Gedanken zu mündigen Fernsehern

30 06 2009

„Der mündige Bürger soll selbstverständlich selbst entscheiden, welche Fernsehsendungen er ein- oder ausschaltet, aber man soll ihm diese Entscheidung erleichtern, indem man einige Sendungen nicht herstellt, die er dann abschalten könnte.“ – Dieter Hildebrandt

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5 responses

1 07 2009
öle

So was nennt man dann Zensur. Und wer bestimmt welche Sendungen produziert werden dürfen?

1 07 2009
retrakon

Dieter Hildebrandt ist politischer Kabarettist. Das sollte man bei der Bewertung seiner in erster Linie ironischen Aussage berücksichtigen. Auf der anderen Seite gebe ich zu Folgendes bedenken: Was aus dem Medium Fernsehen, das in den 50er und 60er Jahren noch als Hoffnungsträger für weltweite und distanzenüberbrückende Bildungsmöglichkeiten gesehen wurde, geworden ist, sehen wir heute. Das ist eine Folge, wenn nur die Nachfrage bestimmt, was angeboten wird. Meine persönliche Meinung dazu ist Hildebrandts Gedanke positiv formuliert: Man sollte mehr auf Qualität achten, und das mit Überzeugung, dann wird man damit auch Zuseher anziehen. Der Großteil des Publikums ist nicht dumm und verdient ein wesentlich besseres Programm, aber wenn nur Dreck gesendet wird, gibt man sich irgendwann damit zufrieden. (Ich nehme mich dabei auch überhaupt nicht aus.) Es ist schade, wenn ein Medium unter seinem Wert verkommt.

5 07 2009
Selma

Noch ein Zusatz von mir: Was den „mündigen Zuschauer“ betrifft, so halte ich es tatsächlich für nicht so schlimm, wenn dieser sich selbst aussuchen muss, was er sich nun bieten lässt und was nicht. Es gibt durchaus auch gute Sendungen, auch gute Serien, gute Spiel- und Fernsehfilme usw., man muss sie nur suchen (und manchmal gibt es nichts – na, dann schalt ich halt aus). Was mir mehr zu denken gibt: Wer erzieht uns zu „mündigen Zuschauern“? Noch immer ist Medienerziehung ein Stiefkind sowohl der Eltern als auch der – wir wissen es – hoffnungslos überforderten Schulen, die nicht das auch noch leisten wollen/können. Das Ergebnis sind Kinder, die sich selbst überlassen sind und gar nie die Möglichkeit bekommen, wertvolle Programme von irritierendem Vulgär-Trash zu unterscheiden. Medienverwahrlosung nennt man das. Und hier greift leider auch keine wie auch immer geartete Zensur: Programme für Kinder sind meistens recht solide gemacht (es gibt auch gesetzliche Regelungen dafür), aber Kinder sehen eben leider nicht nur diese. Überspitzt gesagt: Wenn Achtjährige die Saw-Pentalogie in- und auswendig kennen, dann liegt das nicht am Kinderprogramm.

5 07 2009
retrakon

Ich gebe dir recht. Der mündige Bürger MUSS (schon per definitionem) selbst entscheiden, was er sieht und was nicht. Damit das einen Einfluss auf die Programmgestaltung hat, setzt das allerdings voraus, dass es genügend mündige Bürger gibt. Ich behaupte jetzt (ganz locker von der Leber), dass wir NICHT in einer aufgeklärten Welt leben. Aufklärung wird heute oft als religions- und metaphysikkritische Haltung gesehen und (leider) nicht mehr. Aber wenn sich Menschen von Religion abwenden und dafür mit Esoterik o. Ä. beschäftigen, dann ist das für mich kein aufklärerischer Fortschritt. Das ist so als würde man sich Weißwein mit Rotwein abgewöhnen. Vielleicht sogar einen guten Weißwein mit einem billigen Rotweinfusel. (Für dich und K. natürlich umgekehrt.) Zur eigentlichen Frage: Wer erzieht uns zu mündigen Zuschauern? Gute Frage. Du? Wenn man deine Kurse besucht? Gesetzliche Regelungen für Kindersendungen? Bitte sag mir nicht, dass die Teletubbies irgendwelchen Normen entsprechen.

5 07 2009
Selma

Erster Teil deines Textes: Ich stimme hundertprozentig zu.
Zu deinen Fragen: In meinen Kursen erziehe ich niemanden. Ich informiere lediglich, oder versuche es zumindest. Die Erziehung müssten dann die solcherart Informierten übernehmen.
Die Teletubbies sind ein Kapitel für sich, da könnte ich jetzt lang schreiben (es gibt sogar ein ganzes Buch über die Tubbies). Kurzfassung: Gemacht sind sie ok für ihre Zielgruppe. Aber genau die Zielgruppe ist das Problem. Fernsehen für Zweijährige ist Irrsinn. Manche Kritiker bezeichnen die Teletubbies daher als „Einstiegsdroge“.

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