Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen?

28 11 2009

In Roland Emmerichs Blockbuster „2012“ wurde der Weltuntergang sehr plakativ dargestellt. Ich muss zugeben, dass viele Szenen tatsächlich beeindruckend waren. Selbstverständlich war alles stark übertrieben, ein Klischee wurde an das andere gereiht und letztes Endes ist der Film nicht mehr aber auch nicht weniger als eine Enzyklopädie der Katastrophenfilme. Zweieinhalb Stunden Kinospaß ohne tieferen Hintergrund. Muss auch einmal sein. Eine Sache hat mich aber doch zum Nachdenken getrieben. Die Sixtinische Kapelle zerbricht an der schönsten Stelle, der Petersdom wird computergraphisch aufgebröselt und rollt dem Zuseher entgegen, aber die Produzenten haben sich nicht darüber hinausgesehen, die Kaaba zu zerstören. Geplant war die Szene, aber sie kam nicht in den Film, wahrscheinlich wurde sie nicht einmal gedreht. Zu gefährlich, hieß es. Das sagt sehr viel aus.

Advertisements

Aktionen

Information

3 responses

28 11 2009
Selma

Ja, aber was genau sagt es aus? Doch nicht viel mehr als dass „wir“ (ich pauschalisiere mal) mehr Angst vor Moslems haben als vor Christen, oder? Ob diese Angst berechtigt ist oder nicht, ist eine andere Frage. Ich weiß von Christen, die mit Flugzetteln und apokalyptischen Drohungen auf Filme wie „Da Vinci Code“ oder – schlimmer – Life of Brian reagiert haben. Gut, Life of Brian ist ein Weilchen her. Trotzdem: Wir glauben heute, das Christentum sei toleranter, menschenfreundlicher, kurz, einfach „besser“ als der Islam. Welche Beweise haben wir dafür? Weder der 11. September noch andere Attentate sind „vom Islam“ ausgegangen – hier waren Islamisten am Werk. Vor Islamisten fürchten wir uns wohl zu Recht. Sind diese aber wirklich gefährlicher als so manche christliche Fundis? Ich zweifle. Natürlich muss die Frage gestellt werden: Gefährlicher für wen? Global – ganz abgesehen von historisch – betrachtet hat das Christentum keinen Grund, sich für die bessere (oder gar beste!) Religion zu halten. Kommt der Einwand, es gäbe kein „das Christentum“? Es gibt auch keinen „der Islam“. Verschleierte Frauen und zwangsverheiratete Kinder machen uns Angst. In der Ehe vergewaltigte Frauen und verprügelte Kinder aber auch. Und diese zweite Variante passt bei manchen Christen sehr wohl zum Weltbild. Nicht jede Muslimin steckt in der Burka. Nicht jede Christin ist frei. Nicht jeder Muslim wäre bereit sich für eine im Film zerstörte Kaaba selbst in die Luft zu jagen. Nicht jeder Christ toleriert einen gekreuzigten Frosch im Museum.

29 11 2009
retrakon

Da haben wir uns anscheinend missverstanden. Ich meinte ganz etwas anderes. Ich glaube nämlich auch nicht, dass viele Christen wesentlich toleranter sind als Muslime. Ich denke aber, dass die Zerstörung des Petersdoms im Unterschied zur Kaaba nur deshalb kein Problem ist, weil die meisten Menschen im „christlichen Kulturraum“ ohnehin keinen oder kaum Bezug zu „ihrer“ Religion haben. Wenn die Bedeutung nicht da ist, kann man sie auch nicht zerstören.

29 11 2009
Selma

Tja. Der Petersdom ist halt: der Papst. Und der ist nicht für alle das geistliche Oberhaupt. Nicht einmal für alle Katholiken. Anders als bei der Kaaba. Der Islam ist sehr stark verortet – man bedenke, dass man, um den Koran „wirklich“ lesen zu können, arabisch sprechen können müsste… Das Christentum hat es „schlauer“ angestellt und ist jetzt überall daheim – hat sich auch in jede Kultur so ein bisschen „eingekauft“. Siehe Vodoo…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: