Was stimmt hier nicht? (Folge 1)

4 12 2009

Wenn man sich die Entwicklung des Schul- und Bildungswesen der letzten Jahre ansieht, dann stellt man fest, dass im Primar- und Sekundarbereich, also bis zur Matura/zum Abitur, immer mehr Wahl- und Wahlpflichtfächer angeboten werden. Damit soll den Schülern das eigenständige, nach persönlichen Bedürfnissen und nach persönlichen Fähigkeiten orientierte Entscheiden näher gebracht werden. Ob ein 12-jähriger Schüler aber tatsächlich in der Lage ist, abzuschätzen, welche Fächer und Inhalte für sein späteres Leben Bedeutung haben werden, sollte noch diskutiert werden. Auf der anderen Seite beklagen immer mehr Studenten und Professoren die Verschulung der Universitäten. In diesem Bereich geht man also genau den umgekehrten Weg. Aber gerade hier sollte sich neben der Freiheit der Lehre auch die Freiheit des Lernens entfalten dürfen. Ich finde es wichtig, dass junge Menschen bis zur Reifeprüfung eine möglichst breite Allgemeinbildung erhalten, über die sie nicht selbst entscheiden dürfen (oder nur in sehr eingeschränktem Maße). Dafür sollten aber danach die Bildungsinhalte nur in Grundzügen, nicht aber im Detail vorgegeben werden. Zuerst muss man sich eine Basis aneignen, danach kommt das eigenständige Forschen.

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3 responses

4 12 2009
feydbraybrook

Die Gegenfrage ist: wie soll man eigenständig forschen, wenn man das nicht von klein auf lernt?

Selbständigkeit ist kein endogener Prozeß, der wachstumsbedingt plötzlich einsetzt, sondern vielmehr eine Kulturtechnik, die erlernt werden muß.

Dennoch kann es gut sein, daß ein 12-jähriger hierzulande dazu noch nicht in der Lage ist. Die Gründe dafür sollte man jedoch im Schulsystem suchen, welches immer noch den Frontalunterricht praktiziert.

Stattdessen stellt man fest, daß das Bildungsziel nicht erreicht wird, und anstatt das Schulosystem zu ändern, wird es auf den Elementar- und inzwischen auf den Krippenbereich ausgedehnt. Kindergärten sind neuerdings „Bildungseinrichtungen“…

Dazu:

http://feydbraybrook.wordpress.com/2009/12/03/krippe-kindergarten-grundschule-gymnasium-studium-kinder/

5 12 2009
retrakon

Diesen Verallgemeinerungen kann ich nicht zustimmen. Natürlich soll man von klein auf lernen, bewusst und überlegt Entscheidungen zu treffen. Aber dafür gibt es genügend Gelegenheiten im Alltag. Das sind dann auch Entscheidungen, die dem Alter und dem Wissensstand der jeweiligen Schüler angemessen sind. Sich zum Beispiel mit 14 Jahren ein Fächerbündel zusammenzustellen, von dem man glaubt, es decke die Bedürfnisse der eigenen Zukunft ab, ist utopisch. Das heißt nicht, dass es nicht eine gezielte Förderung spezieller Fähigkeiten und Talente geben soll; ganz im Gegenteil. In das Entscheidungen-Treffen muss man hineinwachsen, das stimmt, aber das bedeutet auch, dass man mit kleinen Dingen beginnt und sich dann „hocharbeitet“. Als jemand, der tagtäglich mit Schülern zu tun hat, kann ich anmerken, dass Entscheidungsfreude, Entscheidungswille und Entscheidungsfähigkeit in den letzten Jahren nicht zugenommen, sondern abgenommen haben. Immer mehr Maturanten/Abiturienten, die keine Ahnung haben, was sie mit ihrem Leben anfangen können und sollen – dabei gab es nie mehr Möglichkeiten als heute. (Dass die Verschulung des Kindergartens äußerst fragwürdig ist, darum ging es in meinem Beitrag zwar nicht, ich stimme dem aber zu.)

7 12 2009
wiesion

ich bin zwar kein pädagoge und möchte hier auch nicht als solcher auftreten, aber ich finde das angebot zu mehr autonomie und verantwortung werden wahrscheinlich auch nur jene schüler wahrnehmen, denen bewusst ist, was sie damit tun. den anderen wird wahrscheinlich von den eltern bzw. den lehrern nahegelegt, was sie wählen sollten. trotz allem sollte die allgemeinbildung nicht zu kurz kommen – und die kann auch nur grob sein, denn wenn sich jemand für etwas im detail interessiert, wird er auch seinen arsch hochbringen und ein paar zeilen von sich aus lesen wollen/können.

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