Lernen besser als dopen

15 11 2009

Der Kognitionswissenschaftler Ralph Schumacher kritisiert so genannte Neuro-Enhancer, also Medikamente, die bei Gesunden das Lernen verbessern sollen. Einige Aussagen dazu:
1. „Bis heute gibt es noch keinen einzigen Neuro-Enhancer, dessen Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Die Anzahl der bislang durchgeführten Studien ist sehr klein. Bis heute ist das Thema in erster Linie ein Medienhype.“
2. „Es besteht sicher die Gefahr der Abhängigkeit, wenn der Körper Stoffe, die für den Lernprozess und die Aufmerksamkeit notwendig sind, wie zum Beispiel Dopamin, nicht mehr ausreichend selber produziert, weil diese ständig extern zugeführt werden. Auch die Überdosierung ist ein Thema: Wer sagt, wie viel ich von einem Wirkstoff einnehmen soll, damit ich die anschliessende Prüfung hellwach überstehe?
3. „Nach der Einnahme fühlen sich die Meisten leistungsstark und mächtig. Tests mit Studierenden haben jedoch gezeigt, dass diese sehr impulsiv und fahrig werden, mit dem Lösen von Aufgaben beginnen, bevor sie überhaupt alle relevanten Informationen haben und sich am Ende selbst überschätzen. Ihre Leistungen waren daher schlechter als die Leistungen der Placebo-Gruppe.“
4. „Auch hat sich gezeigt, dass Leistungsunterschiede bei Jugendlichen unter bestimmten Umständen mehr mit Selbstdisziplin als mit Intelligenz zu tun haben. Kompetenzen zur Selbststeuerung lassen sich ebenfalls gezielt lernen.“
Das vollständige Interview gibt es hier.

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2 responses

15 11 2009
Selma

Erstaunliches Fazit: „Ohne Anstrengung geht es nicht.“ Da bin ich ja mal wirklich platt. Oder wie war das mit den Obamas und dem Papst… ? Was mich aber noch mehr platt macht: Gewisse Unübersehbarkeiten scheinen sich nicht überall herumzusprechen. Und dann brauchen wir sie also doch, die an der Liebe arbeitenden Obamas und das Lernen erforschende Neurologen, auch wenn ihr Erkenntnisgewinn uns am Ende nicht weiterbringt. Wir sind genau da, wo wir vorher waren – aber wenigstens wissen wir jetzt, woran das liegt. Ohne Anstrengung geht es nicht.

16 11 2009
wiesion

ich bin keineswegs verwundert ob dieser „hirndoping“-methoden. in unserer pseudohumanistischen gesellschaft wird nur allzugerne die forderung der menschen-gleichwertigkeit mit der förderung der menschen-gleichmacherei verwechselt.

es gibt einige bekannte aphorismen, die den kern der sache treffen. darunter „quod licet iovi non licet bovi“ oder „kunst kommt von können, nicht von wollen: sonst hiess es wulst“.

wenn man sich den grossteil der zeitgenössischen kunst ansieht, könnte man fast auf den gedanken kommen, dass dies die ära der wülstlerisch veranlagten ochsen ist…

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