Realtime und einige Gedanken dazu

3 12 2009

Schon wieder Anmerkungen zur Zeit und dem Zeitbegriff, werden sich einige denken. Als der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Frau Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo ermordert wurde, veröffentlicht der „Tiroler Volksbote“ auf seiner ersten Seite einen Artikel mit dem Titel „Der Mord am Thronfolgerpaar“. Das interessante an der ganzen Sache ist, dass die Zeitung am 10. Juli (!) 1914 erschienen ist. Zwischen Ereignis und Berichterstattung lagen zwei Wochen. Gut, andere Zeitungen haben natürlich sofort am nächsten Tag darüber berichtet, anderes würde man auch nicht erwarten. Durch die Segnungen der modernen Technik wird es möglich, immer weniger Zeit zwischen Vorgefallenem und Berichterstattung verfließen zu lassen. Ja, es ist sogar möglich, in realtime, in Echtzeit zu berichten – von jedem Punkt der Erde für alle Menschen mit einem entsprechenden Zugang. Bemerkenswert finde ich diesbezüglich, dass der 31-jährige Dana Hanna während seiner Hochzeitszeremonie das Handy herauszieht und kurz vor dem entscheidenden Kuss zu filmen beginnt, das Video online stellt und gleichzeitig seinen Status auf Facebook verändert. Auch für seine Frau Tracey, die von der Aktion nichts wusste, hat er das Handy mitgebracht, damit sie ebenfalls ihren Status ändern konnte. Es fehlt nun nur noch eine Berichterstattung vor den Ereignissen selbst. Sozusagen in Überlichtgeschwindigkeit.