Wenn man sich die Entwicklung des Schul- und Bildungswesen der letzten Jahre ansieht, dann stellt man fest, dass im Primar- und Sekundarbereich, also bis zur Matura/zum Abitur, immer mehr Wahl- und Wahlpflichtfächer angeboten werden. Damit soll den Schülern das eigenständige, nach persönlichen Bedürfnissen und nach persönlichen Fähigkeiten orientierte Entscheiden näher gebracht werden. Ob ein 12-jähriger Schüler aber tatsächlich in der Lage ist, abzuschätzen, welche Fächer und Inhalte für sein späteres Leben Bedeutung haben werden, sollte noch diskutiert werden. Auf der anderen Seite beklagen immer mehr Studenten und Professoren die Verschulung der Universitäten. In diesem Bereich geht man also genau den umgekehrten Weg. Aber gerade hier sollte sich neben der Freiheit der Lehre auch die Freiheit des Lernens entfalten dürfen. Ich finde es wichtig, dass junge Menschen bis zur Reifeprüfung eine möglichst breite Allgemeinbildung erhalten, über die sie nicht selbst entscheiden dürfen (oder nur in sehr eingeschränktem Maße). Dafür sollten aber danach die Bildungsinhalte nur in Grundzügen, nicht aber im Detail vorgegeben werden. Zuerst muss man sich eine Basis aneignen, danach kommt das eigenständige Forschen.
Was stimmt hier nicht? (Folge 1)
4 12 2009Kommentare : 3 Kommentare »
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Ein wenig mehr Idealismus und ein bisschen weniger Prostitution
28 10 2009Wer die Berichterstattung rund um die 1. Südtiroler Volksabstimmung verfolgt hat, dem wird die Diskussion über die hohen Aufwandsentschädigungen für Auslandssüdtiroler nicht entgangen sein. Es ist schon ein verqueres System, im dem staatsbürgerliche Selbstverständlichkeiten eigenes honoriert werden müssen. Natürlich ist es verständlich, dass zum Beispiel eine Anreise von 1000 km für ein Referendum, bei dem von vornherein nicht klar war, ob das nötige Quorum überhaupt erreicht wird, nicht von allen auf sich genommen wird. In diesem Fall sind Vorwürfe unangebracht. Wenn aber der ausländische Heimatort oft nur wenige Kilometer hinter der Grenze liegt und ganze Familien, oft ohne genau zu wissen, worüber abgestimmt wird, die Fahrtkostenrückerstattung in Anspruch nehmen, dann ist die Liebe zur Demokratie und ihren Prinzipien kaum mehr wert als das Liebesgesäusel einer Prostituierten. „prostituere“ heißt im Lateinischen auch „preisgeben“. Eine aufgeklärte, staatsbürgerlich vernünftige Haltung wird hier mit Sicherheit der Lächerlichkeit preisgegeben. Doch die Praxis, sich Selbstverständlichkeiten zu erkaufen, liegt im Trend. Wenn französische Schüler für einen regelmäßigen Schulbesuch finanziell belohnt werden (statt dass Schwänzer belangt werden) oder anderenorts Schüler für jede Anstrengung mit Reisen geködert werden, dann wird jede idealistische Gesinnung untergraben oder ausgelöscht.
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Die verlorene Kindheit oder Die spinnen, die Briten
27 10 2009Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Das ist in Ordnung. Wer nichts leistet, gehört nicht dazu. Darüber kann und soll man diskutieren. Wenn ich aber lese, dass in Großbritannien bereits Siebenjährige ihre Karriere planen sollen, dann mutiere ich unfreiwillig zum Hippie. Und mit Hippies hatte ich nie etwas am Hut, noch wollte ich, dass es so war. Das ganze erinnert mich ein wenig an Neil Postmans 1987 erschienene Buch „Das Verschwinden der Kindheit“. Wenn Kinder nicht mehr Kinder sein dürfen, wenn sie den ganzen Druck, der auf Erwachsene lastet, schon im Grundschulalter spüren, dann läuft etwas falsch. Und vielleicht ist das auch ein Grund, wieso sich andererseits heute immer mehr Erwachsene weigern, erwachsen zu werden. Ein schönes Paradoxon. Dem britischen Bildungsminister Ed Balls sage ich nur eines: Che balle!
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Schlagworte: Bildung, Politik, Wirtschaft
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Alles umdrehen?
6 10 2009Die Seite DNews hat vor wenigen Stunden eine Meldung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass man in Frankreich das immer größer werdende Problem der Schulschwänzer dadurch zu lösen versucht, indem man Schüler, die NICHT schwänzen, mit Bargeld, Fußballtickets oder Führerscheinprämien belohnt. Ich finde diesen Weg falsch. Es geht nicht darum, dass es schlecht wäre, Menschen für Leistungen zu belohnen, ganz im Gegenteil, das sollte sogar so sein und spornt an. Ich finde es aber bedenklich, dass hier nicht Leistungen sondern Selbstverständlichkeiten eigens belohnt werden. Auch wenn einige Schulen die Belohnung nicht an einzelne Schüler, sondern an die ganze Klasse am Ende des Schuljahres vergibt, scheinen mir 10.000 Euro dafür, dass jemand ein kostenloses Bildungsangebot „unfreiwillig“ (d. h. nur unter der Voraussetzung, dafür bezahlt zu werden) annimmt, vollkommen unangemessen. Ich formuliere es abschließend hart und vielleicht implizit derb: Eine solche Methode vermittelt jungen Menschen das Gefühl, dass alles nur wegen des finanziellen Profits gemacht werden soll. Und das erinnert mich an das älteste Gewerbe. So, jetzt dürft ihr auf mich einhacken.
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Schlagworte: Bildung, Schule
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Nomen est omen
18 09 2009Julia Kube ist 24 Jahre alt und hat gerade ihr Master-Arbeit abgeschlossen. Es ging darum, inwieweit ein Vorname Vorurteile bei Grundschullehrern auslöst. Unter anderem wurden folgende Fragen gestellt: Welche Vornamen würden Sie Ihrem Kind auf keinen Fall geben? Nennen Sie Namen, die bei Ihnen Assoziationen zu Verhaltensauffälligkeit hervorrufen! Außerdem ließ Kube die Lehrer vorgegebene Namen bewerten. Überraschende Erkenntnis: 94 Prozent (der 2000 untersuchten) Grundschullehrer gingen unreflektiert mit ihren Vorurteilen um. Namen, die ein positives Bild hervorrufen sind Alexander, Maximilian, Simon, Lukas, Jakob, Charlotte, Nele, Marie, Emma und Katharina. Auffällig schlecht bewerten die Lehrer dagegen die Namen Chantal, Angelina, Justin, Dennis, Marvin, Mandy und Jaquelin. Eine befragte Lehrerin kommentierte ihre Wertung sogar mit „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.“
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Schlagworte: Bildung, Schule, Vorurteile
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Bachelor-Studien machen krank
14 09 2009Bildungssysteme – egal in welchem Land – zeichnen sich dadurch aus, dass sie ständig reformiert werden. Und wenn es nicht tatsächlich geschieht, dann wird lange und breit darüber geredet. Es scheint sogar so, als wäre dies immer schon so gewesen. In anderen Worten: Die aktuelle Bildungssituation wird stets als unzufriedenstellend empfunden. Eine solche anscheinend überfällige Reform war auch die so genannte Bologna-Reform in Deutschland. Damit wurde u. a. das Bachelor-Master-System eingeführt. Eine aktuelle Studie der Bildungsgewerkstatt GEW bringt nun ans Licht, dass Bachelor-Studenten besonders oft an Depressionen, Angstattacken, Versagensängsten, Schlafstörungen oder Magenkrämpfen leiden. Dies zeigt sich auch dadurch, dass am meisten Antidepressiva und Psychopharmaka an Bachelor-Studenten (im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen) verschrieben und verkauft werden. Stress, hoher Erfolgsdruck und andere Belastungen sind dafür verantwortlich. Einer der Gründe, den BA-Titel einzuführen, war es, Studien für mehr Menschen zu öffnen oder (wenn man es so will) in den internationalen Statistiken zur Ausbildungssituation gut dazustehen. Aber manchmal geht der Schuss nach hinten los. Vor allem, und das ist die eigentliche Kritik, wenn Reformen halbherzig oder aus anderen Gründen als den offen vorgetragenen durchgepeitscht werden.
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Schlagworte: Bildung, Schule
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Homeschooling als Trend
22 07 2009In den Vereinigten Staaten von Amerika nehmen immer mehr Eltern ihre Kinder aus der Schule und unterrichten sie zu Hause selbst. Bereits 2003 waren es über eine Million Schüler. Während dies zunächst in fundamentalistisch christlichen Kreisen üblich war, beschränkt sich das so genannte Homeschooling schon lange nicht auf diese Gesellschaftsschichten. Auch extreme Verschwörungstheoretiker gehören zu den Gruppen, die auf Homeschooling schwören. Im Unterschied zu vielen europäischen Staaten ist in den USA der Schulbesuch nicht verpflichtend. In einer Umfrage gaben 30 Prozent der lehrenden Eltern an, sich aus religiösen oder anderen Wertegründen fürs Homeschooling entschieden zu haben; bei 30 Prozent waren es Sorgen wegen Drogen, Sicherheit und Gruppendruck; 17 Prozent waren mit dem Lehrplan in traditionellen Schulen nicht einverstanden. Kritiker warnen allerdings davor, dass dieser Trend eine Generation von Egoisten ohne soziale Kompetenzen hervorbringt.
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Schulfächer „Prävention“ und „Lebenskompetenz“
17 07 2009Der Deutsche Lehrerverband DL hat die Forderung der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) nach einem Schulfach „Prävention“ scharf zurückgewiesen. Bätzing hatte erklärt, Schulen müssten besser und früher über Alkoholmissbrauch aufklären, wie dies in Großbritannien üblich sei. Dort gäbe es das Fach „Lebenskompetenz“, in dem Themen wie Alkoholkonsum, Ernährung und soziale Probleme behandelt werden. Josef Kraus vom DL hält die Schule mit solchen Ideen für überfordert und meint: „Wir machen in der Schule ohnehin schon eine Menge Reparaturpädagogik. Wir nehmen die Saufereien auch sehr ernst, aber wir sind als gesellschaftliche Reparaturanstalt und als Problemrecycler restlos überfordert.“ Als einzig wirksame Maßnahme sehe er einen drastisch erschwerten Zugang Minderjähriger zu Spirituosen. Es müsse mehr Kontrollen in Getränkemärkten und an Tankstellen geben. Schwarze Schafe sollten bestraft werden, dazu gehören auch Eltern, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzen.
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Schlagworte: Alkohol, Bildung, Familie, Gesellschaft, Schule
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Lernbares Glück?
9 07 2009In Österreich wird es, wie schon in Deutschland, an einigen Schulen das neue Schulfach „Glück“ geben. Meine Frage an euch: Braucht es das wirklich? Ist die Schule wirklich der geeignete Rahmen dafür? Wie sieht eine Lehrbefähigung für das Fach „Glück“ aus? Dauergrinsen oder einfach Mensch-Sein? Welche anderen „alternativen“ Fächer würden Schulen und Schülern gut tun? Welche Fächer sind dagegen sinnlos oder überflüssig? Wenn es solche Fächer gibt, war das schon immer so oder haben sie im Laufe der Zeit an tatsächlicher Bedeutung verloren? Wie sieht der Bildungskanon für das 3. Jahrtausend aus? Muss man noch wissen, was ein Kanon ist?
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Schlagworte: Bildung, Familie, Kultur, Philosophie, Sprache, Wissen, Wohlstandsparadoxon
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Ich bin am Theater in der Josefstadt
8 07 2009Schauspielerische Ambitionen hatte ich nie. Aber pingelig bin ich wirklich. Als ich 2006 als Erbsen zählender Buchhalter Michael Trimmer in Stefan Vögels Stück „Die süßesten Früchte“ auf der Bühne stand, habe ich über den Vorarlberger Autor einen Wikipedia-Artikel verfasst. Das wäre an sich nichts Besonderes, hätte ich nicht auch den kleinen Vinschgauer Ort Kortsch erwähnt, der damals noch nicht einmal mit einem eigenen Wikipedia-Eintrag vertreten war und dessen Theaterverein als erster Vögels Stück mit Laien aufführen durfte. In keiner anderen mir bekannten Quelle wird der Ort im Zusammenhang mit Vögel erwähnt, so als legte man keinen Wert darauf, dass auch Laienbühnen seine Werke spielen. Und wie ich finde, gar nicht einmal so schlecht. Sein neues Stück „Altweiberfrühling“ wird zu Ehren von Elfriede Ott am Theater in der Josefstadt in Wien aufgeführt. Auf der Website des Theaters findet man eine kurze Biographie des Autors, die streckenweise Wort für Wort aus der Wikipedia abgeschrieben wurde. Ohne Quellenangabe selbstverständlich. Dafür aber wird Kortsch erwähnt. So als würde man in Wien wissen, wo das ist. Oder was? Oder wer? Was lehrt uns das? Selbst Profis leiden am Copy-Paste-Syndrom. Und mein Werk hat es damit in die Josefstadt geschafft.
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Schlagworte: Bildung, Urheberrecht, Wikipedia
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