Macht das Internet glücklich?

3 02 2010

Eine sehr geschätzte Leserin von Retrakon hat mich auf den Beitrag „Warum Bloggen glücklich macht“ aufmerksam gemacht. Darin schreibt der Blogger, dass er viele gute Bekanntschaften über das Internet geschlossen hat. Weiters bezieht er sich auf eine Studie, die besagt, dass das Internet keine negativen Auswirkungen auf die Sozialbeziehungen von Jugendlichen hat. Anders formuliert: Bloggen und Facebooken macht tatsächlich glücklich. Das bringt mich zur Frage, wie es bei mir persönlich aussieht. Macht mich Bloggen glücklich? Kenne ich mehr Leute, weil es das Internet gibt? Schon die erste Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Rechne ich die Freude an guten Diskussionen gegen den Ärger durch schlechte auf, komme ich wahrscheinlich zu keinem Ergebnis. Warum mache ich das überhaupt? Vielleicht aus einem Egoismus heraus, für mich zu dokumentieren, was mich interessiert und beschäftigt. Früher habe ich das auf kleinen Zettelchen gemacht (was ich nicht aufgegeben habe), heute ist es zusätzlich ein Weblog. Würde mich das Bloggen wirklich unglücklich machen, hätte ich es wahrscheinlich schon wieder aufgegeben. Ein Glücksgefühl stellt sich meistens dann ein, wenn ein Beitrag von besonders vielen gelesen und/oder kommentiert wird. Das ist mir aufgefallen. Wie sieht es aber mit der zweiten Frage aus? Kenne ich mehr Leute durch das Internet? Ehrliche Antwort: Letzten Endes nicht. Ich darf mich insofern als Internet-Pionier bezeichnen, als dass ich mich damit seit 1993 beschäftige, das sind immerhin 17 Jahre. Als es die ersten Chatrooms gab, war das etwas Besonderes und es gab eine Zeit, in der ich diese auch viel genutzt habe. Dadurch sind einige Bekanntschaften entstanden, die sich mehr oder weniger lange gehalten haben. Wie sieht es damit aus? Ich habe zu niemandem mehr Kontakt, den ich nur online kannte. Sogar mein erster Facebook-Friend – Leilani aus … keine Ahnung mehr woher – ist nicht mehr in meiner Freundesliste. Vielleicht fehlt einfach die Zeit dazu, solche Freundschaften zu pflegen (dann wäre ich mit Frank Schirrmacher, dessen Buch „Payback“ ich gerade lese, einer Meinung), vielleicht ist es auch die pure Oberfläche, die einem irgendwann auf den Geist geht (ja, wortwörtlich). Versöhnliches zum Abschluss: Mit den Leuten, die ich persönlich kenne, lässt sich per Internet oft sehr gut Kontakt halten. Zumindest darüber bin ich froh. Wie seht ihr das?

Werbeanzeigen