Legalisierte Polygamie?

16 04 2009

Die Niederländer wagen erneut einen ethisch nicht unbedenklichen Vorstoß, in dem sich Tausende für die gesetzliche Anerkennung der Polygamie aussprechen. Die sprachliche Verpackung ist freilich eine andere: Polyamory nennt sich der Lebenstil, mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig im vollen Wissen aller Beteiligten zu unterhalten – der Begriff dazu wurde vor etwa zwanzig Jahren kreiert und seit 1992 über elektronische Foren verbreitet. Mehrere Tausend Niederländer unterzeichneten in den vergangenen Tagen eine entsprechende Petition, die dem Parlament in Den Haag übergeben werden soll. Initiiert wurde die Aktion zur Legalisierung von Mehrfach-Eheschließungen von Künstlern rund um die Polyamory-Aktivistin Ageeth Veenemans. Man hofft, bis September die für eine Gesetzesinitiative im Parlament nötigen 40.000 Unterschriften zusammenzubekommen. Man kann darin durchaus einen weiteren Angriff auf die Institution der Familie sehen. Andererseits werde durch ein entsprechendes Gesetz nur etwas legalisiert, was ohnehin praktiziert wird. Mit demselben Argument könnte allerdings auch der Konsum von harten Drogen legalisiert werden und Vieles mehr. Das Einverständnis erwachsener Personen, auf das so viel Wert gelegt wird, würde als Rechtfertigung ausreichen. Auch in Widersprüche verwickeln sich die Befürworter. Polyamory-Theoretiker grenzen ihre Lebensweise von der der Polygamie dadurch ab, dass sie sie nicht institutionalisiert sehen. Interessanterweise will Veenemans aber gerade das in den Niederlanden durchsetzen. Wenn man bedenkt, dass alle Versuche, alternative Lebens- und Liebesgemeinschaften dauerhaft und allgemein zu etablieren, gescheitert sind – man denke nur an die Kommunen in den 60er und 70er Jahren im Fahrwasser der Jugendbewegungen –, dann muss man sich wundern, dass damit immer noch Aufsehen zu erregen ist. Eifersucht sei ein großes Problem, dessen man sich immerhin bewusst ist, das es aber zu überwinden gilt, um dabei charakterlich zu wachsen, wird argumentiert. Auch wenn immer wieder darauf verwiesen wird, dass polyamoröse Beziehungen nichts mit promiskuitiver Lebensweise zu tun, die Realität spricht eine ganz andere Sprache. Von den Menschen, die mit den polyamurösen Beziehungen ihrer Partner „einverstanden“ sind, dies aber nur aus Liebe ertragen, ganz zu schweigen. Die Beziehung zwischen Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, die gerne als Paradepaar präsentiert werden, zeigt dass Theorie und gelebte Praxis oft weit auseinanderklaffen. Daran ändert auch nichts, dass man in der Theorie mit Begriffen wie „primary, secondary and tertiary relationships“ hantiert. Freie Bürger müssten imstande sein, selbst zu entscheiden, mit wie vielen Menschen sie leben wollen, argumentiert Francisco Camacho, ebenfalls Künstler und Wortführer der Kampagne. Aldous Huxley hat in seinem bereits 1932 erschienen Roman „Schöne neue Welt“ eindrucksvoll demonstriert, wozu eine solche Lebensweise führt.

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