Was darf ein Staat?

29 08 2009

Seit Tagen berichten Medien darüber, dass eine 13-jährige Schülerin aus den Niederlanden mit dem ernsthaften Gedanken spielt, alleine die Welt zu umsegeln. Laura Dekker will damit einen Rekord brechen und wenn es nach ihren Eltern geht, darf und soll sie das tun. Zwei Jahre würde die Weltumsegelung dauern. Staatliche Behörden sehen das aber anders und entzogen den Eltern kurzerhand für zwei Monate das Sorgerecht. Der Traum vom Rekord ist damit vorerst geplatzt. Vor gut zwei Monaten wurde bekannt, dass Eltern in Kanada ihre Tochter im nationalsozialistischen Glauben erzogen haben. Ihnen wurde das Sorgerecht entzogen, als das Mädchen mit aufgemaltem Hakenkreuz in der Schule erschien und behauptete, dass Schwarze getötet werden müssten. Die öffentliche Diskussion darüber war kontrovers und nicht wenige Juristen sahen im Entzug des Sorgerechts eine unrechtmäßige Handlung der Behörden. Was darf ein Staat? Und was darf er auf keinen Fall? Gibt es eine Grenze zwischen Weltumsegelung mit 13 und Nazisprüchen auf Armen und Beinen?

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3 responses

30 08 2009
kurt gritsch

Gibt es eine Grenze zwischen Weltumsegelung mit 13 und Nazisprüchen auf Armen und Beinen?

sowenig wie zwischen palabiirn und gala (sind ja auch beide süß)

… das problem entsteht wohl immer dort, wo menschen aus angst davor, nicht fallweise unterscheiden zu können, am liebsten pauschal alles erlauben oder alles verbieten lassen wollen. wozu? um die illusion von sicherheit zu gewinnen. mal ehrlich: welche nachbarin hätte man lieber – eine, die mit 13 die welt umsegelt hat oder eine, die hakenkreuze verbreitet und der meinung ist, dass man schwarze töten darf (soll/muss)?

30 08 2009
retrakon

Natürlich ist mir die 13-Jährige 13.000 Mal lieber. Die Frage nach der Grenze war rein rhetorisch. Selbstverständlich gibt es sie. Aber hätte ich dein Argument der fallweisen Unterscheidung ins Feld geführt, wäre wahrscheinlich das Gegenargument gekommen, dass es zu einem Problem führt, wenn man entscheiden muss, wer (!) diese Grenze aus welchen Gründen (!) wo (!) festlegt. Das ist vielleicht in diesem Fall weniger schwierig, weil Hakenkreuze auf Grundschülerinnenarmen schockierend genug sind, aber was macht man bei viel diffizileren Fällen? Und die Reaktionen auf den kanadischen Fall zeigen ja, dass sich Juristen nicht einig sind, ob eine Swastika auf dem Kinderknie nicht doch nur Sache der Eltern ist. Ehrlich gesagt verstehe ich aber nicht, dass Laura nicht einfach segeln darf. Wo kämen wir hin, wenn ein solches Ansinnen gleich zu staatlichem Eingreifen führt. Ich bin immer für staatliche Kontrolle, aber das ist sogar mir zu viel.

8 09 2009
wiesion [ch]

im prinzip stellt sich hier auch schon wieder die grundfrage: der staat als moralische instanz oder bloss ein notwendiges übel? wie so oft wird die wahrheit irgendwo dazwischen liegen, für meinen teil gilt aber, dass der staat schon vielzuviele rechte über dem volk hat. und bitte spart euch lächerlichkeiten wie „das volk ist der staat“ oder „wir sind der staat“ – solch unsensierte parolen finden nichtmal in der schweizerischen teildirekten demokratie anklang, weder noch in den europäischen demokratiediktaturen.

die classe politique und deren sponsoren finden immer mittel und wege ihre eigenen interessen dem volk als dessen interessen zu verkaufen – mal auf die friedliche, mal auf die kriegerische art. jedenfalls hört es mit gaaaaaanz vielem inhaltlosem gelabere und hemmungslosen auslegungsorgien auf.

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