Verjährt Zeit?

2 12 2009

Der Münchner Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk beschäftigt mich seit einiger Zeit. Die Frage, die angesichts eines 89-jährigen, anscheinend kranken Angeklagten auftaucht, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solch späten Ahndung. Viele behaupten, man sei es den Opfern schuldig und ein solches Vergehen dürfe niemals verjähren; viele behaupten aber auch das Gegenteil. Doch die Prozesse um längst vergangene Naziverbrechen gehören nur zu einer Gruppe solcher Dilemmata. Wie viel Zeit muss vergehen bis es sinnlos wird, eine Tat zu ahnden, ein Ereignis zu revidieren, eine Situation zu akzeptieren? Wie ist das mit politischen Konstellationen? Schottland, Nordirland, Südtirol, Baskenland, Kurdistan, Zypern etc. (wobei alle hier aufgezählten Beispiele ihre ganz speziellen Eigenheiten haben). Ist irgendwann so viel Zeit vergangen, dass eine Revision vergangenen Unrechts noch mehr Unrecht schafft? Und wer entscheidet, was durch die Zeit relativiert wird und was nicht?

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