Schon wieder Anmerkungen zur Zeit und dem Zeitbegriff, werden sich einige denken. Als der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Frau Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo ermordert wurde, veröffentlicht der „Tiroler Volksbote“ auf seiner ersten Seite einen Artikel mit dem Titel „Der Mord am Thronfolgerpaar“. Das interessante an der ganzen Sache ist, dass die Zeitung am 10. Juli (!) 1914 erschienen ist. Zwischen Ereignis und Berichterstattung lagen zwei Wochen. Gut, andere Zeitungen haben natürlich sofort am nächsten Tag darüber berichtet, anderes würde man auch nicht erwarten. Durch die Segnungen der modernen Technik wird es möglich, immer weniger Zeit zwischen Vorgefallenem und Berichterstattung verfließen zu lassen. Ja, es ist sogar möglich, in realtime, in Echtzeit zu berichten – von jedem Punkt der Erde für alle Menschen mit einem entsprechenden Zugang. Bemerkenswert finde ich diesbezüglich, dass der 31-jährige Dana Hanna während seiner Hochzeitszeremonie das Handy herauszieht und kurz vor dem entscheidenden Kuss zu filmen beginnt, das Video online stellt und gleichzeitig seinen Status auf Facebook verändert. Auch für seine Frau Tracey, die von der Aktion nichts wusste, hat er das Handy mitgebracht, damit sie ebenfalls ihren Status ändern konnte. Es fehlt nun nur noch eine Berichterstattung vor den Ereignissen selbst. Sozusagen in Überlichtgeschwindigkeit.
Realtime und einige Gedanken dazu
3 12 2009Kommentare : 5 Kommentare »
Schlagworte: Facebook, Internet, Journalismus, Philosophie, Zeit
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Krimineller Star
8 11 2009
Der Geldbote Tony Musulin ist 39 Jahre alt und vor ein paar Tagen mit 11,6 Millionen Euro, die der Banque de France gehören, spurlos verschwunden. Seinen Geldtransporter hatte man gefunden, von dem Fahrer und der Beute fehlte jedoch jede Spur – die Polizei fand seine Wohnung leergeräumt vor; der Unverheiratete und Kinderlose hatte seine Papiere mitgenommen und seine Konten abgeräumt. Man könnte nun meinen, dass ein solch kriminelles Vorgehen bei der Bevölkerung Entrüstung auslöst. Weit gefehlt. Auf Facebook ist Musulin ein Star. Es gibt Fanclubs, seine Aktion wird bewundert, er erhält „Bravo“-Zurufe, wird als Held gefeiert. Klar, böse Buben werden immer irgendwie bewundert. Robbie Williams darf grimmig dreischauen, (vor Ayda) Frauen abservieren, Stinkefinger zeigen, sich unrasiert und ungewaschen in der Öffentlichkeit zeigen etc., das mag das Publikum. Das ist aber ganz etwas anderes. Wie würden die 3.944 Fans des Tony-Musulin-Fanclubs reagieren, wenn es ihr Geld gewesen wäre? Aber „Just for fun“ ist alles in Ordnung.
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Schlagworte: Facebook, Internet
Kategorien : Kommentar
Wenn das Gesichtsbuch das Gesicht verliert
23 10 2009Mein Verhältnis zu Facebook ist gespalten. Das sage ich als aktiver User mit fast 500 „Freunden“. Denn der Umgang der Nutzer in und mit Sozialen Netzwerken ist nicht immer unproblematisch. Ob die Zeit, die damit verbracht wird, täglich sinnarme, und nicht einmal originelle Tests zu machen, um dann zu erfahren, dass man heute 87% sexy ist (und es egal ist, ob man aussieht wie ein Mülleimer oder wie der Fleisch gewordene Traum des anderen Geschlechts), nicht wesentlich sinnvoller genutzt werden kann, sei dahingestellt. Der Mensch braucht einen Tropfen Zerstreuung und findet einen Ozean. Facebook-Gruppen wie „Tod für Berlusconi“ oder „Uccidiamo Berlusconi“ zeigen hingegen ein anderes Bild der Web-2.0-Gemeinschaft. Auch wenn die Gruppen als „Just for fun“ gekennzeichnet waren, 17.000 Mitglieder sind nicht zu ignorieren. Dass die Aktions-Website geschlossen werden soll und bereits Anzeige erstattet wurde, kann unterschiedlich aufgefasst werden. Lächerlich, kleinkariert, antidemokratisch heißt es auf der einen Seite, notwendig und in diesem Fall richtig auf der anderen. Was „Just for fun“ ist, wird damit zum Streitgegenstand. Ob man Klopapier vor Gebrauch faltet oder verwurstelt, mag als Spaßbekenntnis durchgehen, bei einem Mordaufruf, wer immer auch das potentielle Opfer ist, wird es schon schwieriger. Die Oxford-Professorin und Bestseller-Autorin Susan Greenfield vertritt die These, dass Computertechnologien das menschliche Bewusstsein massiv verändern und das Gehirn infantilisieren können: Computerspiele verkürzen die Aufmerksamkeits-Spannen bei Kindern und fördern ADHS; Personen, die zu viel Zeit in Cyberwelten verbringen, leben nur für den „Thrill of the Moment“; durch Computerspiele kann der Sinn für Metaphern und abstrakte Konzepte verloren gehen, weshalb die Psyche der Zukunft mehr einer kindlichen als einer erwachsenen ähnle. Andererseits werden Fähigkeiten wie Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen in Cyberwelten seltener gefordert. Dadurch verkümmere möglicherweise der präfrontale Kortex, jenes Hirnareal, in dem Fantasie und Empathie angesiedelt sind. Die Folge könnte gesteigerte Risikofreude, Gier und Rücksichtslosigkeit sein. Just for fun.
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Schlagworte: Facebook, Internet, Web 2.0, Zensur
Kategorien : Glosse
Immer mehr Firmen verbieten Facebook
9 10 2009Das unabhängige Forschungsunternehmen Robert Half Technology mit Sitz im US-Bundesstaat Kalifornien hat in einer Studie herausgefunden, dass 54% der 1.400 befragten US-Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitern diesen den Zugang zu Sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace oder Twitter sperren. Grund dafür ist die Beobachtung, dass die Aufmerksamkeit der Beschäftigen zu stark von diesen Aktivitäten abgelenkt werde. Nur in 10% der Firmen gäbe es keinerlei diesbezüglichen Beschränkungen. Es ist nicht das erste Mal, dass Web-2.0-Anwendungen bei Obrigkeiten auf wenig Gegenliebe stoßen. Religiöse Vertreter in Indonesien sind zum Beispiel der Meinung, das Nutzen von Facebook sei nur erlaubt, wenn es den Islam fördere.
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Schlagworte: Facebook, Internet, MySpace, Twitter
Kategorien : Meldung
Mobbing 2.0
15 09 2009In der Pro7-Sendung „Schlag den Raab“ trat ein Kandidat namens Hans-Martin gegen den Moderator an. Er wirkte auf die Mehrheit der Zuseher (nach allem, was darüber geschrieben wurde) sehr ehrgeizig, aber nicht besonders sympathisch. Er habe sich ständig selbst angefeuert und überheblich und oft auch irrational reagiert. Parallel zur Sendung entwickelte sich eine Art virtueller Pogrom gegen den Kandidaten. Geschützt durch die Anonymität im Internet, wurde er in Sozialen Netzwerken und anderen Web-2.0-Applikationen verspottet, gedemütigt und beschimpft. Auf Twitter gab es bald den Hashtag #Hassmartin, mit dem entsprechende Nachrichten gekennzeichnet wurden. Ein User hatte sich sogar den Twitter-Account @Hassmartin reservieren lassen; innerhalb kürzester Zeit verzeichnete er hunderte Follower. Außerdem kursierten über Twitter eine Menge unvorteilhafter Screenshots und Videoclips der gemobbten Person. Sogar im offiziellen Pro7-Forum ließen es die Webmaster zu, dass im Sekundentakt Hasstiraden gegen den Kandidaten gepostet werden konnten. Anderenorts war es kaum besser. Innerhalb von 40 Minuten hatte auf StudiVZ „Die große Anti-Hans-Martin Gruppe“ über 330 Mitglieder, wenig später waren es fast 700. Ein Online-Shop für T-Shirts verkauft „Deine Mudder heisst Hans-Martin“- und „I survived Hans-Martin“-Shirts. Der abartigen Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Schließlich hat er dann Stefan Raab knapp geschlagen und dafür 500.000 Euro Preisgeld erhalten. Dafür wurde er vom Publikum ausgebuht. Viele sind sich einig: Der große (Quoten-)Gewinner war Pro7. Wir erreichen langsam japanisches Niveau. „Namidame“ zum Beispiel: Kern der Show ist ein Wettbewerb, bei dem zehn junge Frauen darum kämpfen, wer am ausdauerndsten, heftigsten und tränenreichsten weint. Sie werden dazu für eine Woche in ein Haus gebracht, wo sie ihre Tränen in Messbechern sammeln sollen. Um den Tränenfluss anzuregen kommt es zu gegenseitigen persönlichen Beleidigungen oder sogar tätlichen Angriffen. Jede Woche scheidet eine Frau aus. Die Gewinnerin erhält einen Geldpreis. Inwieweit sollte sich Fernsehen nur daran orientieren, was das Publikum verlangt? Was macht man mit folgendem Argument: TV-Sender sollen Programme senden, die gesehen werden wollen. Trägt Ekel-TV dazu bei, dass Menschen abstumpfen? Oder sollte man es mit Nietzsche halten: Nur weil Menschen schon abgestumpft sind, hat Ekel-TV überhaupt eine Chance.
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Schlagworte: Facebook, Fernsehen, Twitter
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Von wegen absolute Freiheit
11 09 2009Wer mich (persönlich) kennt, weiß, dass ich kein Problem damit habe, wenn Freiheiten eingeschränkt werden. Einfach deshalb, weil wahre Freiheit nichts damit zu tun hat, dass man alles darf. Mit dieser Einstellung gehöre ich wahrscheinlich zu einer kleinen Minderheit, aber das Gefühl, nicht blind dem Zeitgeist zu verfallen oder ferngesteuert dem Mainstream hinterherzujagen, ist zumindest manchmal gar nicht so schlecht. Während wir auf der einen Seite in einer Welt leben, in der alles erlaubt zu sein scheint und jede Einschränkung vehement bekämpft wird, zeigt sich andererseits, dass es ohne doch nicht geht. In Deutschland gibt es Zensurbestrebungen, die trotz Proteste nicht vollkommen abgewendet werden konnten; Rabid Neurosis, eine Gruppe, die 25.000 Musikalben illegal im Internet angeboten hat (zum Teil vor dem regulären Erscheinungstermin), wird nun als kriminelle Vereinigung vor Gericht gestellt; in der Schweiz wird Beamten der Facebook-Zugang gesperrt, weil die Arbeitsleistung durch die Social-Network-Site drastisch gesunken war.
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Schlagworte: Facebook, Filesharing, Freiheit
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Notrufnummer Facebook
8 09 2009Zwei australische Mädchen, das eine 10, das andere 12 Jahre alt, fallen in eine Kanalisation und stecken fest. Schlimm genug. Zum Glück hatten sie ihr Handy dabei, so konnten sie gleich selbst über die Notrufnummer Hilfe organisieren. Hätten sie können. Sie haben ihren Facebook-Status geändert und gehofft, dass einige Freunde online sind, die ihren Hilfe„ruf“ sehen und Hilfe holen. Das haben sie auch – nach einiger Zeit. Etwas umständlich, finde ich, sie hätten einfach einen Tweet twittern können, dann wär’s sicher noch schneller gegangen.
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Schlagworte: Facebook
Kategorien : Glosse
Chumbawamba on my mind …
4 09 2009Die australische Firma uSocial bietet Followers auf Twitter und Freunde auf Facebook zum Verkauf an. 1000 neue Freunde kosten ca. 200 Euro. Weder Twitter noch Facebook gefällt diese Praxis und man denkt sogar daran, User, die auf das Angebot eingehen, zu sperren. Dazu fällt mir Chumbawambas Song „She’s Got All The Friends That Money Can Buy“ aus dem Jahre 2000 ein. Dort heißt es: „Well, you can buy your friends, but I’ll hate you for free, hate you for free …“
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Schlagworte: Facebook, Twitter, Wirtschaft
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Haft nach Mobbing auf Facebook
22 08 2009In Großbritannien wurde ein 18-jähriger Teenager zu einer Haftstrafe verurteilt, weil sie auf der Social-Network-Seite Facebook eine ehemalige Schulkameradin mit dem Tod bedroht hatte. Es ist dies in Großbritannien der erste Fall einer Verurteilung wegen Mobbing im Internet. Das Gericht in Worcester verurteilte die Schuldige zu drei Monaten Haft in einer Jugendstrafanstalt, zudem dürfe sie fünf Jahre lang nicht mit ihrer Bekannten in Kontakt treten oder Kommentare über sie im Internet verbreiten.
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Schlagworte: Facebook, Internet
Kategorien : Meldung
Wenn Peinlichkeiten im Internet den Arbeitsplatz kosten
21 08 2009Die Deutsche Bundesregierung hat eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nun veröffentlicht wurden. Immer mehr Arbeitsgeber nutzen systematisch das Internet, wenn es darum geht, Erkundigungen über Bewerber einzuholen. Über Suchmaschinen und Social-Network-Seiten wird nach Hobbys, Interessen, Vorlieben oder auch Meinungsäußerungen und Fotos gesucht. Viele Bewerber würden wegen ins Netz gestellter Angaben gar nicht mehr zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Besonders kritisch bewertet wird, wenn sich Bewerber im Internet abfällig über ihre gegenwärtige oder vergangene Jobsituation äußern. Auch das Einstellen allzu persönlicher Inhalte, wie etwa Fotos von privaten Partys, wird negativ betrachtet.
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Schlagworte: Facebook, Google, Internet, Twitter
Kategorien : Meldung