Die böse Maus

6 11 2009

Micky Maus ist langweilig. Und mit Langeweile kann man kein Geld verdienen. Deshalb entschied der familienfreundliche Disney-Konzern, ihr Aushängeschild aufzupeppen (oder abzupeppen, wie man es sehen will). Im Computerspiel „Epic Mickey“ bewegt sich nun die Figur durch eine kaputte Comic-Welt, die von kaputten Comic-Figuren bevölkert wird. Wunderbar. Warren Spector, einer der Erfinder dieser neuen Maus, wollte ihr die Möglichkeit geben, böse zu sein. Das klingt im Prinzip sogar plausibel. Aber wahrscheinlich hat er einfach zuviel „A Clockwork Orange“ gelesen oder geschaut und möchte jetzt Gott spielen.

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7 responses

6 11 2009
Wieser

Anscheinend musste Diney auch erkennen, dass es wohl nichts langweiligeres gibt, als eine Person, in diesem Fall eine Maus, der immer alles sofort gelingt, die überall beliebt ist und ethisch immer richtig handelt. Aber warum sind solche erfundene Charaktere so unbeliebt? Ganz einfach, weil sie es im realen Leben auch wären. Das Ganze klingt so unrealistisch, weil einfach niemand in allem perfekt ist, im Gegensatz zur Maus. Daher wohl die Beliebtheit von Donald, dem ewigen Pechvogel. Menschen können sch mit solchem Figuren viel besser identifizieren und finden sie daher viel sympatischer. Der sogenannte Anti-Held, wie auch Homer Simpson einer ist. Fehler zeichnen einen Menschen, was wäre ein Mensch ohne Fehler? Total langweilig? Wahrscheinlich, und das trifft auch für Micky zu, deshalb gingen auch die Verkaufszahlen mit seinem Image zurück. Deshalb versucht Disney ihm jetzt ein anderes Image zu verpassen, ob dies wirtschaftlich gut asugeht, ist unsicher. Wenn Autoren zuviel an ihren Charakteren herumpfuschen, kann es oft passieren, dass sie sie völlig entfremden und genau das Gegenteil erreichen, und zwar, dass sie noch unbeliebter als vorher wird.

7 11 2009
Selma

Ob das klappt? Natürlich, in seinen Anfängen war Mickey eine anarchische, bösartige Figur. Mittlerweile aber hat sich ein gewisses Bild von ihm etabliert. Wir glauben zu wissen, wie Mickey funktioniert. Ebenso, wie wir Donald zu kennen glauben oder Dagobert. Figuren, die „sotto sotto“ eigentlich Gutmenschen sind (wenn man das so sagen kann). Mit Disney war man immer auf der sicheren Seite. Die echten Anarchos, das waren Warner und Co., die etwa mit Duffy Duck einen Anti-Donald geschaffen haben. Mickey auf böse – das finde ich interessant als Experiment. Ob so etwas angenommen wird? Vom jungen Publikum, das keine Mickey-Tradition hat, möglicherweise ganz anders als von Leuten, die mit dem knopfäugigen Spießer samt dazugehörigen Figurenrepertoire aufgewachsen sind. MIckey als Brutalo, Goofy als lädierter Robocop – das kann in seiner grotesken Entfremdung tatsächlich Spaß machen. Aber Mickey Mouse steht schon längst nicht mehr nur für sich. Er ist zum Symbol einer ganzen Kultur geworden – der properen US-amerikanischen nämlich, für die Disney wie kaum ein anderern Unterhaltungskonzern steht. Wie der Bedeutungstransfer in diesem Bezug vonstatten geht, ist sicher spannend zu beobachten. Mickey ist keine richtige Figur mehr, schon lange nicht mehr. Mickey ist ein Logo, eine Marke. Und mit Mickey ist deswegen schon immer gespielt worden – von Künstlern, welche die Maus schon viel früher als böse, hässlich, kaputt dargestellt haben. Mutig – oder berechnend – dass das nun der Konzern selbst übernimmt. Klar, man muss auch das Medium mitberücksichtigen: Wir sprechen hier von einem Computerspiel (für Wii!! Auch das bemerkenswert!). Möglich, dass es durchaus klappt. Die paar Artwork-Sachen, die man sich schon ansehen kann, sehen vielversprechend aus und erinnern mich an die Ästhetik gewisser japanischer Anime (und zugleich auch Computerspiele). Warum nicht? Comicfiguren ändern sich. Bei Batman hat es geklappt – nach den fast schon peinlichen Filmchen mit Batman und Robin war „Batman Begins“ ein furioser Neustart, „Dark Knight“ für viele ein Höhepunkt. Mickey war schon böse. Er war Detektiv und schlau, er war Fischer und dumm. Die Disneyfiguren sind – wir akzeptieren das – „Schauspieler“, die in verschiedene Rollen schlüpfen. Sicher, sie waren nun seit Jahren auf bestimmte Rollen abonniert. Andererseits: Wenn einer wie Robin Williams den Psychopathen spielt, dann tut es richtig weh (siehe One Hour Photo und Insomnia). Bleibt abzuwarten, wie böse der „böse Mickey“ wirklich wird.

8 11 2009
Dr.Mabuse ,der Spieler

Naja irgendwie musste sich auch Mickey und seine Freunde an den Zahn der Zeit anpassen oder „mitmischen“ … Wo früher zum Teil das Friede ,Freude , Eierkuchen – Prinzip durchgeschlagen oder auch gelebt wurde ,fühlen sich heute die Menschen in einer Endzeitstimmung oder werden in medialer Form darauf hingepusht ( 2012 – Doomsday , The Road , Carriers u.v.a. ) . Da darf natürlich das Disney-Logo nicht fehlen . Sieht man sich z.b. Der Fuehrer´s face an merkt man schnell ,dass Disney bei Propaganda-Aktionen kräftig mitmischt . Jetzt nehmen wir unsere Zeit , mit all den „vielleicht“ atomare Bedrohungen , mit der Pandemie , mit dem Enden des Maya Kalenders ,mit der Wirtschafts- und Finanzkrise und wenn auch mittlerweile nicht mehr so aktuellen ,dennoch „vorhandenen“ Klimakrise , ist es klar in welche Richtung wir bewegt werden sollten .
The Walt Disney Company ist ,wie der Name schon sagt ,ein Konzern und für Konzerne ist das einzige Relevante … „Profit“ . Da kann doch keine Mickey Mouse ,in einer Zeit voller apokalyptischer Vorzeichen ,ein „Tralala“-Gesicht aufsetzen . Es bleibt nur zu sagen :“ Eine Gesellschaft geht dann unter, wenn das primäre Motiv für ihre Handlungen Angst ist. Angst ist zu einer Art Leitwert unserer Kultur geworden. Dass KINDER sich von Angst leiten lassen, ist verständlich. Erwachsene sollten dagegen gelernt haben, mit ihren Ängsten umzugehen. Angsthasentum ist hierzulande ein medial geförderter Breitensport. “ P.S. : Wie immer ist die Satzzeichensetzung intuitiv 😉

8 11 2009
retrakon

Es ist interessant, dass du auf die Satzzeichensetzung hinweist. Es ist nämlich kaum eines an der richtigen Stelle, vor allem die Leerzeichen. Das muss man erst einmal schaffen. 🙂 Auf allen Fälle: Danke für deinen Kommentar, Dr. Mabuse. Ich stimme dir zu, dass auch ein so „familienfreundlicher“ Konzern wie Disney am Ende des Quartals Profit braucht. Die Frage ist, ob Figuren, die eine 180°-Drehung machen, beim Publikum noch ankommen (wer erinnert sich schon, wie Micky in der Anfangszeit war?). Auf der anderen Seite, eine völlig neue Figur einzuführen, ist ebenso schwierig. Ich mochte Micky ohnehin nie besonders. Tick, Trick und Track waren mir viel lieber. Die hatten das „Schlaue Buch“ und Antworten auf jede Frage. 😉

9 11 2009
Dr.Mabuse ,der Spieler

Hehe, Nichts ist unmöglich und auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn ;-).
Das schlaue Buch ist interessant, würde das Leben aber sehr langweilig machen. Wär doch schade, wenn man bei jeder Situation die Antwort schon parat hätte und nie selbst nachdenken müsste. =)
Ich denke eingefleischte Fans werden auch mit diesem Mickey fertig ,denn wie schon geschrieben wurde er oder sie so oft hergenommen und in verschiedensten Formen gegeben, dass es schon zur Routine von Disney gehört. Zudem hat man ja die Auswahl, ob gut oder böse, also kann Mickey auch seine gewohnten Gang als gesittete Maus weitergehen.
Hingegen werden neue Anhänger schwieriger zu finden sein als zuvor , denn dieses Szenario ist massig vorhanden und könnte daher nur zufällige Beachtung bekommen. Dennoch geht Disney wieder Mal mit der Zeit.

9 11 2009
wiesion

http://www.southpark.de/alleEpisoden/1301/ ausgesprochen satirisch, deswegen sehens- und lobenswert 😉

ich glaube, dass das phänomen des nichtgoutierens der charakter-änderung verschiedener comic-figuren durchaus auf das menschliche übertragbar ist: wir lernen nicht allzugerne über andere um (zb. „einmal verbrecher, immer verbrecher“), glauben nicht an änderung (da diese nur in den allerseltensten fällen nachhaltig eintritt und oftmals bloss durch mode oder schuldgefühlen – also zeitlich begrenzten motiven – motiviert ist). charakter-entwicklung im kleinen masse wird schon eher akzeptiert, aber es sollte eine linie erkennbar sein, an welcher man die entwicklung nachvollziehen kann, sonst ist kein charakter mehr erkennbar und es degradiert zum xbeliebig austauschbaren und veränderbaren: was wir menschen unter keinen umständen sein wollen; letzteres nicht mal sein können.

@dr. mabuse
wieso sollten kinder „von natur aus“ angst haben? ich gehe davon aus, dass kinder furchtlos und respektlos (als auch gottlos) zur welt kommen, erst die äusseren einflüsse und die eigene stärke/schwäche entscheiden was dabei rauskommt – angsthasen sind ein resultat, keine voraussetzung. trotzdem stimm‘ ich dir zu, das „angsthasentum“ ist mittlerweile ein breitensport geworden: dreihundertmeterbetroffenheitsbetschwesterkraulen, scheinheiligkeitsdreikampf, gleichberechtigungsball, selbstbemitleidungsweitwurf und jammertalnacktwandern als dessen olympische disziplinen.

soll man dann noch empört sein, wenn es menschen gibt, die sich mehr mit tätern identifizieren können, als mit opfern? für erstere mehr verständnis und empathie aufbringen als für letztere? wie? lieber eine heitere tragische handlung, als ein lebenslanges wachkoma? in diesen menschen ist der drang nach freiheit und taten grösser als jener nach absoluter sicherheit und der gleichmacherei allen und alles – oder aber sie sind einfach rebellische polemiker 😉

10 11 2009
Dr.Mabuse ,der Spieler

@ Wiesion
Hier wurden Äpfel mit Birnen verwechselt. Ich habe nie geschrieben, dass Kinder von Natur aus Angst haben, wobei ich der festen Überzeugung bin das Angst zur Natur gehört, sondern dass Kinder sich von Ängsten leiten lassen. Dies bedeutet wenn die Angst bereits existent oder aktiv ist, verhalten sich die meisten Kinder natürlich nicht erfahren genug um Herr ihrer Folgeaktion bzw. Reaktion zu sein.
Deshalb sollten Erwachsene den Kindern beibringen mit ihren Ängsten um zu gehen.

Leider ist in Italien die Southpark Serie unter copyright und kann nicht angesehen werden. *heul* 😉

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