Ist Cannabis harmloser als Alkohol?

5 10 2009

Das Forschungsinstitut INEIDFO hat in einer Umfrage, für die 2.500 Personen befragt wurden, das folgende – wenig überraschende – Ergebnis erhalten: 89 % der Befragten sind der Meinung, dass von Alkohol im Unterschied zu Cannabis ein mittleres oder hohes Risiko ausgehe. Deshalb bevorzuge man „Grünes“. Das mag ja sein. Aber wenn ich Schüler frage, ob sie der Meinung sind, dass Lehrer zu streng, zu langweilig oder zu parteisch sind, dann werde ich ein ähnliches Ergebnis erhalten. Ich frage mich, warum Studien in Auftrag gegeben werden, bei denen Menschen nach ihrer subjektiven Meinung gefragt werden, wenn dies überhaupt nicht zum untersuchten Thema passt. Es ist so, als macht man damit Werbung, dass sich einige „zufällig“ ausgewählte Menschen vor laufender Kamera nach der Einnahme eines bestimmten Joghurts besser fühlen.

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6 responses

5 10 2009
Selma

Ich gebe dir recht, was die zweifelhafte Seriosität einer solchen Umfrage betrifft. Man kann es aber auch versuchen, positiv zu sehen: Immerhin wird Alkohol von 89 % der Befragten nicht verharmlost (hätte ja auch so ausgehen können)… Ob ich selbst Cannabis für harmloser als Alkohol halte? Ich halte nichts von Drogen. Sie sind zerstörerisch. Und ob nun die Pest oder die Cholera schlimmer ist – es bleibt eine Wahl zwischen Skylla und Charybdis. Es gibt nichts zu gewinnen.

6 10 2009
wiesion [ch]

naja… die umfrage ist recht amüsant. würden sie alkoholiker die frage umgekehrt stellen wär das ergebnis dasselbe aber umgekehrt 😉

interessanter hätte ich eine konkrete fragestellung gefunden, was ist in welchen bereichen schädlicher? die schädigung am körper, im sozialen, in der entwicklung.

die körperliche schädigung ist bei alkohol mit grösster sicherheit weit verheerender als die von cannabis. alkohol bereitet dem körper vergiftungserscheinungen und muss auch mittels enzymen wieder abgebaut werden; leber, nieren, magen und hirn werden physisch über längere geschädigt, teils irreparabel.
bei cannabis sieht das ein wenig anders aus – vorausgesetzt man denkt nicht an den tabak mit dem es in europa vor dem konsum gemischt wird – der hauptwirkstoff thc dockt an denselben rezeptoren wie arachidonylethanolamid an, das sowohl in der schokolade vorkommt als auch ein endogener stoff ist. die körperliche langzeitschädigung durch cannabis ist wohl nicht gegeben.

dass dies allerdings auswirkungen auf die psyche hat kann man nicht abstreiten. wenn man zb. nach einer bestimmten leistung schokolade oder einen joint zu sich nimmt, hat das einen bestimmten belohungseffekt, da es gelassenheit und zufriedenheit auslöst; gewöhnt man sich allerdings an, zu jeder tageszeit und ohne anlass zu konsumieren, wird man sicherlich mit der zeit diesen zustand als standard und alles „darunter“ als langweilig bzw. verschwendete energie empfinden. die auswirkung auf die psyche ist allerdings sehr subjektiv und hängt in erster linie von der motivation ab; manche konsumieren aus verdruss oder verzweiflung, andere weils einfach spass macht usw usf.

aber im prinzip gilt hier auch wieder die regel „die dosis macht das gift“. man kann drogen geniessen, man kann sie aber auch missbrauchen. man kann sie auch unterschätzen und allzu leichtfertig mit ihnen umgehen – und umso härter die droge wirkt desto schwieriger wird es mit ihr umzugehen.

6 10 2009
retrakon

Dazu passt folgendes (abgedroschene) Paracelsus-Zitat: „Alle Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding‘ kein Gift ist.“ Er wird damit recht haben. Aber wie stellt wer die richtige Dosis fest? Geht das nicht nur, wenn man von einem allgemein anerkannten Wert wie zum Beispiel Gesundheit (was immer das heißt) ausgeht? Und ich meine damit nicht nur, dass der eine mehr und der andere weniger von etwas verträgt.

6 10 2009
wiesion [ch]

gesundheit – zumindest die seelische, welche ja sehr starken einfluss auf die körperliche hat und umgekehrt – ist am ende nichts weiter als die sammlung von affekten und umständen die auf ein subjekt einwirken und wie es mit diesen umgeht.

wenn mans genau nimmt, dann ist der mensch prädestiniert für drogenabhängigkeit – nicht, weil dem so ist, sondern weil die heutige moral verlangt, dies so zu sehen. kaffee, cannabis, alkohol und viele weitere stoffe, aber auch aktivitäten wie radfahren oder muskelaufbautraining können zur droge werden – dass dies aber die ausnahme und nicht die regel ist, wird selektiv je nach interesse der bestimmenden herausgepickt. man betrachte alleine die historie des cannabis‘ in europa und den usa, dort wurde es nicht nur einseitig ausgelegt sondern gelogen was das zeug hält, um irgendwelch fragwürdigen interessen gerecht zu werden.

dass aber – dieses marginal vorkommende – suchtverhalten eine wirkung ist und keine ursache, ist auch heute noch vielen nicht bekannt. ich frage mich häufig, ob es eigentlich noch im interesse der menschen liegt, die ursachen zu erkennen oder ob es nur darum geht, sich besser als andere zu fühlen, indem man auf die wirkung zeigt und diese verurteilt…

7 10 2009
retrakon

Ich muss zugeben, ich bin nicht sicher, ob ich dich genau verstanden habe. Deshalb beginne ich teils ganz antithetisch und stelle ein paar Dinge durch Fragen in Frage:
1. Worin liegt der Unterschied zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit? Wenn Psychopharmaka gegen psychische Leiden helfen, dann ist es doch wieder der Körper, der ein Problem hat.
2. Wenn ich an einen Vortrag von Manfred Spitzer denke (und mich richtig erinnere), dann sind Menschen tatsächlich organisch suchtprädestiniert (Sucht=Lust=Lern-Zentrum), also ist es nicht nur die heutige Moral – obwohl ich dir zustimme, dass Drogenkonsum heute generell weniger problematisch gesehen wird als früher. Schließlich ist jeder von etwas abhängig.
3. Ich glaube nicht, dass Menschen nach Ursachen suchen, wenn die Symptome, also die Wirkungen durch irgendetwas beherrschbar werden.
Oder wie war der letzte Absatz zu verstehen?

7 10 2009
wiesion [ch]

ich muss auch zugeben, dass ich nicht immer verständlich schreibe 🙂

1. der zusammenhang geht bis in einen gewissen bereich; wenn ich zb. mit giftigen stoffen in kontakt gekommen bin, dann wird das auch auf die ein oder andere art auf die psyche wirken. andrerseits wird mich lebensmüdigkeit und unzufriedenheit anfälliger für physische einflüsse machen. ich gehe hier nicht von empirisch belegbaren fakten aus, sondern so wie mir das mein „inneres auge“ sagt.
ich bin einverstanden mit dir, dass die seele nicht etwas im körper sondern etwas am körper ist; aber trotzdem, die psychopharmaka löst physische reaktionen aus (unterbindung bzw. förderung der ausschüttung gewisser stoffe), die sich in der psyche manifestieren – das ist meistens reine symptombekämpfung, die ursache aber wird häufig eine psychische sein.
ein beispiel: das burnout-syndrom kann auch mit psychopharmaka „behandelt“ werden. dass dies aber nur symptombekämpfung ist, sollte soweit klar sein; dieses psychische problem hat den ursprung in der lebenseinstellung oder den lebensgewohnheiten/umständen und kann auch nur dort längerfristig gelöst werden.
nietzsche hatte dazu einen netten aphorismus: „zufriedenheit schützt selbst vor erkältung. hat je sich ein weib, das sich gut bekleidet wusste, erkältet? – ich setze den fall, dass es kaum bekleidet war.“

2. ich weiss nicht, ob ich irgendwie die ganze geschichte falsch sehe, aber ich habe das gefühl, dass eher das gegenteil der fall ist – mit dem voyeurismus der heute keine grenzen mehr kennt und der vorherrschenden moral wird drogenkonsum automatisch mit problemen und asozialität gleichgestellt… und mit diesem skandalsüchtigen voyeurismus bekommt das marginale den anschein des alltäglichen.

3. das ist so ca. das was ich damit sagen wollte. die symptome werden prioritär behandelt und thematisiert, an diesen stören sich die leute, nicht an den ursachen. was ja die eigentliche moral der gesellschaft offenlegt.

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