Was man kann und doch nicht soll oder Warum Google sein Motto verraten wird

18 01 2010

Die „Google-Falle“ hatte ich bereits gelesen. Dort stand nicht wesentlich mehr als ich schon wusste. Durch einen Hinweis (Matteo sei Dank!) kenne ich jetzt auch den Inhalt des aktuellen SPIEGEL-Artikels zum Suchmaschinenriesen. Kaum ein Absatz, der einen nicht zum Nachdenken bringt. Besonders gefährlich finde ich Googles Ansinnen, eine Software für das Handy mit Gesichtserkennung samt Identifizierung mittels Internet zu entwickeln. Heute noch kaum möglich, morgen ein Tool für alle. Das klingt wie eine Dystopie, aber ich habe gelernt, dass alles, was sich Wirtschaft und Technik vornehmen, eher früher als später umgesetzt wird. Vor zehn Jahren ist mein Buch „Zensur im Internet“ erschienen. Im Anhang gibt es ein kurzes Kapitel, in dem sich in Entwicklung befindliche Techniken vorgestellt werden, um zu illustrieren, dass ethische Themen in Bezug auf das Internet in Zukunft noch größere Bedeutung erlangen werden. Sieben von den acht erwähnten Techniken sind heute Standard. Stellen wir uns nun vor, was passiert, wenn jedermann und jederfrau ein Handy mit Gesichts- und Identitätserkennung besitzt. (Und lassen wir dabei außer Acht, dass es sicherlich auch sinnvolle Anwendungen geben wird, aber das darf nicht immer für alles als Generalausrede herhalten.) Stalking wird ganz neue Dimensionen erreichen. Die tolle Asiatenschnitte auf der Party. Wie heißt sie denn? Vielleicht finde ich ein paar Fotos von ihr. Wenn ich Glück habe, dann trägt sie wenig bis nichts. Wie kann ich sie denn am besten anmachen? Mal sehen, was in ihrem Facebook-Profil gespeichert ist. Aha, sie hört gerne The Smashing Pumpkins. Da fällt mir schon ein Anmachspruch ein. Oder ein anderes Beispiel. Dieser verdammte Polizist, der mir gerade einen Strafzettel verpassst hat. Wo wohnt er denn? Adresse schnell gefunden. Wie komme ich am leichtesten dorthin? Auch kein Problem. Schöne Kratzer auf seinem Auto. Der gläserne Mensch ist schon längst beschlossen. Wer heute das Internet schätzt, weil er sich in vollkommener Anonymität Pornos herunterladen kann und sich in der Videothek nicht mehr outen muss, der wird der Zeit vor Google Goggles nachtrauern. Privatsphäre wird es nicht mehr geben. Internet will eat itself!

Werbeanzeigen




Upload von Videos nur mit staatlicher Genehmigung?

18 01 2010

Silvio Berlusconi möchte Ende Jänner ein Gesetz verabschieden, welches den Upload von Videos ins Internet mit dem Betreiben eines Fernsehsenders gleichstellen soll. Dadurch müsste künftig jeder Upload vom italienischen Ministerium für Kommunikation genehmigt werden. Kommentar der Opposition: „Italien tritt dem Club der Zensoren bei, zusammen mit China, dem Iran und Nordkorea“. Der Blogger Alessandro Gilioli vermutet: „Es ist die Berlusconi-Methode: Entledige dich deiner potenziellen Feinde, wenn sie noch klein sind. Deshalb muss jeder, der Web-TV macht, auch vom Dachboden aus, eine Genehmigung vom Ministerium einholen und weitere bürokratische Auflagen einhalten.“