Wolfenstein wird zurückgerufen

23 09 2009

Activision Blizzard Deutschland, der Hersteller des Computerspiels „Wolfenstein“ ruft alle deutschen Versionen zurück. Es werden zudem alle Händler gebeten, den Ego-Shooter aus den Regalen zu nehmen und aus ihren Lagern zu entfernen. Über die Gründe dafür gibt es noch keine offizielle Stellungnahme, die aber in den nächsten Tagen erwartet wird. Höchstwahrscheinlich sind im Spiel vorkommende Hakenkreuze der Auslöser für diese Rückrufaktion. Das Computerspiel war bisher nicht indiziert worden. In Deutschland sind Hakenkreuze in Spielen nicht erlaubt, in Filmen hingegen schon. Die Website pcgames.de merkt an, dass das Spiel im Test überzeugen konnte und „85 Prozent Spielspaß“ bietet.

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5 responses

23 09 2009
Wieser

Ich möchte hier keine Verharmlosung des Nationalsozialismus anstreben, aber ist es nicht lächerlich, dass Spiele zurückgerufen werden müssen, weil sie einen, wenn auch dunklen, Abschnitt der deutschen Geschichte zeigen? Ich finde es wäre langsam Zeit, dass sich die Deutschen mit dieser Zeit auseinandersetzen, anstatt sie immer in jeder Form zu verdrängen? Überall wo man hinsieht, versucht das deutsche Volk diesen Teil der Geschichte zu streichen, wie z.B. bei den Wörtern Lager, Bergführer oder Touristenführer. Da muss man jetzt Magazin, Bergguide und Touristguide sagen, da man sonst nicht politisch korrekt ist. Was soll das Ganze? Auch jedem das seine darf nicht mehr in den Mund genommen werden, da dieser Ausspruch auf dem KZ in Buchenwald stand. Dabei ist dieser Spruch einer wie jeder andere. Man muss sich damit abfinden, dass dies nun einmal geschehen ist und man es nicht mehr ändern kann. Hakenkreuze sind in Deutschland im Film erlaubt, warum also nicht in Spielen? Durch Dementierung eines geschichtlichen Eriegnis kann dieser auch gerne in Vergessenheit geraten, was wohl noch schlimmer wäre.

28 09 2009
Selma

Ich möchte kurz widersprechen: Wenn andere Europäer, angefangen bei den Italienern, Südtirolern usw usw ihre Nazi-, Fascho- oder sonstwie Diktaturen-Vergangenheit auch nur annährend so gut aufgearbeitet hätten wie die Deutschen, dann sähe es insgesamt wohl besser aus und manche Diskussionen hierzulande müssten nicht geführt werden. Sind sie „überempfindlich“? Möglicherweise. Aber mir ist lieber, dass schon beim kleinsten Anzeichen alle Alarmglocken schrillen, als wenn ein gewisser „Menefregismus“ vorherrscht. Natürlich ist es eine Augenauswischerei, wenn Hakenkreuze zwar verbannt werden, zugleich aber die dahintersteckende Ideologie schön langsam wieder salonfähig wird. Dennoch ist eine gewisse Achtsamkeit auch im Umgang mit Symbolen und Wörtern nicht das Schlechteste…

28 09 2009
wiesion [ch]

wenn ich fragen darf, wie sieht denn diese geschichts-aufarbeitung der deutschen konkret aus?

und können sie sich vorstellen, dass dieser bis zur perversion betriebene antifaschismus mit der zeit langweilt und nur noch kopfschmerzen verursachen kann, ähnlich als ob man den ganzen tag schrillende alarmglocken um die ohren hat?

28 09 2009
Wieser

Eine Aufarbeitung zwecks Holocaust usw. der Deutschen wäre mir neu. Zu den Alarmglocken: Müssten sie da in Südtirol nicht durchaus läuten? Die Denkmäler des Faschismus gehörten dann also längst abgerissen, werden es aber nicht. Ich bin sicherlich kein Patriot oder sondergleichen, aber ich glaube, dass wenn man alles, was nur ansatzweise mit einem schrecklichen Teil der Geschichte zu tun hat, verbrennt, verbannt oder was auch immer nur zu einer Verdrängung und nicht zu einer Aufarbeitung führt. Durch eine Übersensibiliserung hat man noch niemanden geholfen, es wäre vielleicht an der Zeit, dass Menschen wieder aufgeklärt werden und nicht immer nur Schreckenskampagnen gegen bestimmte Themen geführt werden. Konkretes Beispiel: Wäre Hitler 1938 od 1939 gestorben, wäre er wohl ein deutscher Held gewesen und es würden immer noch Statuen zu seinen Ehren in Deutschland stehen. Spricht man jedoch solche Sätze in der Öffentlichkeit aus, gilt man natürlicherweisse sofort als Nazi und wird beschimpft. Aufarbeitung? Nicht im Geringsten…

29 09 2009
wiesion [ch]

naja die aufarbeitung bestand im grossen und ganzen darin, dass die deutschen ein derartig grosses schuldgefühl entwickelt haben, das sich bis in die jüngsten generationen hinein gehalten hat, bzw. immer wieder aufgefrischt wird. nun, auch wenn man sagt das sei gut so, ist es im wesen nichts weiter als ein dogma, das nicht über kritischer auseinandersetzung, eigenverantwortung und selbstbewusstsein entstand (dann wäre es wahrscheinlich auch kein dogma mehr), sondern ausschliesslich über predigten eingeredet wurde. dies ist nur eine weitere verschleierung der dekadenz, keineswegs eine kur.

dieses dogma wird derart „soziopolitisch“ schamlos ausgeschlachtet, dass mir mittlerweile bei jedem nazi-vergleich die ohren pfeifen – zu 90% sind die vergleiche ohne jegliche rechtfertigung, bzw. die mücke zum elefanten gemacht. anhand eines martin schulz kann man sehen, wie gut man damit fährt, wenn man konsequent seine politischen gegner – welche zwar andere ansichten haben mögen, aber dem nazionalsozialismus weit entfernt stehen – mit den NSDAP funktionären vergleicht. ironisch finde ich dabei, dass genau diese intolerante haltung gegenüber anderen meinungen dann wieder soviel zustimmung findet und dem ankläger nicht auffällt wie er sich selbst verhält – nicht verschieden von dem, das er selbst so vehement beklagt. noch interessanter finde ich die reaktion, wenn sie selber mit der nazikeule gehauen werden…

ich bin mir auch nicht ganz sicher, wie tief die aufklärung ging: wurden die ursachen oder hauptsächlich die wirkung vermittelt? zb. ein ganz entscheidender faktor, dass jemand wie hitler überhaupt an die macht kommen konnte, war der versailler vertrag, ohne diesen wäre hitler wahrscheinlich nur ausgelacht worden.

und es wird auch gerne so getan, als ob erst die NSDAP zum judenhass angestachelt hatte – nichts lächerlicher als das, die judenfeindlichkeit der deutschen, insbesondere der bayern (nürnberg war ewig die antisemiten-hochburg) liegt schon einige jahrhunderte zurück – dass diese situation eskalieren musste, war schon 50 jahre vorher nietzsche klar geworden („Zu den Schauspielen, auf welche uns das nächste Jahrhundert einladet, gehört die Entscheidung im Schicksale der europäischen Juden.“, aus morgenröthe, kap. „Vom Volke Israel“). die NSDAP liess die situation dann vollends eskalieren, aber das als ursache zu bezeichnen zeugt von einer akuten kurzsichtigkeit. besser zum optiker gehen!

grüsse

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