genau dieselbe sinn- und zwecklose sache wie einer tomate mehr zu huldigen als dem premier.

was italiens regionen (allen voran das ehem. königreich beider sizilien) wirklich brauchen ist die sezession – und nicht ähnlich einem leichenbestatter das ansehbar machen einer unfall-leiche…

es braucht nur ein paar schlechte jahre der nationalmannschaft als auch der wirtschaft, dann wird es – hoffentlich und endlich – so weit kommen.

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