Man kann es auch übertreiben

18 12 2009

„Schach ist ein Killerspiel, bei dem Truppen in den Tod geschickt werden.“
– Stephan Günzel (Potsdamer Zentrum für Computerspielforschung)

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3 responses

18 12 2009
wiesion

alles eine frage des blickwinkels. jegliches spiel läuft darauf hinaus, einen besseren, stärkeren unter den mitstreitern innert entsprechendem genre zu ermitteln (das spielen als ausdruck der evolution). im ernstfall nennt man dieses spiel dann streit oder gar krieg. schaut man sich die diskussion um die sog. „killerspiele“ wie counterstrike oder modern warfare etc. an, finde ich diese aussage sogar sehr berechtigt: wer a sagt, muss auch b sagen. schach stellt zwar nicht die truppen als menschen dar, jedenfalls nicht so explizit wie die „killerspiele“ und das wird auch der einzige unterschied sein, das prinzip ist aber im grossen und ganze dasselbe: dominieren. insofern eine folgerichtige aussage, die die lächerlichkeit der diskussion um die „killerspiele“ offenlegt.

wie immer war dieser beitrag nicht an dich persönlich gerichtet, sondern frei nach deinem motto „kritik am raumzeitgeist“.

19 12 2009
retrakon

Ich kann dir zustimmen, was das Ziel all dieser Spiele ist, auch darin, dass sich Schach und Counterstrike in der Darstellungsform unterscheiden. Allerdings finde ich gerade diesen Unterschied wesentlich. Schach ist ein abstraktes Strategiespiel, auch und vor allem in der Form, die Figuren sind sehr stilisiert, meist ist gerade einmal der Turm als solcher zu erkennen. Aber schon allein aus der Tatsache, dass Türme Bewegungen vollführen wie die Bauern, Könige und alle anderen Figuren, zeigt, dass der Turm kein Turm in diesem „Kriegsszenario“ ist. Wie abstrakt das Spiel ist, zeigt auch „Die Schachnovelle“, in der die Hauptperson Schach mit kaffeegefärbten Brotkrümeln und schließlich überhaupt nur mehr in seiner Vorstellung spielt oder auch zwei meiner Onkel, die in den 50er Jahren einfach Kartonkärtchen mit Buchstaben verwendet haben, weil sie vom Spiel begeistert waren und sich noch keine Figuren leisten konnten. Bei den so genannten Killerspielen ist aber die Visualisierung ein grundlegender Bestandteil; natürlich geht es auch um Strategie, das bestreite ich gar nicht. Aber realitätsnahe Darstellungen sind bei den diesen Spielen kein Nebenprodukt, sondern prinzipielles Qualitätsmerkmal. Man braucht dazu nur eine x-beliebige Kritik in einem Computermagazin lesen, dann weiß man, wie wichtig das ist. Außerdem: Wer hat die besten, schnellsten und leistungsfähigsten Grafikkarten im Computer? Ja, genau. Wenn du mir einen Counterstrike-Spieler bringst, der der Strategie wegen dieses Spiel mit Kartonkärtchen spielt, dann würde mich das ehrlich erstaunen. Und genau deshalb finde ich den Vergleich mit Schach unangebracht. Das sage ich als jemand, der nicht besonders gut Schach spielt; und als jemand, der auch nicht unbedingt behauptet, dass Ego-Shooter Amokläufer hervorbringen. Ich bin aber dafür, dass Themen wie Computerspielsucht und Realitätsflucht in virtuelle Welten nicht tabuisiert werden dürfen. Das ist das eigentliche Problem mit den Killerspielen. Bei Schach habe ich weniger Angst, dass ein Frustspieler morgens in eine Schule stürmt, mit dem Schachbrett unter dem Arm und eine Rochade androht.

21 12 2009
wiesion

wie gesagt, bei counterstrike & co. geht es bloss nebenbei um strategie, das kommt in organisierten gruppen vor die teamplay spielen und sich über teamspeak absprechen. ansonsten geht es bloss um reaktionszeit und präzision an den eingabegeräten.
spiele wie tom clancy’s rainbow oder modern warfare haben allerdings mehr strategie-anspruch als counterstrike (in dem es lediglich um polizei vs. terroristen geht) – man muss sich taktiken ausdenken, es endet aber mit eliminierten gegnern.
dass die grafik immer besser wird (werden muss) ist bei jeglichem pc-spiel, egal welches genre, leider die tatsache – wenn ein nachfolger eines spiels rauskommt, setzt die industrie (als auch die sog. „kritiker“) voraus, dass die grafik dieses spiels natürlich noch besser und noch realistischer sein muss als dessen vorgängers, 20% mehr polygone, 15% mehr blut da, 10% mehr wasserreflektionen dort usw usf..

aber mit dem begriff „frustspieler“ triffst du den nagel auf den kopf… es ist ein unterschied ob man aus wettbewerbslust oder um die zeit totzuschlagen spielt… gefährlich wirds, wenn jemand aus frust bewusst durch den pc leute umbringen möchte (das spiel wird zur virtuellen realität). aber auch dabei sehe ich die „killerspiele“ schlimmstenfalls als beschleuniger und nicht als auslöser, falls es zu einem amoklauf kommen sollte – der sitzt wohl vor dem monitor.

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