Jagd auf Piraten als Abenteuerurlaub

11 07 2009

Zuerst die zweifelhaften Fakten. Während jedes Jahr 16.000 unbewaffnete Handelsschiffe versuchen, heil durch den Golf von Aden an den somalischen Piraten vorbei zu kommen, bietet nun ein russischer Kreuzfahrtunternehmer für reiche Russen die Jagd auf Piraten als Abenteuerurlaub an. Sein Kreuzfahrtschiff dient als Köder dafür. Versuchen nun die echten Piraten das scheinbar harmlose Schiff zu entern, stehen ihnen bis an die Zähne bewaffnete russische Touristen gegenüber. Waffen – von der Maschinenpistole bis zum Granatenwerfer – und Munition können an Bord für Bargeld gemietet werden. Ein Ticket für einen Tag auf dem Schiff kostet knapp 5.800 Dollar. Dabei garantiert das Angebot einen Piratenüberfall, notfalls dauert die Reise so lange, bis auch wirklich etwas passiert. Was kann man von so einem Angebot halten? Hunderte von Internetseiten sind sich nicht einig. Ein Fake? Oder doch keiner? Sogar eine Website mit dem Angebot lässt sich finden. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es solche Angebote gibt und dass sie legal angeboten werden dürfen. Auf der anderen Seite gibt es nichts, was es nicht gibt. Und schon gar nicht, wenn Geld im Spiel ist. Und niedere Triebe des Menschen angesprochen werden. Und, nein, es kann sich dabei nur um einen Hoax handeln. Alles andere wäre untragbar. Was mich aber doch schockiert, sind Blog- und Forum-Einträge, die mir auf der Suche nach weiteren Informationen untergekommen sind: „scheissegal obs ein fake ist – die Idee find ich MEGAGEIL“, „Wer mit dem Feuer spielt, muss sich nicht wundern, wenn er sich die FInger verbrennt. Ich würds nicht verbieten“, „Ich find die Idee geil. Die Marine kackt sich (aufgrund von Menschenrechts-blabla) ein, tatsächlich mal son Ding zu versenken und andre haben ne Freude dran… ist doch prima, allen geholfen zu haben“. Der folgende Satz gefällt mir aber wirklich: „Ich lehne jede Regierung ab, in der die Meinung des Dorftrottels dasselbe Gewicht hat, wie die des Aristoteles.“

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11 07 2009
Selma

Das kommt sehr nahe an das, was ich mir schon seit längerem vorstelle: eine Reality-Show, in der man „echt“ Krieg spielen kann. Ich glaube, es gäbe genug Leute, die es verdammt aufregend, cool, geil oder was auch immer fänden, sich endlich mal in einem Ausnahmezustand zu befinden, in dem sämtliche Regeln über Bord geworden sind. In manchen Computerspielen wird ja genau das simuliert: Feuer frei auf alles, was sich bewegt, alte Frauen mit dem Auto abschießen, Minderjährige vergewaltigen. Diese Fiktion bleibt aber eben doch trotz allem eine Fiktion. Der Drang nach dem „real thing“ dürfte bei einigen groß sein. Geld bezahlen, um Piraten „in Notwehr“ abzuballern? Ob es das gibt oder nicht: Ich bin davon überzeugt, dass sich viele dafür erwärmen könnten.

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