Die ekelhafte Meldung des Tages oder Warum Computerspielsucht kein Tabuthema sein sollte

6 12 2009

Woran erkennt man, dass Computerspieler süchtig nach ihren Videospielen sind? Und woran erkennt man, dass PC-Spiele nicht zu unrecht oft als Heroin aus der Steckdose bezeichnet werden? Zum Beispiel daran, dass sich die Spieler einen Kübel unter ihren Arbeitsplatz stellen, damit sie für das kleine und große Geschäft während des Computerspiels nicht aufstehen müssen. Oder es werden gleich Windeln für Erwachsene angezogen, damit Nebensächlichkeiten wie der Stoffwechsel nicht unnötige Pausen ins Spiel bringt. Da kann man nur die Nase rümpfen (in zweierlei Hinsicht). Ich frage mich, ob der Duden das Wort „Eltern“ aus seiner schönen, alphabetisch geordneten Liste bereits herausgenommen hat, weil nicht mehr klar ist, ob der Begriff etwas real Existierendes bezeichnet?

Advertisements

Aktionen

Information

2 responses

6 12 2009
Selma

„Eltern“ wird es immer geben. Aber man versteht eben immer wieder etwas anderes darunter. Für die einen: „Haushaltshilfe und/oder materielle Absicherer“. Für die anderen: „misshandelnde Gewalttäter“. Für die dritten: „exaltierte Spinner“. Lieferbar auch in den Varianten: „liegt schon am Vormittag besoffen auf der Couch“ oder „gibt mir Ketchup zu essen, wenn ich hungrig bin“. Eltern können so viel falsch machen – und viele wissen das und zweifeln deshalb ständig an sich selbst. Andere hingegen machen sich nicht zu viele Gedanken („Meine Eltern haben sich auch nie um mich gekümmert, und aus mir ist auch was geworden.“ – was das ist, sehen wir uns dabei besser nicht an). Am traurigsten finde ich jene Eltern, die irgendwann mitten auf dem Weg aufgeben; die sich vielleicht jahrelang engagiert und gekümmert haben und dann doch irgendwann das Handtuch werfen. Erziehung ist natürlich in erster Linie „Elternsache“. Kindergarten, Schule, auch ein Freundeskreis spielen „nebenbei“ eine gewisse Rolle – je nach Charakter des Kindes eine größere oder kleinere (für manche Kinder sind die Freunde tatsächlich relevanter als die Eltern, vor allem, wenn diese das zulassen). Aber es gibt auch eine „Erziehung von innen“, die sich das Kind sozusagen selbst gibt. Oder anders ausgedrückt: Jedes Kind ist ein anderes „Feld“. Man kann freilich fleißig säen – und es gibt viele, die säen. Was von dieser Saat aufgeht, hängt aber auch vom Feld ab. Das soll jetzt kein Freibrief für verantwortungslose Erzieher sein. Aber ein junger oder auch nicht mehr ganz so junger Mensch, der sich eine Windel anzieht, um „störungsfrei“ World of Warcraft spielen zu können, hat auch eine Eigenverantwortung. Ich denke da auch an gewisse andere Suchtkranke. Irgendwann ist einfach nicht mehr die Mutter Schuld an allem. Das wäre zu bequem.

7 12 2009
retrakon

Es stimmt, dass Menschen irgendwann selbst für ihr Handeln und ihren Charakter verantwortlich sind, aber damit es überhaupt soweit kommt, dass sich Jugendliche Windeln anziehen, um nicht vom Bildschirm verschwinden zu müssen, braucht es jahrelanges Nichtkümmern so genannter Eltern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: