Die Globalisierung des ohnehin Globalen

31 10 2009

Das Internet gilt gemeinhin als Paradebeispiel für Weltverbindendes, sozusagen als Prototyp des Globalisierten. Dabei vergisst man, dass Internet-Adressen bisher nur aus lateinischen Buchstabenkombinationen (und eventuell arabischen Ziffern) bestehen dürfen – ohne dass dies eine Selbstverständlichkeit wäre. Die ICANN, die für die Vergabe von Domainnamen zuständig ist, hat nun beschlossen, ab Mitte November Domains mit nicht-lateinischen Zeichen zuzulassen. Wir werden uns in Zukunft also mit chinesischen und thailändischen und vielen anderen Symbolen abmühen. Ich bin schon gespannt, wie „http://www“ auf Kambodschanisch aussieht und welche Finger-Verrenkungen man auf der Tastatur vollbringen muss, um ขยันเปลี่ยนรูปนะ เอารูปเค้าขึ้นบ้างสิ อิอิ einzugeben. Noch etwas ganz anderes: Nazis haben es in Deutschland nicht geschafft, sich http://www.kz.de und http://www.ss.de zu reservieren. Vielleicht sind die mit nicht-lateinischen Zeichen schneller. Aber passt das zur Ideologie?

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Wie www.350.org Supermodels strippen lässt, um auf die globale Erderwärmung hinzuweisen oder Mit nackter Haut kann man auf alles aufmerksam machen

30 10 2009




Blow Up fürs 21. Jahrhundert

29 10 2009

Auf der Seite www.blick.ch ist ein einminütiges Video eingebettet, auf dem – so scheint es – Osama bin Laden zu sehen ist. Es wäre damit die erste Aufnahme seit über zwei Jahren. Dem Video würde damit ein wenig mehr Bedeutung zukommen als den anderen Botschaften, hieße es doch, dass der meistgesuchte Terrorist der Welt noch am Leben ist (wofür nicht allzu viel spricht). Die ganze Angelegenheit erinnert mich ein wenig an „Blow Up“, Michelangelo Antonionis meisterhaftem Film aus dem Jahre 1966 (Filmtipp!). Man sieht sehr viel, wenn man etwas sehen will. So wird die Kamera zu einem erweiterten Auge. Und Videoclips im 21. Jahrhundert zur erweiterten „Realität“.





Ein wenig mehr Idealismus und ein bisschen weniger Prostitution

28 10 2009

Wer die Berichterstattung rund um die 1. Südtiroler Volksabstimmung verfolgt hat, dem wird die Diskussion über die hohen Aufwandsentschädigungen für Auslandssüdtiroler nicht entgangen sein. Es ist schon ein verqueres System, im dem staatsbürgerliche Selbstverständlichkeiten eigenes honoriert werden müssen. Natürlich ist es verständlich, dass zum Beispiel eine Anreise von 1000 km für ein Referendum, bei dem von vornherein nicht klar war, ob das nötige Quorum überhaupt erreicht wird, nicht von allen auf sich genommen wird. In diesem Fall sind Vorwürfe unangebracht. Wenn aber der ausländische Heimatort oft nur wenige Kilometer hinter der Grenze liegt und ganze Familien, oft ohne genau zu wissen, worüber abgestimmt wird, die Fahrtkostenrückerstattung in Anspruch nehmen, dann ist die Liebe zur Demokratie und ihren Prinzipien kaum mehr wert als das Liebesgesäusel einer Prostituierten. „prostituere“ heißt im Lateinischen auch „preisgeben“. Eine aufgeklärte, staatsbürgerlich vernünftige Haltung wird hier mit Sicherheit der Lächerlichkeit preisgegeben. Doch die Praxis, sich Selbstverständlichkeiten zu erkaufen, liegt im Trend. Wenn französische Schüler für einen regelmäßigen Schulbesuch finanziell belohnt werden (statt dass Schwänzer belangt werden) oder anderenorts Schüler für jede Anstrengung mit Reisen geködert werden, dann wird jede idealistische Gesinnung untergraben oder ausgelöscht.





Die verlorene Kindheit oder Die spinnen, die Briten

27 10 2009

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Das ist in Ordnung. Wer nichts leistet, gehört nicht dazu. Darüber kann und soll man diskutieren. Wenn ich aber lese, dass in Großbritannien bereits Siebenjährige ihre Karriere planen sollen, dann mutiere ich unfreiwillig zum Hippie. Und mit Hippies hatte ich nie etwas am Hut, noch wollte ich, dass es so war. Das ganze erinnert mich ein wenig an Neil Postmans 1987 erschienene Buch „Das Verschwinden der Kindheit“. Wenn Kinder nicht mehr Kinder sein dürfen, wenn sie den ganzen Druck, der auf Erwachsene lastet, schon im Grundschulalter spüren, dann läuft etwas falsch. Und vielleicht ist das auch ein Grund, wieso sich andererseits heute immer mehr Erwachsene weigern, erwachsen zu werden. Ein schönes Paradoxon. Dem britischen Bildungsminister Ed Balls sage ich nur eines: Che balle!





Ein kleiner Erfolg in der EntMcDonaldisierung der Welt

26 10 2009

anti-mcdonaldsWas haben die Jahre 1992 und 2010 gemein? Sie sind beide McDonald’s-frei. Zumindest in Island. Am 1. November dieses Jahres schließen die beiden dortigen Filialen. Schuld daran ist (wieder einmal) die Wirtschaftskrise. Der Absturz der isländischen Krone hatte den Import von Schaumgummi, Plastik und Karton so stark verteuert, dass die Restaurants nicht mehr profitabel genug waren.





YouTube-Video legt Firmenserver lahm

25 10 2009

Das Video des Würzburger Unternehmens „Kurzzeit“ enthält Aufnahmen mit einer Million Bildern pro Sekunde. Ursprünglich war es für die Präsentation auf Kriminialistik-Messen produziert worden, doch gelangte der Clip durch den Amerikaner Matt Rece auf die Plattform YouTube. Das eingeblendete Wasserzeichen mit dem Namen der Produzenten veranlasste hunderttausende User eine Mail an das Unternehmen zu verfassen. Der Server konnte die Flut nicht verarbeiten und brach zusammen. Mittlerweile hat das Video auf YouTube bereits über 1,6 Millionen Klicks.